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Methodenpraxis · Vorlage · MET-02

Claim-Source-Matrix: jede Aussage bis zur Quelle verfolgen

Direktantwort: Eine Claim-Source-Matrix zerlegt einen Entwurf in überprüfbare Aussagen und verbindet jede davon mit Quelle, genauer Fundstelle, Evidenzart, Reichweite und Bearbeitungsstatus. Sie zeigt sofort, ob ein Satz direkt belegt, nur teilweise getragen, als eigene Interpretation markiert oder noch offen ist. Anders als ein Literaturverzeichnis prüft sie die Beziehung zwischen konkretem Satz und konkretem Beleg. Die Vorlage enthält bearbeitbare Felder und drei ausgefüllte Beispiele.

Satz-Quelle-Seite-Evidenzstatus-TabelleQuellenstand 4. September 2026

Zuerst bestimmen, was der Satz tatsächlich behauptet

Ein langer Satz kann mehrere Claims enthalten: eine Definition, einen empirischen Befund und eine Folgerung. Teile ihn, bevor du Belege zuordnest. Ein prüfbarer Claim ist so formuliert, dass ein Leser fragen kann: „Woher weißt du das?“ Reine Übergänge oder klar markierte eigene Entscheidungen brauchen nicht automatisch eine externe Quelle, müssen aber als eigene Argumentation erkennbar bleiben.

Notiere den Satz in seiner aktuellen Fassung und ergänze einen Claim-Typ: Hintergrund, Definition, Methode, Zahl, Vergleich, Kausalität, Empfehlung oder eigene Interpretation. Der Typ beeinflusst, welche Evidenz passt. Eine Definition braucht eine maßgebliche Fachquelle; eine Wirksamkeitsaussage verlangt ein geeignetes Studiendesign; eine Methodenentscheidung wird durch Begründung und Standard gestützt, nicht durch irgendeine thematisch ähnliche Webseite.

Evidenzstatus als überprüfbare Diagnose formulieren

Verwende wenige, klar definierte Statuswerte. Direkt getragen heißt, dass Quelle und Fundstelle die ganze Aussage stützen. Teilweise getragen markiert einen Satz, dessen Population, Zeitraum, Richtung oder Stärke über den Beleg hinausgeht. Interpretation kennzeichnet einen eigenen Schluss auf Basis genannter Evidenz. Quelle gesucht ist eine offene Arbeitsmarke. Nicht tragfähig bedeutet, dass die eingetragene Quelle den Claim nicht stützt.

Ein grüner Status darf nie allein aus einem Suchtreffer, Abstract oder Ähnlichkeitsfund entstehen. Öffne das Original, lies den Kontext und kontrolliere den Locator. Prüfe, ob der zitierte Satz einen Befund der Studie, eine Annahme, eine Literaturreferenz oder eine Einschränkung enthält. Sonst wird möglicherweise eine Sekundärnennung als eigener Primärbefund behandelt.

Ergänze zu jedem Status eine nächste Handlung: „Locator ergänzen“, „Claim auf untersuchte Gruppe begrenzen“, „Primärquelle beschaffen“, „Gegenbeleg prüfen“ oder „eigene Folgerung sprachlich markieren“. So wird die Tabelle zu einer Revision, nicht zu einem dekorativen Kontrollblatt.

Authority Asset: Satz-Quelle-Seite-Evidenzstatus-Tabelle

Drei synthetische Beispiele und eine kopierbare Leerzeile
Claim-ID/Satz Quelle Seite/Ort Evidenzstatus Reichweite oder Problem Nächste Handlung
C-01 · In der befragten Kursgruppe wurden Schreibjournale überwiegend als Planungshilfe beschrieben. Novak (2025), fiktives Lehrbeispiel S. 19–21, Tab. 2 Direkt getragen Nur Selbstberichte aus einem Kurs; keine Leistungsaussage Kontext im Satz erhalten
C-02 · Schreibjournale verbessern wissenschaftliche Leistungen. Novak (2025), fiktives Lehrbeispiel S. 19–21 Nicht tragfähig Leistung wurde nicht gemessen; Kausalität überschritten Claim streichen oder passende Wirkungsstudie suchen
C-03 · Für meine Erhebung ist deshalb eine wöchentliche Reflexionsfrage sinnvoll. Novak (2025) + eigene Methodenabwägung S. 22; Methodennotiz M-04 Interpretation Entscheidung gilt für das eigene Design, nicht allgemein Begründung und Alternative nennen
[ID + aktueller Satz] [Vollbeleg/Schlüssel] [Seite/Abschnitt/Tabelle] [Status] [Population, Zeit, Design, Unsicherheit] [konkreter Revisionsschritt]

Novak (2025) ist eine erfundene Beispielpublikation. Sie zeigt die Logik der Matrix und darf nicht als reale Evidenz verwendet werden.

Jeden Claim in einer festen Reihenfolge prüfen

  1. Markiere den kleinsten eigenständig prüfbaren Satzteil.
  2. Öffne die eingetragene Quelle am genauen Locator.
  3. Vergleiche Subjekt, Population, Zeitraum, Richtung und Stärke.
  4. Prüfe, ob der Text Befund, Interpretation oder zitierte Fremdaussage ist.
  5. Notiere Einschränkungen, die für deinen Satz relevant sind.
  6. Vergib Status und eine ausführbare nächste Handlung.
  7. Überarbeite den Satz und kontrolliere anschließend erneut.

Ein Beispiel: Aus „Bei zwölf interviewten Freiwilligen trat Thema X auf“ darf nicht „Studierende zeigen X“ werden. Die kürzere Form verliert Design und Auswahl. Eine Reparatur kann den Claim begrenzen oder zusätzliche Evidenz einbeziehen. Nicht jede Einschränkung muss in denselben Satz, doch der Absatz darf beim Leser keinen stärkeren Eindruck erzeugen als die Quellen tragen.

Mehrere Quellen nach Funktion statt Menge zuordnen

Ein Claim kann mehrere Belege benötigen. Weise jeder Quelle eine Rolle zu: Definition, Primärbefund, Replikation, abweichender Befund, methodische Grenze oder Kontext. Drei gleichartige Zitate hinter einem Satz ersetzen keine Prüfung, ob sie tatsächlich unabhängig sind. Reviews können dieselben Primärstudien enthalten; Publikationen können auf demselben Datensatz beruhen.

Bei Widersprüchen erhält nicht automatisch die neueste oder größte Quelle recht. Vergleiche Fragestellung, Design, Messung und Population. Formuliere den Forschungsstand als Spannweite oder offene Kontroverse, wenn eine eindeutige Synthese nicht möglich ist. Die Matrix kann dafür pro Claim mehrere Zeilen oder eine verknüpfte Evidenztabelle nutzen.

Auch indirekte Zitate werden sichtbar markiert. Wenn das Original beschaffbar ist, prüfe es. Ist es nicht zugänglich, folge dem vorgeschriebenen Zitierstil und behaupte nicht, du hättest den Primärtext kontrolliert. Übersetzungen erhalten Originalwortlaut, eigene Übersetzung und Locator, damit spätere Bearbeitende die Entscheidung nachvollziehen können.

Vor Abgabe systematisch schließen

Markiere außerdem, wann ein Claim zuletzt gegen den aktuellen Entwurf geprüft wurde. Seitenverschiebungen sind meist harmlos, inhaltliche Erweiterungen dagegen nicht: Aus „in dieser Stichprobe“ kann während der Kürzung unbemerkt eine allgemeine Aussage werden. Ein Änderungsdatum ersetzt die erneute Lektüre nicht, macht aber sichtbar, welche Zeilen nach einer größeren Textrevision zuerst geöffnet werden müssen.

Filtere zuerst nach „Quelle gesucht“, „teilweise“ und „nicht tragfähig“. Kein offener Status verschwindet durch bloße Farbänderung: Claim begrenzen, Quelle ersetzen, Interpretation markieren oder Satz entfernen. Prüfe danach Zahlen, starke Vergleichswörter wie „höher“, universelle Formulierungen und Kausalsprache besonders sorgfältig.

Versioniere die Matrix zusammen mit dem Entwurf. Ändert sich ein Satz wesentlich, wird sein Status erneut geprüft. Ein finaler Stichprobentest kann zufällig ausgewählte Claims vom Manuskript bis zur Originalseite verfolgen. Dokumentiere Fehlerarten, um die nächste Revision gezielter zu planen.

Die Literaturmatrix strukturiert Quellen zunächst auf Studienebene. Das Quellenprotokoll hält Zitate und Paraphrasen schon beim Lesen fest. Weitere Werkzeuge bietet der Hub Methodenpraxis; Grundlagen zum Abgleich von Text und Fundstelle stehen unter So funktioniert die Prüfung.

Wissenschaftliche und institutionelle Grundlagen

  1. DFG: Kodex zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis – Standards zu Nachvollziehbarkeit, Quellenzuordnung und Verantwortung.
  2. Cochrane Handbook – methodische Anleitung zur Interpretation, Bewertung und Synthese von Evidenz.
  3. EQUATOR Network – institutionelles Verzeichnis von Berichtsleitlinien für unterschiedliche Studiendesigns.

Quellenstand: 4. September 2026. Welche Evidenz einen Claim trägt, muss anhand des jeweiligen Designs und Fachkontexts beurteilt werden.