Offenlegung und fachliche Leistung getrennt bewerten
Eine Offenlegung beantwortet, wie ein Werkzeug in den Arbeitsprozess eingriff. Sie ist nicht automatisch ein Maß für die Qualität des Essays, Codes oder Forschungsprojekts. Ein kurzer präziser Eintrag kann besser sein als ein langer Chat-Export. Bewertet werden die angekündigten Informationsfelder; die fachliche Leistung folgt ihrer eigenen Rubric.
Vor Beginn müssen Studierende wissen, welche Werkzeuge und Funktionen erlaubt sind, was offengelegt werden muss und wie dies in die Bewertung eingeht. „KI-Nutzung angeben“ ist zu unbestimmt, wenn Übersetzung, Rechtschreibung, Suche, Codevervollständigung und generative Texterstellung unterschiedlich behandelt werden. Beispiele und ein offizieller Klärungsweg gehören zur Aufgabe.
Modulbeschreibung, Prüfungsordnung und institutionelle Richtlinie bleiben verbindlich. Eine Rubric kann keine nicht genehmigte Sanktion oder neue Prüfungsleistung schaffen. Sie wird fachlich und formal angepasst; diese Vorlage ist kein universelles Hochschulrecht.
Mindestfelder knapp und datensparsam definieren
Ein brauchbarer Eintrag kann in wenigen Sätzen oder einer Tabelle erfolgen. Er nennt den Dienst oder, wenn unbekannt, die Funktionskategorie; den Zweck; die Phase; das relevante Ergebnis; was übernommen oder verworfen wurde; und die fachliche Prüfung. Vollständige Prompts sind nur erforderlich, wenn die Regel sie sachlich und rechtlich begründet verlangt.
Keine Zugangsdaten, vertraulichen Forschungsdaten oder personenbezogenen Informationen Dritter werden in eine Offenlegung kopiert. Bei einem unzulässigen Upload ist Datenschutz getrennt vom inhaltlichen Ergebnis zu behandeln. Mehr Transparenz darf nicht zu einer neuen Veröffentlichung sensibler Daten zwingen.
Fehlen technische Versionsangaben in der Oberfläche, wird „nicht ausgewiesen“ akzeptiert. Studierende sollen keine Modellkennung erfinden. Ein Datum, Screenshot oder Export kann die Einordnung unterstützen, ist aber nicht automatisch erforderlich und beweist keine vollständige Nutzungshistorie.
Prüfung und Verantwortung mit fachoffenen Verben erfassen
„Fakten geprüft“ wird konkret: Quellen geöffnet, Rechnung unabhängig wiederholt, Code mit Testfällen geprüft, Übersetzung mit Original verglichen oder Gegenposition recherchiert. Welche Kontrolle passt, hängt vom Fach und Lernziel ab. Die Rubric nennt daher Funktionen, nicht eine einzige Technik.
Eine hochwertige Reflexion identifiziert Grenzen, ohne eine vorgefertigte negative Haltung zu verlangen. Studierende können erklären, dass eine Ausgabe nützlich war und dennoch Quellen erfand, Nuancen verlor oder Codefehler enthielt. Entscheidend ist der belegte Umgang, nicht ein gewünschtes Bekenntnis.
Verantwortung bedeutet, dass die einreichende Person Auswahl, Prüfung und Endfassung vertritt. Das Werkzeug wird nicht zum Autor. Eine Offenlegung entschuldigt weder falsche Quellen noch unzulässige Übernahmen, macht aber den Arbeitsweg prüfbar.
Ehrliche zulässige Nutzung nicht bestrafen
Wenn KI für einen Arbeitsschritt erlaubt ist, darf allein die Offenlegung dieser Nutzung keinen pauschalen Abzug auslösen. Sonst setzt die Bewertung einen Anreiz zum Verschweigen. Punkte oder Kriterien beziehen sich auf Vollständigkeit und fachliche Kontrolle, nicht auf moralische Vermutungen.
Unklare oder widersprüchliche Vorgaben werden zugunsten eines fairen Klärungsprozesses behandelt, nicht rückwirkend als eindeutiger Verstoß. Lehrende dokumentieren, welche Regelversion galt. Vergleichsfälle werden nach denselben Kriterien bewertet. Persönlicher Schreibstil oder Detektorscore ist kein Ersatz für Offenlegungsbelege.
Barrierebedingte Werkzeugnutzung und genehmigte Anpassungen werden vertraulich und nach dem zuständigen Verfahren behandelt. Die Rubric bewertet nicht Behinderung, Sprachhintergrund oder Zugang zu einem kostenpflichtigen System. Gleichwertige Alternativen müssen real nutzbar sein.
Mit Grenzfällen kalibrieren und Entscheidungen dokumentieren
- Drei anonymisierte Muster mit vollständiger, knapper und unklarer Offenlegung erstellen.
- Prüfende unabhängig bewerten und Abweichungen am Wortlaut der Rubric klären.
- Fachspezifische Prüfbeispiele ergänzen, ohne neue Kriterien einzuführen.
- Studierenden vorab einen ausfüllbaren Beispielrahmen geben.
- Einzelentscheidungen mit Kriterium und sichtbarem Beleg begründen.
- Nach dem Durchlauf missverständliche Formulierungen für die nächste genehmigte Fassung überarbeiten.
Der Leitfaden zum Prüfungsdesign ordnet die KI-Regel ein. Der Beitragsnachweis für Gruppen trennt individuelle Arbeit. Weitere Raster bündelt der Hub Hochschulpraxis. Genau einen Grundlagenanschluss bietet der Wissensbereich wissenschaftliches Arbeiten.
Ein kurzer Plausibilitätscheck schützt außerdem vor einer Scheingenauigkeit der Rubric: Bewertende markieren zuerst nur die tatsächlich auffindbaren Angaben und notieren anschließend, welches Kriterium dadurch erfüllt wird. Nicht dokumentierte Nutzung darf nicht aus Schreibstil, Themenwahl oder bloßer Vermutung ergänzt werden. Fehlt eine Information, lautet der Befund zunächst „nicht nachgewiesen“ und nicht automatisch „unzulässig“. Erst die veröffentlichte Aufgabenregel bestimmt, ob und welche Folge daran geknüpft ist. Bei einer Rückfrage erhält die studierende Person Gelegenheit, die gemeinte Arbeitsphase einzuordnen, ohne nachträglich eine perfekte Erzählung liefern zu müssen. So bleiben Transparenz, Verfahrensfairness und fachliche Bewertung voneinander unterscheidbar.