Redundanz betrifft den Erkenntnisbeitrag, nicht nur gleiche Sätze
Wörtliche Wiederholung ist leicht sichtbar, aber nicht das einzige Problem. Zwei unterschiedlich formulierte Artikel können dieselbe Forschungsleistung mehrfach als neu ausgeben. Umgekehrt kann ein Folgeartikel dieselbe Kohorte nutzen und dennoch eine eigenständige, vorab begründete Frage mit anderer Analyse beantworten. Entscheidend sind inhaltliche Überlappung und transparente Beziehung.
Der Begriff Doppelpublikation bezeichnet häufig weitgehend gleiche Beiträge an mehreren Orten. Redundante Veröffentlichung umfasst auch teilweise Überlappung, bei der zusätzliche Ergebnisse den wiederholten Kern nicht klar abgrenzen. Fachgebiete und Zeitschriften setzen Detailregeln verschieden. Darum sind Zieljournal, frühere Publikationsverträge und redaktionelle Vorgaben vor Einreichung zu prüfen.
Eine gemeinsame Vergleichsbasis herstellen
Lege beide Manuskripte, Datensatzkennungen, Studienregistrierung und zugehörige Abstracts nebeneinander. Markiere Forschungsfrage, Population, Erhebungszeitraum, primäre Endpunkte, Analyse, Tabellen, Abbildungen und Hauptschluss. Eine reine Ähnlichkeitszahl verschleiert, ob gerade Methodenstandardtexte oder der neue Erkenntniskern übereinstimmen.
Erfasse außerdem Veröffentlichungsstatus: Entwurf, Preprint, Konferenzbeitrag, akzeptiertes Manuskript oder Version of Record. Ein Preprint ist kein unsichtbarer Vorzustand. Er muss bei der Einreichung nach der Journalregel bezeichnet werden. Übersetzungen und gekürzte Fassungen werden nicht allein durch eine neue Sprache zu unabhängiger Forschung. Halte das Ergebnis schriftlich fest.
Sekundärveröffentlichung ist nur unter Bedingungen transparent
Eine Sekundärveröffentlichung kann sinnvoll sein, etwa um wichtige Leitlinien einer anderen Leserschaft oder Sprache zugänglich zu machen. ICMJE nennt dafür Bedingungen: Zustimmung der beteiligten Redaktionen, Respekt des Prioritätsintervalls, getreue Wiedergabe, andere Zielgruppe und deutlicher Hinweis auf die Primärveröffentlichung. Der genaue Regelrahmen des Publikationsorts bleibt maßgeblich.
Auch Ergebnisse für Fachöffentlichkeit und Öffentlichkeit können verschieden aufbereitet werden. Eine Pressezusammenfassung ist nicht dasselbe wie ein zweiter Originalartikel. Sobald eine Fassung selbst als wissenschaftliche Erstpublikation auftritt, müssen Status, Quelle und Beziehung unmissverständlich sein. Rechte an Texten und Abbildungen sind eine eigene Frage; korrekte Zitierung ersetzt keine erforderliche Lizenz.
Im Anschreiben konkret statt pauschal offenlegen
Schreibe nicht nur „Es gibt verwandte Arbeiten“. Nenne vollständige Referenz, Status und Link oder Manuskriptdatei. Erkläre in wenigen Sätzen, welche Daten sich überschneiden, welche Frage neu ist und welche Tabellen oder Abbildungen bereits erschienen. Die Redaktion braucht Material, um Eigenständigkeit und Rechte selbst zu prüfen.
Verweise im Manuskript dort auf die Vorarbeit, wo Methoden, Datensatz oder Befunde anschließen. Eine Offenlegung nur im vertraulichen Anschreiben genügt Lesenden später nicht. Umgekehrt ersetzt ein Zitat im Text nicht die redaktionelle Information bei erheblicher Überschneidung. Beide Ebenen erfüllen unterschiedliche Zwecke.
Teilstudien aus einem Datensatz benötigen zusätzlich einen Plan. Die Fragestellung-Datensatz-Ergebnis-Matrix zu Salami Slicing prüft, ob mehrere Beiträge fachlich begründet sind. Für übernommene Formulierungen hilft die Matrix zu Text Recycling. Der Hub Publikationsethik bündelt den Gesamtprozess. Genau einen Grundlagenanschluss bietet der Wissensbereich zum wissenschaftlichen Arbeiten.
Entdeckte Redundanz früh und kooperativ korrigieren
Wird eine Überschneidung vor Annahme erkannt, informiere alle Mitautorinnen und Mitautoren und die Redaktion. Liefere die Vergleichsmatrix und schlage eine klare Abgrenzung, Zusammenführung oder Rücknahme vor. Verschweigen oder taktisches Zurückziehen bei einer Zeitschrift, während dasselbe Manuskript andernorts weiterläuft, vergrößert das Problem.
Nach Veröffentlichung kann eine redaktionelle Korrektur, Verknüpfung, Kennzeichnung oder in schweren Fällen Rücknahme erforderlich sein. Diese Entscheidung trifft der Publikationsort nach Prüfung. Dokumentiere, wann das Problem bemerkt, wer informiert und welche Fassung geändert wurde. Vernichte keine historischen Versionen, die für die Klärung benötigt werden.
Prüfe auch Dissertationen, systematische Reviews und Forschungsberichte. Ein Journalartikel darf daraus einen klar ausgewiesenen Teil weiterentwickeln, doch der frühere öffentliche Kontext muss sichtbar bleiben. Beschreibe, welche Tabellen neu gerechnet, welche Ergebnisse schon berichtet und welche Aussagen aktualisiert wurden. Bei gemeinsamer Datenbasis sollten Kennung, Rekrutierungszeitraum und Fallzahlabweichung übereinstimmend erklärt werden. So erkennen Reviews, ob zwei Artikel unabhängige Stichproben oder dieselben Teilnehmenden abbilden. Unentdeckte Dopplung kann eine Evidenzbasis verzerren, selbst wenn jeder Einzelartikel fachlich korrekt wirkt.
Ein Autorenwechsel erklärt möglicherweise neue Beiträge, beseitigt aber keine Ergebnisüberschneidung. Bitte beide Autorengruppen, die Vergleichstabelle zu bestätigen oder begründete Abweichungen zu notieren. Bei Widerspruch bleibt der Punkt offen und wird der Redaktion mitgeteilt, statt künstliche Einigkeit zu protokollieren.
- Alle verwandten Outputs inventarisieren.
- Frage, Daten, Analysen und Schlussfolgerung vergleichen.
- Text- und Bildübernahmen separat prüfen.
- Neuheitsbeitrag in einem Satz formulieren.
- Journalregeln und Rechte lesen.
- Verwandte Arbeiten in Manuskript und Anschreiben offenlegen.
- Entscheidung und Freigaben archivieren.