Stellungnahme

Stellungnahme zum Plagiatsvorwurf: Aufbau und Ton

Eine Stellungnahme ist ein sachlicher Text, kein Rechtfertigungsschreiben. Sie ordnet den Vorwurf, geht Stelle für Stelle darauf ein und nennt Belege. Hier findest du ein Gerüst, das du mit deinem eigenen Fall füllst, keinen Text zum Kopieren.

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 |  Zuletzt geprüft: 26.08.2026  |  6 Min. Lesezeit

Die nächsten drei Schritte

  1. Verschaff dir den genauen Vorwurf. Bitte schriftlich um Akteneinsicht und um den Bericht, auf den sich das Verfahren stützt. Ohne die konkreten Textstellen schreibst du ins Blaue.
  2. Leg eine Tabelle mit den betroffenen Stellen an. Eine Zeile pro Fundstelle: Seite, Absatz, Quelle, was du dazu sagen kannst, welcher Beleg dazugehört.
  3. Schreib den Entwurf, lass ihn eine Nacht liegen, kürze ihn dann. Der erste Entwurf enthält fast immer zu viel Erklärung und zu wenig Struktur.

Erst danach lohnt es sich, an Formulierungen zu feilen. Die Struktur trägt den Text, nicht der schöne Satz.

Was eine Stellungnahme leisten soll

Die Stellungnahme bringt deine Sicht in ein laufendes Verfahren ein. Sie ist die schriftliche Form dessen, was du in einer Anhörung mündlich sagen würdest.

Sie soll drei Dinge tun: den Sachverhalt aus deiner Perspektive schildern, zu jeder beanstandeten Stelle konkret Position beziehen und die Belege benennen, die das stützen. Alles andere ist Beiwerk.

Der häufigste Fehler ist ein Text, der über alles spricht und über keine Stelle. Wer allgemein erklärt, wie sorgfältig er gearbeitet hat, beantwortet die Frage nicht, die im Raum steht. Die Frage lautet: Woher stammt dieser Absatz auf Seite 34, und warum steht dort kein Beleg? Auf genau diese Ebene gehört deine Antwort.

Was sie nicht leisten muss: ein Urteil über die Software fällen, die Prüfungsordnung auslegen oder die Arbeit inhaltlich verteidigen. Über die wissenschaftliche Qualität deiner Arbeit wird hier nicht verhandelt. Es geht um Herkunft und Kennzeichnung von Textstellen.

Welche Fristen dabei zählen

Die Frist für deine Stellungnahme steht in deinem Schreiben. Sie ist der wichtigste Termin in diesem Abschnitt des Verfahrens, weil danach typischerweise ohne deine Sicht entschieden wird.

Was beim Timing schiefgeht

  • Erst kurz vor Fristende mit dem Schreiben anfangen. Der Entwurf braucht mindestens eine Nacht Abstand.
  • Um Akteneinsicht bitten, ohne die Frist im Blick zu behalten. Beides läuft parallel.
  • Eine Verlängerung mündlich absprechen und nicht bestätigen lassen.
  • Den Versand ohne Nachweis abschicken. Nutze eine Form, mit der du den Eingang belegen kannst.

Wenn die Zeit knapp wird, bitte früh und schriftlich um Verlängerung und nenne einen Grund. Eine Bitte drei Tage vor Ablauf wirkt anders als eine am letzten Tag.

Das Gerüst: sechs Teile

  1. Bezug. Aktenzeichen aus deinem Schreiben, Titel der Arbeit, Datum. Ein Absatz.
  2. Kurze Einordnung. Zwei bis drei Sätze dazu, wie die Arbeit entstanden ist: Zeitraum, Arbeitsweise, Umgang mit Quellen. Keine Vorgeschichte über dein ganzes Studium.
  3. Stelle für Stelle. Der Kern. Pro Fundstelle ein eigener Abschnitt: Wo steht sie, worum geht es, was ist deine Erklärung, welcher Beleg gehört dazu. Nummeriere die Abschnitte wie im Bericht.
  4. Einordnung des Ganzen. Erst hier ein zusammenfassender Absatz. Was ist dein Bild vom Gesamtbefund, und woran machst du es fest.
  5. Was du anbietest. Nachreichen von Unterlagen, eine mündliche Erläuterung, Korrektur einer konkreten Passage.
  6. Anlagenverzeichnis. Nummeriert, mit einem Stichwort pro Anlage.

Halte im Kernteil eine feste Reihenfolge ein, Fundstelle für Fundstelle, in der Nummerierung des Berichts. Das macht den Text für die Lesenden überprüfbar und für dich schreibbar. Wenn mehrere Fundstellen dieselbe Ursache haben, etwa ein Kapitel aus einem einzigen Lehrbuch, darfst du sie zusammenfassen und das begründen.

Zum Ton: sachlich, in vollständigen Sätzen, ohne Ausrufezeichen. Keine Angriffe auf Personen, keine Verweise darauf, wie andere Studierende arbeiten, keine Erklärungen über deine Lebenssituation, wenn sie mit den Textstellen nichts zu tun haben. Eine wahrheitsgemäße Darstellung ist fast immer die belastbarere Grundlage, weil sie zu deinen Dateien passt und in sechs Monaten noch gilt. Ein versehentliches Plagiat sieht anders aus als eine bewusste Übernahme, und der Unterschied wird nur sichtbar, wenn du ihn nachvollziehbar schilderst.

Welche Belege du benennen kannst

Jede Aussage im Kernteil wird stärker, wenn eine Anlage dazugehört. Diese hier sind bei den meisten Arbeiten vorhanden.

Beleg Was er zeigt
Screenshot des Versionsverlaufs Der Text ist über Wochen entstanden
Exzerpt mit Quellenangabe Die Formulierung hatte einen Beleg, der beim Kürzen verloren ging
Eintrag in der Literaturverwaltung Die Quelle war erfasst und wurde tatsächlich gelesen
Mail an die Betreuung mit Zwischenstand Zeitpunkt und Umfang des damaligen Textes
Rohdaten und Auswertungsdatei Eigenleistung im empirischen Teil
Bibliotheks- oder Kaufbeleg Zugriff auf die betroffene Quelle im fraglichen Zeitraum

Verweise im Text auf die Nummer der Anlage, statt sie nur anzuhängen. „Siehe Anlage 4" ist eine Fundstelle, ein loser Stapel ist eine Zumutung. Und schick nur, was du erklären kannst: Ein Screenshot, den du selbst nicht deuten kannst, wird im Termin zur Rückfrage.

Wenn eine vergessene Quellenangabe oder eine zu nahe Paraphrase hinter einer Fundstelle steht, benenne genau das. Ungenaue Formulierungen erzeugen Rückfragen.

Wer den Entwurf gegenlesen sollte

  • Fachschaft. Kennt Ablauf und Ansprechpersonen im Fachbereich.
  • Studierendenberatung. Hilft, den Text nüchtern zu halten, wenn die Anspannung hoch ist.
  • Ombudsstelle für gute wissenschaftliche Praxis. Unabhängige Anlaufstelle bei Fragen wissenschaftlichen Fehlverhaltens.
  • Anwaltliche Beratung im Prüfungsrecht. Sinnvoll, wenn eine schwere Folge im Raum steht. Wann sich anwaltliche Hilfe beim Plagiatsvorwurf lohnt, hängt vor allem daran.

Diese Seite erklärt Aufbau und Ton, sie bewertet deinen Fall nicht. Das ist keine Rechtsberatung.

Was jetzt konkret zu tun ist

  1. Frist notieren, Rückwärtsplan bis zum Versand aufstellen.
  2. Akteneinsicht und Bericht anfordern.
  3. Tabelle der Fundstellen anlegen und jede Zeile ausfüllen.
  4. Belege sammeln, nummerieren, den Stellen zuordnen.
  5. Entwurf nach dem Sechs-Teile-Gerüst schreiben.
  6. Eine Nacht warten, kürzen, gegenlesen lassen.
  7. Fristgerecht versenden, Eingangsnachweis sichern, Kopie ablegen.

Wie du so etwas künftig vermeidest

Fast jede schwierige Stellungnahme scheitert an derselben Stelle: Du kannst nicht mehr rekonstruieren, woher ein Absatz kam. Das ist ein Dokumentationsproblem, kein Charakterproblem.

Trenn beim Exzerpieren sichtbar zwischen wörtlicher Übernahme, Paraphrase und eigenem Gedanken. Speichere Zwischenstände mit Datum. Dann hast du im Ernstfall Belege statt Erinnerungen. Und prüfe die Arbeit vor der Abgabe: Ein Plagiat Scan kostet 0,29 € pro Normseite mit 1.800 Zeichen und zeigt die Stellen, die später im Plagiatsverfahren Thema werden könnten, solange du sie noch ändern kannst.

FAQ

Häufige Fragen

So lang wie nötig und so kurz wie möglich. Zwei bis vier Seiten reichen in den meisten Fällen, wenn du dich an die konkreten Textstellen hältst. Belege kommen als Anlage dazu. Ein langer Text ohne Struktur wirkt schwächer als eine geordnete Darstellung auf zwei Seiten.
Du musst nicht, aber es ist meist deine beste Gelegenheit, deine Sicht in die Akte zu bringen. Wenn du dich nicht äußerst, wird typischerweise nur anhand der vorliegenden Unterlagen entschieden. Eine kurze, sachliche Stellungnahme ist fast immer besser als gar keine.
Eine wahrheitsgemäße Darstellung ist die tragfähigere Grundlage, weil sie zu deinen Dateien und Notizen passt. Wie du das für deinen Fall formulierst, hängt vom Sachverhalt ab. Wenn viel auf dem Spiel steht, lass die Formulierung vor dem Absenden fachlich prüfen.
Ja. Fachschaft, Studierendenberatung oder eine anwaltliche Vertretung können den Entwurf gegenlesen. Der Text sollte trotzdem nach dir klingen und nur enthalten, was du selbst vertreten kannst. Im Termin musst du zu jedem Satz stehen können.
Alles, was sich einer konkreten Textstelle zuordnen lässt: Exzerpte, Screenshots von Dateiversionen, Auszüge aus der Literaturverwaltung, Mails mit der Betreuung. Nummeriere die Anlagen und verweise im Text darauf. Eine ungeordnete Sammlung erschwert das Lesen und schwächt deine Darstellung.
An die Stelle, die im Schreiben genannt ist, meist das Prüfungsamt oder den Prüfungsausschuss. Halte die Form ein, die dort verlangt wird, und sichere dir einen Nachweis über den Eingang. Die maßgebliche Frist steht in deinem Bescheid.

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