Notizen müssen Herkunft und eigene Verarbeitung zeigen
Zwischen erster Lektüre und Abgabe liegen oft Monate. Eine Textstelle, die heute vertraut wirkt, kann später ohne Quelle in einen Entwurf gelangen. Besonders riskant sind Notizen, die Originalformulierungen ohne Anführungszeichen neben eigene Gedanken stellen. Ein Protokoll hält deshalb nicht nur Inhalte, sondern auch die Herkunftsart sichtbar fest.
Das Protokoll ist feiner als eine Literaturmatrix: Eine Quelle kann mehrere Einträge erhalten, jeweils für eine Aussage oder Fundstelle. Es ist zugleich noch kein Manuskript. Das Feld „geplante Nutzung“ beschreibt, ob der Eintrag eine Definition, einen Befund, ein Gegenargument, eine methodische Begründung oder nur einen Suchhinweis liefert. So wird Material nicht gesammelt, ohne zu wissen, wofür es gebraucht wird.
Drei Textsorten typografisch und sprachlich trennen
Originalwortlaut steht immer in Anführungszeichen oder einem eindeutig bezeichneten Zitatfeld und erhält sofort einen Locator. Auslassungen und Ergänzungen werden nach dem geltenden Stil markiert. Paraphrase entsteht nach Verstehen der Passage in eigener Satzstruktur; sie bleibt quellengestützt und braucht ebenfalls einen Beleg. Eigene Reaktion wird mit „Meine Notiz“ oder einem vergleichbaren Präfix markiert.
Eine Paraphrase ist kein Synonymaustausch. Lies den Abschnitt, formuliere seine Funktion ohne Sichtkontakt und vergleiche danach Bedeutung, Reichweite und auffällige Wortfolgen mit dem Original. Fachbegriffe dürfen gleich bleiben, wenn es keine sinnvolle Alternative gibt. Spezifische Gliederungen oder Metaphern können dennoch eine deutliche Zuordnung verlangen.
Speichere keine isolierte Zahl. Notiere Maßeinheit, Population, Zeitraum, Auswertung und Einschränkung. Bei einem Zitat aus einer Sekundärquelle steht sichtbar, dass das Original noch nicht kontrolliert wurde. Eine Übersetzung wird als eigene Übersetzung bezeichnet und gemeinsam mit Original und Locator aufbewahrt.
Beim Lesen sofort einen vollständigen Eintrag erzeugen
- Öffne den verifizierten Datensatz in deiner Literaturverwaltung und vergib eine stabile ID.
- Lies genug Kontext, um Funktion und Einschränkung der Passage zu verstehen.
- Übernimm nur den wirklich benötigten Originalwortlaut und markiere ihn eindeutig.
- Erfasse Seite, Abschnitt, Tabelle oder Absatzmarker sofort.
- Schließe die Quelle kurz und formuliere eine eigene Paraphrase.
- Vergleiche Bedeutung, Stärke und Schlüsselbegriffe mit dem Original.
- Notiere geplante Nutzung, Unsicherheit und nächste Prüfung.
Wenn du nur einen Suchtreffer oder ein Abstract gesehen hast, kennzeichne das. Ein DOI bestätigt die Identität einer Publikation, nicht den Inhalt einer konkreten Aussage. Bei Webseiten gehören Titel, verantwortliche Institution, URL, Veröffentlichungs- oder Aktualisierungsdatum und – wenn der Stil es verlangt – Abrufdatum in den Beleg.
Vom Protokoll in den Entwurf wechseln
Beginne einen Absatz mit deiner argumentativen Funktion, nicht mit dem Kopieren einer Notiz. Wähle dann passende Einträge und öffne die Quellen erneut. Direktzitate werden sparsam eingesetzt, wenn Wortlaut selbst analysiert wird oder eine präzise Definition zählt. Paraphrasen fassen den relevanten Gedanken in der Logik des eigenen Absatzes zusammen.
Nach dem Einfügen erhält der Protokolleintrag eine Claim-ID oder Kapitelstelle. Dadurch lässt er sich später mit dem tatsächlichen Satz abgleichen. Ändert sich der Claim, prüfe erneut, ob die Quelle noch trägt. Ein Beleg kann korrekt formatiert und dennoch sachlich unpassend sein.
Mehrere Quellen werden nicht zu einem scheinbaren Konsens gebündelt, bevor ihre Ergebnisse vergleichbar sind. Notiere je Quelle ihren Beitrag und mögliche Abweichungen. Eigene Schlussfolgerungen werden sprachlich kenntlich gemacht: „Daraus folgt für diese Untersuchung …“ statt sie einer Quelle zuzuschreiben.
Das Protokoll klein, sicher und überprüfbar halten
Reserviere für jede Schreibsitzung fünf Minuten zum Schließen offener Einträge. Ergänze fehlende Seiten, solange die Quelle geöffnet ist, und kennzeichne Notizen, die nur als Suchspur dienen. Bleibt eine Angabe unsicher, wird sie nicht durch Erinnerung vervollständigt, sondern als konkrete Beschaffungs- oder Prüffrage notiert. So wächst keine unsichtbare Resteliste bis kurz vor der Abgabe.
Verwende kontrollierte Statuswerte wie „Fundstelle offen“, „gegen Original geprüft“, „im Entwurf verwendet“ und „verworfen“. Suche regelmäßig nach Einträgen ohne Locator, unmarkiertem Originalwortlaut und fehlendem Vollbeleg. Doppelte Einträge können zusammengeführt werden, solange alle Manuskriptverknüpfungen erhalten bleiben.
Bei gemeinsamer Arbeit werden Verantwortlichkeit und Prüfdatum ergänzt. Sensible Forschungsdaten, personenbezogene Kommentare oder komplette PDFs gehören nicht in das Quellenprotokoll. Sichere die Datei versioniert und exportiere vor Abgabe eine lesbare Archivfassung.
Die Literaturmatrix vergleicht ganze Studien anhand einheitlicher Merkmale. Die Claim-Source-Matrix prüft später die Beziehung zwischen Entwurfssatz und Evidenz. Weitere Vorlagen bündelt der Hub Methodenpraxis; Grundlagen zu Quellen und Fundstellen stehen unter So funktioniert die Prüfung.