Zum Inhalt
PlagiatScanner.de
Integrität · Selbstaudit

Gute wissenschaftliche Praxis: die prüfbare 20-Punkte-Checkliste

Gute wissenschaftliche Praxis bedeutet, Entscheidungen nachvollziehbar zu treffen, Quellen und Beiträge korrekt zuzuordnen, Daten sorgfältig zu behandeln und Fehler offen zu korrigieren. Die folgende Checkliste übersetzt diese Grundsätze in überprüfbare Arbeitsschritte für Seminar-, Bachelor- und Masterarbeiten.

Seiten-ID INT-01Quellenstand 4. September 2026

Was die Checkliste leistet – und was nicht

Der Selbstaudit ist kein Ersatz für die Prüfungsordnung, die Betreuung oder fachspezifische Methodenstandards. Er hilft vielmehr, die eigene Arbeitsweise sichtbar zu machen. Kreuze einen Punkt nur dann als erfüllt an, wenn du einen konkreten Nachweis nennen kannst: eine gespeicherte Suchhistorie, eine Version der Datendatei, eine Begründung im Methodenteil oder einen dokumentierten Austausch mit der Betreuung. Ein bloßes Gefühl, „sauber gearbeitet“ zu haben, genügt nicht.

Die DFG beschreibt gute wissenschaftliche Praxis als gemeinsames System aus Standards, Verantwortung, Dokumentation, Qualitätssicherung und transparentem Umgang mit Fehlern. Der europäische ALLEA-Kodex bündelt die Leitgedanken in Verlässlichkeit, Ehrlichkeit, Respekt und Verantwortlichkeit. Für Studierende folgt daraus kein bürokratischer Zusatzapparat. Entscheidend ist eine schlanke Belegkette, die eine sachkundige Person verstehen lässt, wie ein Ergebnis zustande kam.

20-Punkte-Selbstaudit

Planung und Methode

  1. Fragestellung: Ich kann Ziel, Gegenstand und Grenzen der Untersuchung in wenigen Sätzen erklären.
  2. Methodenwahl: Ich habe notiert, warum die Methode zur Frage passt und welche Alternativen verworfen wurden.
  3. Vorgaben: Prüfungsordnung, Fachleitfaden und Absprachen wurden getrennt geprüft; Widersprüche sind geklärt.
  4. Änderungen: Abweichungen vom ursprünglichen Plan stehen mit Datum und Grund im Arbeitsjournal.

Recherche und Quellen

  1. Suchweg: Datenbanken, Suchbegriffe, Filter und Suchdatum sind nachvollziehbar dokumentiert.
  2. Auswahl: Ein- und Ausschluss von Literatur folgen sachlichen Kriterien statt dem gewünschten Ergebnis.
  3. Primärbelege: Harte Aussagen stützen sich möglichst auf Originalquelle, Gesetz, Datensatz oder offizielle Leitlinie.
  4. Gegenpositionen: Relevante widersprechende Befunde werden fair dargestellt und nicht verschwiegen.

Daten und Auswertung

  1. Rohstand: Ausgangsdaten bleiben unverändert erhalten; bearbeitete Fassungen sind getrennt gespeichert.
  2. Bereinigung: Ausschlüsse, Umcodierungen und Korrekturen sind mit Regel und Begründung protokolliert.
  3. Analyse: Rechenschritte, Software, Parameter und Versionen sind soweit nötig festgehalten.
  4. Unsicherheit: Grenzen, fehlende Werte und alternative Erklärungen werden im Ergebnis berücksichtigt.

Schreiben und Beiträge

  1. Eigenleistung: Notizen kennzeichnen klar, was eigene Überlegung, Paraphrase, Zitat oder fremde Idee ist.
  2. Belege: Jede übernommene Aussage lässt sich von der Textstelle zur Quelle zurückverfolgen.
  3. Wiedergabe: Paraphrasen verändern nicht nur Wörter, sondern geben den Gedanken eigenständig und korrekt wieder.
  4. Hilfsmittel: Beiträge anderer Personen sowie digitale und KI-gestützte Hilfen werden nach geltenden Vorgaben offengelegt.

Abschluss und Korrektur

  1. Autorschaft: Genannte Mitwirkende entsprechen ihren tatsächlichen Beiträgen; Danksagung und Autorschaft werden nicht verwechselt.
  2. Rechte: Personenbezogene Daten, Einwilligungen, Lizenzen und Verwendungsrechte sind geprüft.
  3. Endkontrolle: Zitate, Literaturverzeichnis, Abbildungen, Tabellen und Anhänge wurden systematisch abgeglichen.
  4. Fehlerweg: Ich weiß, wen ich bei einem entdeckten Fehler informiere und bewahre die nötigen Nachweise auf.

Wie die Punkte zum DFG-Kodex passen

Orientierende Zuordnung, keine vollständige Wiedergabe des DFG-Kodex
PrüfbereichCheckpunkteBezug im DFG-Kodex
Planung und Methode1–4Methoden und Standards, Qualitätssicherung, Rahmenbedingungen
Recherche und Quellen5–8Redlichkeit, Nachvollziehbarkeit und Berücksichtigung des Forschungsstands
Daten und Auswertung9–12Dokumentation, Archivierung und nachvollziehbare Ergebnisse
Schreiben und Beiträge13–16Autorschaft, Kennzeichnung fremder Beiträge und Verantwortung
Abschluss und Korrektur17–20Rechte, Publikationsorgan, Korrekturen und Verfahren bei Konflikten

Das Mapping ist absichtlich grob. Der DFG-Kodex richtet sich an das Wissenschaftssystem und seine Einrichtungen, nicht nur an einzelne Abschlussarbeiten. Hochschulen konkretisieren ihn durch eigene Satzungen, Leitfäden und Verfahren. Deshalb sollte der Selbstaudit immer mit den lokal geltenden Unterlagen abgeglichen werden.

Aus Häkchen werden belastbare Nachweise

Lege für jeden Prüfbereich einen kleinen Belegordner an. Für Planung genügen etwa Exposé, Entscheidungstagebuch und freigegebene Methodenänderungen. Zur Recherche gehören exportierte Trefferlisten, Suchstrings und ein Auswahlprotokoll. Im Datenbereich sollten unveränderte Rohdaten, ein Codebuch, Verarbeitungsschritte und eine lesbare Readme getrennt liegen. Beim Schreiben helfen Literaturverwaltung, Versionsstände und eine Liste externer Beiträge. Bewahre nur Daten auf, die du rechtmäßig speichern darfst, und beachte Schutzbedarf sowie institutionelle Fristen.

Ein guter Nachweis ist datiert, verständlich benannt und mit der Arbeit verknüpft. „final_neu2“ sagt wenig; „2026-08-18_interviews_codierung_v03_nach_kategorienrevision“ beschreibt Zeitpunkt und Anlass. Dokumentation soll Entscheidungen erklären, nicht jeden Mausklick konservieren. Bei sensiblen Daten zählen Zugriffsschutz und Datenminimierung ebenso zur Integrität wie Nachvollziehbarkeit.

Warnzeichen beim Selbstaudit

Besondere Aufmerksamkeit ist nötig, wenn Belege erst kurz vor Abgabe zusammengesucht werden, Quellen nur eine These bestätigen, Ausschlussregeln nach Kenntnis der Ergebnisse wechseln oder Textpassagen keiner Notizquelle mehr zugeordnet werden können. Das beweist noch kein Fehlverhalten. Es zeigt aber, wo Rekonstruktion, Rücksprache oder eine transparente Einschränkung nötig ist. Eine ehrliche Grenze ist wissenschaftlich stärker als eine nachträglich geglättete Geschichte.

Wichtig: Die Checkliste bewertet Prozesse, nicht Personen. Sie liefert weder einen formalen Integritätsnachweis noch eine rechtliche Einschätzung. Bei konkreten Konflikten gelten die Verfahren der eigenen Hochschule oder Forschungseinrichtung.

Der 30-Minuten-Abschlussdurchlauf

Gehe die zwanzig Punkte ein letztes Mal mit drei Markierungen durch: grün für „Nachweis vorhanden“, gelb für „erklärt, aber noch nicht belegt“ und rot für „ungeklärt“. Bearbeite zuerst rote Punkte, die Ergebnis, Quellenzuordnung, Datenschutz oder Eigenständigkeit betreffen. Gelbe Punkte werden durch einen kurzen Methodensatz, eine sauber benannte Datei oder eine dokumentierte Rückfrage geschlossen. Notiere verbleibende Grenzen offen in der Arbeit. So wird aus der Checkliste kein Ritual, sondern eine nachvollziehbare letzte Qualitätskontrolle.

Wiederhole den Audit außerdem nach jeder größeren Projektphase. Nach der Recherche prüfst du Suchweg und Quellenauswahl, nach der Erhebung Datenstand und Rechte, nach der Analyse die Entscheidungskette. Dadurch entstehen Nachweise zu dem Zeitpunkt, an dem du ihre Bedeutung noch kennst. Wer erst am Ende rekonstruiert, kann legitime Änderungen leicht mit ursprünglichen Planungen verwechseln. Eine datierte Zwischenprüfung schützt deshalb nicht nur vor Versehen, sondern verbessert auch den späteren Methodenteil.

Quellen und Vertiefung

  1. Deutsche Forschungsgemeinschaft: Kodex „Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“, Portal der DFG, abgerufen am 4. September 2026.
  2. ALLEA: The European Code of Conduct for Research Integrity, Revised Edition 2023, offizielle Fassung, abgerufen am 4. September 2026.
  3. Ombudsman für die Wissenschaft, Informationen und Beratung zur wissenschaftlichen Integrität, abgerufen am 4. September 2026.