Lernziel und Bewertungsgegenstand zuerst benennen
Eine Regel ist nur verständlich, wenn Studierende wissen, welche Fähigkeit bewertet wird. Geht es um Recherche, fachliche Argumentation, Programmierung, sprachliche Darstellung, Reflexion oder eine Kombination? Dasselbe Werkzeug kann bei einer Ideenübung hilfreich und bei einer Prüfung eigenständiger Formulierungsleistung unpassend sein. Beschreibe deshalb die erwartete Leistung in beobachtbaren Tätigkeiten.
Prüfe die Konsistenz mit Modulbeschreibung, Prüfungsordnung und hochschulweiten Vorgaben. Eine Lehrveranstaltungsregel darf übergeordnete Zuständigkeiten nicht still verändern. Binde Prüfungsverantwortliche, Datenschutz, Bibliothek, Barrierefreiheit und Studierendenvertretung dort ein, wo deren Mandat betroffen ist. Dokumentiere Entscheidungen und offene Punkte.
Tätigkeiten statt Marken in Erlaubnisstufen ordnen
Werkzeuge und Funktionen ändern sich. Eine belastbarere Regel beschreibt Handlungen: Ideen sammeln, Suchbegriffe entwickeln, Quellen zusammenfassen, Text erzeugen, Sprache korrigieren, Code erklären oder Daten auswerten. Weise jede Tätigkeit einer Stufe zu und begründe sie mit dem Lernziel. Ein pauschales „KI erlaubt“ lässt offen, ob ganze Abgaben erzeugt werden dürfen; ein pauschales Verbot kann harmlose Assistenz und Barrierefreiheitsfunktionen erfassen.
Ergänze konkrete Grenzfälle. Darf ein Modell eine selbst verfasste Passage sprachlich glätten? Darf es Fehlermeldungen erläutern? Wie wird mit integrierten Funktionen in Textverarbeitung oder Suchmaschinen umgegangen? Beispiele sind keine vollständige Liste, zeigen aber die Entscheidungssystematik. Definiere, wie Studierende bei neuen Funktionen vorgehen: vor Nutzung fragen, dokumentieren oder eine freigegebene Alternative wählen.
Unterscheide Lehr-Lern-Phase und benotete Leistung. Eine Übung kann exploratives Arbeiten erlauben und zugleich verlangen, dass die Prüfung ohne bestimmte Hilfe erfolgt. Kommuniziere Wechsel ausdrücklich. Änderungen während eines laufenden Aufgabenzeitraums brauchen ein geregeltes Vorgehen, damit Erwartungen nicht rückwirkend verschoben werden.
Dokumentation auf die prüfungsrelevante Aussage begrenzen
Fordere nicht automatisch vollständige Chatverläufe. Sie können personenbezogene, vertrauliche oder urheberrechtlich geschützte Inhalte enthalten und über das Lernziel hinausgehen. Häufig genügt eine strukturierte Erklärung mit Werkzeug, sichtbarer Version, Zweck, bearbeitetem Abschnitt, Art der Übernahme und eigener Kontrolle. Für Methoden- oder Codeaufgaben können ausgewählte Prompts, Diffs oder Testprotokolle sinnvoll sein.
Erkläre, wie Studierende Quellen prüfen. KI-Ausgaben sind keine Ersatzquelle. Literaturhinweise werden im Original geöffnet und nach dem geforderten Zitierstil belegt. Erfundene oder unzugängliche Referenzen dürfen nicht übernommen werden. Die Seite KI-Nutzungsprotokoll bietet ein anpassbares Format, das weiterhin auf die konkrete Lehrveranstaltung zugeschnitten werden muss.
Vermeide die Ankündigung, ein Detektorwert könne Nutzung beweisen. Automatische Klassifikatoren haben kontextabhängige Fehlermöglichkeiten. Ein Verdacht braucht einen fairen Mehrquellenprozess, nachvollziehbare Fundstellen und Gelegenheit zur Stellungnahme. Die Regel soll festlegen, wer prüft und wie, nicht eine Prozentgrenze zur automatischen Entscheidung setzen.
Datenschutz, Zugänglichkeit und Regelpflege mitplanen
Nenne keine Plattform als verpflichtend, bevor Vertrag, Datenfluss, Altersvoraussetzungen, Barrierefreiheit und gleichwertiger Zugang geklärt sind. Unveröffentlichte Forschung, Gesundheitsdaten, Prüfungsunterlagen und Daten Dritter gehören nicht in einen externen Dienst ohne tragfähige Freigabe. Studierende benötigen eine Alternative, wenn ein Konto, eine Zahlung oder Datenübermittlung nicht vorausgesetzt werden darf.
Versioniere die Leitlinie. Jede Fassung erhält Geltungsbereich, Veröffentlichungsdatum, zuständige Person und Änderungsverlauf. Verknüpfe sie direkt mit Aufgabenstellung und Bewertungsrubrik. Sammle Rückfragen, weil wiederkehrende Missverständnisse auf eine Lücke hinweisen. Überarbeite Beispiele vor dem nächsten Durchgang und ändere abgeschlossene Leistungsanforderungen nicht still.
Abnahmecheck vor Veröffentlichung der Lehrveranstaltungsregel
- Lernziel und bewertete Eigenleistung sind konkret.
- Erlaubte, begrenzte und ausgeschlossene Tätigkeiten haben Beispiele.
- Dokumentation ist notwendig, datensparsam und zugänglich.
- Quellenprüfung und menschliche Verantwortung sind erklärt.
- Keine Detektorzahl löst automatisch eine Folge aus.
- Klärungsweg, Zuständigkeit und Version sind sichtbar.
- Studierende erhalten die Regel rechtzeitig im vorgesehenen Kanal.
Der Hub Hochschulpraxis bündelt institutionelle Umsetzung. Der Mehrquellen-Workflow für Lehrende konkretisiert den Klärungsweg. Genau eine Grundlagenseite ist verlinkt: Wissenschaftlich arbeiten.
Die Leitlinie an echten Aufgaben erproben
Prüfe den Entwurf mit mehreren vorhandenen Aufgabentypen. Bei einer Literaturkritik muss erkennbar sein, ob KI Suchbegriffe vorschlagen, Quellen zusammenfassen oder Bewertungsargumente formulieren darf. In einer Programmieraufgabe sind Codegenerierung, Fehlererklärung und Dokumentation getrennte Tätigkeiten. Bei Gruppenarbeit braucht die Regel zusätzlich eine Zuordnung individueller und gemeinsamer Beiträge.
Führe einen Verständlichkeitstest mit Personen durch, die nicht am Entwurf beteiligt waren. Bitte sie, typische Fälle ausschließlich anhand des Textes einzuordnen und offene Begriffe zu markieren. Dokumentiere Entscheidungen, statt aus Einzelmeinungen angebliche Akzeptanzwerte abzuleiten. Überarbeite die Policy dort, wo verschiedene Leser zu gegensätzlichen, jeweils plausiblen Ergebnissen kommen.
Plane auch Fehlerkorrektur: Wurde ein Beispiel missverständlich formuliert, veröffentliche eine datierte Klarstellung im selben Kanal und erläutere ihre Wirkung auf laufende Aufgaben. Archiviere alte Fassungen zugänglich. So können Lehrende und Studierende später feststellen, welche Regel zu welchem Zeitpunkt galt.