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Prüfungsverfahren · Vorlage · PRV-12

Stellungnahme zum Plagiatsvorwurf sinnvoll strukturieren

Direktantwort: Beginne mit Aktenbezug und einer knappen Einordnung. Bearbeite danach jede beanstandete Fundstelle einzeln in derselben Reihenfolge: feststehende Tatsache, genaue Textstelle, deine Erklärung, zeitnaher Beleg und noch offener Punkt. Trenne Entstehungsnachweise von der fachlichen Bewertung der Zitierweise. Beende die Stellungnahme mit Anlagenverzeichnis und klaren Anträgen oder Klärungsbitten, ohne Unsicherheit als Gewissheit darzustellen.

Fakten-Fundstellen-Belege-offene Punkte-GerüstQuellenstand 4. September 2026

Eine Stellungnahme erklärt den Sachverhalt, nicht die eigene Persönlichkeit

Der Text soll der zuständigen Stelle ermöglichen, Behauptung, Fundstelle und Gegeninformation zuverlässig zuzuordnen. Eine allgemeine Verteidigung der eigenen Arbeitsmoral hilft dabei wenig. Ebenso wenig genügt die Aussage, ein Prüfprogramm müsse falsch liegen. Arbeite stattdessen eng am mitgeteilten Vorwurf und an den tatsächlich verfügbaren Unterlagen.

Notiere zunächst Verfahrenszeichen, Schreiben, Datum, genannte Frist und Umfang der beanstandeten Arbeit. Prüfe, ob Anlagen oder Fundstellenlisten fehlen. Wenn der Vorwurf nicht hinreichend bestimmt erscheint, benenne exakt, welche Stelle oder Bewertungsgrundlage du nicht zuordnen kannst. Ergänze keine spekulative Antwort auf einen nur vermuteten Vorwurf.

Arbeitsmaterial unverändert sichern

Lege das Vorwurfsschreiben, die abgegebene Fassung, den Prüfbericht und sämtliche Anlagen in einem schreibgeschützten Eingangsordner ab. Beschaffe nicht nachträglich eine „bessere“ Version der Arbeit, ohne den Unterschied offenzulegen. Sichere echte Zwischenstände, Literaturdatenbank, Notizen, Rechercheverlauf und gegebenenfalls zulässige Cloud-Exporte. Ein später erzeugtes Dokument darf nicht als zeitgenössischer Beleg ausgegeben werden.

Baue daneben eine Fundstellenliste. Jede Zeile erhält eine stabile Kennung, etwa F-01. Übernimm Seitenzahl und Vorwurf möglichst genau, vergleiche aber gegen die tatsächlich abgegebene Datei. Unterschiedliche Paginierung zwischen Word, PDF und Bericht sollte erklärt werden. Erst wenn die Bezugsstelle feststeht, ordnest du Quellen- und Entstehungsnachweise zu.

Authority Asset: Fakten–Fundstellen–Belege–offene Punkte

Ausfüllbares Gerüst pro beanstandeter Stelle
BausteinEinzutragenQualitätskontrolle
FaktWas ist zwischen den Beteiligten unstrittig oder unmittelbar dokumentiert?Keine Wertung als Tatsache formulieren
FundstelleArbeit Seite/Absatz sowie Vergleichsquelle Seite/AbschnittFassungen und Seitenzählung eindeutig
ErklärungEntstehungsweg, Zitierentscheidung oder konkreter FehlerNur behaupten, was erinnerlich oder belegbar ist
BelegAnlagen-ID, Datum, Herkunft und AussagekraftZeitgenössisch und inhaltlich passend
Offener PunktFehlende Anlage, unklare Bewertung oder noch ausstehende PrüfungKonkrete Klärungsbitte statt Spekulation
FolgerungWelche Einordnung wird für genau diese Stelle angeregt?Nicht auf andere Fundstellen verallgemeinern

Wiederhole diese sechs Bausteine für jede Fundstelle. Ein kurzer, gleichbleibender Aufbau ist hier nützlich, weil er Vergleichbarkeit schafft; der Inhalt jeder Zeile bleibt individuell.

Textähnlichkeit und Zitierfrage getrennt untersuchen

Markiere bei jeder Stelle den fraglichen Wortlaut, die erkennbare Quelle und die vorhandene Kennzeichnung. Unterscheide ein wörtliches Zitat, eine enge Paraphrase, fachsprachliche Standardformulierung, Literaturangabe oder bloße Themenähnlichkeit. Erkläre nicht vorschnell, jede Übereinstimmung sei „allgemeines Wissen“. Diese Einordnung verlangt fachlichen Kontext und lässt sich nicht allein aus einem Prozentwert ableiten.

Falls eine Quelle korrekt im Literaturverzeichnis steht, aber der unmittelbare Beleg fehlt, benenne genau diesen Unterschied. Falls Anführungszeichen oder Seitenangabe fehlen, räume den beobachtbaren Fehler ein, ohne selbst die verfahrensrechtliche Bewertung vorwegzunehmen. Bei mehreren Textfassungen erkläre, welche tatsächlich abgegeben wurde. Der Leitfaden zu widersprüchlichen Detektorergebnissen hilft, Werkzeugausgaben von Tatsachen zu trennen.

Eine technische Grundlage zur Plagiatprüfung kann Fundstellen für die manuelle Prüfung erschließen. Sie entscheidet aber nicht über Absicht, Eigenleistung, Quellenkontext oder die Folgen in einem konkreten Prüfungsverfahren. Verwende einen Bericht daher als Hinweisregister, nicht als fertiges Urteil.

Entstehungsbelege nach Aussagekraft ordnen

Ein Beleg ist nicht schon deshalb stark, weil er viele Seiten umfasst. Eine datierte Literaturdatenbank kann zeigen, wann ein Titel erfasst wurde; sie beweist nicht automatisch, wie ein Absatz formuliert wurde. Ein Zwischenstand kann einen Entwicklungsschritt belegen, sofern Herkunft und unveränderter Zustand plausibel sind. Dateimetadaten können diesen Kontext stützen, bleiben aber veränderbar und erklärungsbedürftig.

Ordne Anlagen deshalb nach ihrer konkreten Aussage: abgegebene Fassung, zeitnaher Entwurf, Betreuungsfeedback, Rechercheexport, Versionsverlauf, Labor- oder Analyseprotokoll. Beschreibe zu jeder Anlage auch die Grenze. Ein sauberer Satz lautet etwa: „Anlage A-04 enthält den Absatz in einer früheren Fassung vom angegebenen Zeitpunkt; sie zeigt nicht, aus welcher Quelle die Formulierung ursprünglich übernommen wurde.“

Reiche nicht wahllos private Chats, Daten Dritter oder vertrauliche Forschungsunterlagen ein. Prüfe Erforderlichkeit, Schwärzung und vorgesehenen Übermittlungsweg. Verweise bei umfangreichen digitalen Beständen zunächst auf ein geordnetes Inventar. So bleibt die Stellungnahme lesbar, und sensible Daten werden nicht ohne konkreten Bezug vervielfältigt.

Ton, Eingeständnisse und offene Fragen kontrollieren

Schreibe in der Ich-Form, wenn du deine Erinnerung oder Entscheidung schilderst. Verwende neutrale Bezeichnungen für andere Beteiligte. Ein sachliches Eingeständnis eines nachprüfbaren Fehlers ist etwas anderes als die Zustimmung zu einer rechtlichen oder prüfungsrechtlichen Gesamtbewertung. Umgekehrt sollte eine bestrittene Stelle nicht mit pauschalen Angriffen gegen Prüfende beantwortet werden.

Wenn du etwas nicht weißt, sage es präzise. „Der Ursprung dieser Formulierung lässt sich anhand meiner erhaltenen Unterlagen derzeit nicht sicher rekonstruieren“ ist überprüfbarer als eine nachträglich erfundene Entstehungsgeschichte. Bitte dann um Einsicht in die konkrete Vergleichsquelle oder um Klärung der Zuordnung. Falls die Niederschrift einer Anhörung relevant ist, unterstützt der Vollständigkeitscheck für Anhörungsprotokolle die getrennte Korrektur.

Die Endfassung vor Abgabe prüfen

  1. Stimmen Aktenzeichen, Arbeitstitel, Datum und Frist?
  2. Ist jede beanstandete Stelle genau einer Antwort zugeordnet?
  3. Sind Tatsache, Erinnerung, Bewertung und offene Frage sprachlich getrennt?
  4. Hat jede Anlagen-ID einen eindeutigen Dateinamen und Verweis im Text?
  5. Wird die Aussagekraft jedes technischen Belegs begrenzt?
  6. Sind unnötige personenbezogene oder vertrauliche Daten entfernt?
  7. Ist die gesendete Fassung samt Anlagen und Übermittlungsbeleg archiviert?

Ein Inhaltsverzeichnis ist bei längeren Stellungnahmen hilfreich. Beginne mit einer Zusammenfassung von höchstens wenigen Absätzen, ohne dort neue Argumente einzuführen. Am Ende können konkrete Bitten stehen, beispielsweise um Zuordnung einer Vergleichsquelle oder Berücksichtigung einer bezeichneten Anlage. Formuliere nur Anträge, deren Bedeutung du im tatsächlichen Verfahren verstanden hast.

Weitere Dokumentationsschritte bündelt der Hub Prüfungsverfahren und Nachweise. Das beste Gerüst ersetzt keine belastbaren Inhalte, verhindert aber, dass relevante Belege zwischen Wiederholungen, Vermutungen und Nebenfragen verschwinden.

Offizielle und wissenschaftliche Orientierung

  1. DFG: Kodex „Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“ – Grundsätze zu Redlichkeit, Dokumentation und nachvollziehbarer Forschung.
  2. Bundesministerium der Justiz: § 28 Verwaltungsverfahrensgesetz – amtlicher Gesetzestext zur Anhörung; seine Anwendbarkeit ist im Einzelfall zu prüfen.
  3. Ombudsman für die Wissenschaft – institutionelle Informationen zu guter wissenschaftlicher Praxis und Konfliktberatung.

Quellenstand: 4. September 2026. Hochschulinterne Regeln und das konkrete Schreiben gehen dieser allgemeinen Orientierung vor.