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Pillar · Publikationsethik

Publikationsethik: Beiträge sichtbar machen und Verantwortung übernehmen

Publikationsethik beginnt vor dem Schreiben: Wer trägt substanziell bei, wer übernimmt Verantwortung, welche frühere Fassung existiert und welche Interessen müssen Leserinnen und Leser kennen? Die Sammlung verbindet diese Fragen mit praktischen Matrizen, Offenlegungstexten und Korrekturwegen.

20 individuell redigierte LeitfädenQuellenstand 11. September 2026

Autorschaft anhand tatsächlicher Beiträge klären

Eine Namensliste sollte nicht Rang, Höflichkeit oder institutionellen Druck abbilden, sondern substantielle Beiträge und übernommene Verantwortung. Klärt Rollen früh, dokumentiert Änderungen und prüft die Zuordnung vor Einreichung erneut. Die CRediT-Taxonomie macht Tätigkeiten sichtbar, ersetzt aber nicht die Autorschaftskriterien eines Journals. Beiträge unterhalb der Autorschaftsschwelle gehören mit Zustimmung in eine präzise Danksagung.

Mehrere Texte aus einem Projekt nachvollziehbar abgrenzen

Mehrere Publikationen aus demselben Forschungsprogramm sind nicht automatisch problematisch. Entscheidend ist, ob Fragestellung, Datensatz, Analyse und Erkenntnisbeitrag eigenständig nachvollziehbar sind und Überschneidungen offenliegen. Wortgleiche Passagen, ein wiederverwendetes Abstract oder dieselben Ergebnisse brauchen eine bewusste Prüfung gegen Journalregeln und Urheberrechte.

Versionen, Daten und Offenlegungen lesbar halten

Preprint, eingereichtes Manuskript, akzeptierte Autorenfassung und Version of Record sind verschiedene Zustände. Verlinkung und klare Bezeichnung verhindern, dass Leser eine Fassung für die andere halten. Ebenso präzise sollte eine Datenverfügbarkeitserklärung sagen, was zugänglich ist, unter welchen Bedingungen und warum Grenzen bestehen. Ein Interessenkonflikt wird nicht automatisch zum Qualitätsmangel; verschwiegen erschwert er aber eine informierte Bewertung.

Vertrauliche Rollen und technische Hilfen begrenzen

Peer Review gewährt Zugriff auf unveröffentlichte Ideen und Daten. Solches Material darf nicht ungeprüft an externe KI-Dienste übertragen werden. Maßgeblich sind Journalvorgaben, Vertraulichkeitszusagen und der tatsächliche Datenfluss. Ein KI-System kann Formulierungen erzeugen, übernimmt aber keine dauerhafte Verantwortung, kann keine Interessenkonflikte wirksam erklären und erfüllt deshalb keine menschliche Autorschaftsrolle.

Fehler und problematische Inhalte nach Veröffentlichung bearbeiten

Korrekturen schützen den wissenschaftlichen Datensatz. Welches Instrument passt, hängt von Reichweite und Wirkung des Problems ab: ein begrenzter Fehler kann anders behandelt werden als unzuverlässige Kernergebnisse. Bei einem Plagiatshinweis sollten Verlag, Institution und betroffene Personen ihre Rollen nicht vermischen. Originale werden gesichert, Vorwürfe konkretisiert und das Verfahren vor öffentlicher Schuldzuweisung geklärt. Auch Bildbearbeitung wird an ihrem Zweck und an der Wirkung auf die wissenschaftliche Aussage geprüft.

Vier Fragen vor der Einreichung

  1. Sind Namen, Reihenfolge, Rollen und Verantwortung aktuell bestätigt?
  2. Sind frühere Fassungen, übernommene Textteile und Datennutzungen offengelegt?
  3. Sind Datenzugang, Interessen, Hilfsmittel und vertrauliche Beiträge korrekt beschrieben?
  4. Gibt es einen klaren Kontakt- und Korrekturweg für Fehler nach Veröffentlichung?
Einordnung: Journalrichtlinien, Verlagsverträge und institutionelle Regeln bleiben maßgeblich. Die Sammlung ist fachliche Orientierung, keine Rechtsberatung.

Grundlagen

  1. COPE: Guidance for publication ethics.
  2. NISO: CRediT Contributor Roles Taxonomy.