Skript

Ein Vorlesungsskript richtig zitieren

Ein Skript ist eine unveröffentlichte Quelle. Deshalb ersetzt du Verlag und Ort durch Veranstaltung, Hochschule und Semester, und du kennzeichnest den Text ausdrücklich als unveröffentlicht. Die Folienzahl übernimmt die Rolle der Seitenzahl.

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 |  Zuletzt geprüft: 26.08.2026  |  6 Min. Lesezeit

Die Kurzformel für ein Vorlesungsskript

Nachname, Vorname (Semester): Titel des Skripts. Unveröffentlichtes Vorlesungsskript, Veranstaltung, Hochschule, Folie 12.

Ein Skript ist nie erschienen. Es hat keinen Verlag, keine ISBN und keine dauerhafte Adresse. Deshalb tritt an die Stelle dieser Angaben der Kontext, in dem das Material entstanden ist: Veranstaltung, Hochschule, Semester.

Das Wort „unveröffentlicht" ist kein Schmuck. Es signalisiert der prüfenden Person, dass sie diese Quelle nicht in einer Bibliothek findet, und dass du das weißt. Wer es weglässt, weckt den Eindruck, es gäbe eine öffentliche Fassung.

Skripte gehören damit zur grauen Literatur, also zu Texten außerhalb des Verlagswesens.

Welche Angaben du brauchst und wo sie stehen

Das meiste steht auf der Titelfolie oder in der Fußzeile jeder Folie.

  • Name der lehrenden Person steht auf der Titelfolie, meist mit akademischem Titel.
  • Titel des Skripts ist die Überschrift der Titelfolie, nicht der Dateiname.
  • Veranstaltung übernimmst du aus dem Vorlesungsverzeichnis, in der offiziellen Schreibweise.
  • Hochschule gehört dazu, weil derselbe Veranstaltungstitel andernorts anderes bedeutet.
  • Semester gibst du als Kürzel an, etwa WS 2024/25 oder SoSe 2025.
  • Folien- oder Seitenzahl liest du unten auf der Folie ab.

Fehlt das Semester, sieh in die Dateieigenschaften oder in die Lernplattform: Dort steht oft ein Erstellungsdatum. Fehlt der Name vollständig, ist das Material für eine wissenschaftliche Arbeit zu unsicher.

Sieh dir außerdem die Fußzeilen der einzelnen Folien an. Dort verstecken sich häufig Kurzbelege auf Lehrbücher oder Aufsätze, aus denen eine Grafik stammt. Diese Angaben sind für dich wertvoller als das Skript selbst, weil sie dich zur eigentlichen Quelle führen.

Kurzbeleg im Text, Vollbeleg im Verzeichnis

Im Text nennst du Nachname, Semester und Folie: (Roden WS 2024/25, Folie 12). In Autor-Jahr-Systemen darfst du auch nur das Jahr nennen, wenn das Institut das so vorsieht.

Formuliere den Bezug im Fließtext deutlicher als sonst. Ein Halbsatz wie „nach der Darstellung im Skript zur Vorlesung Mikroökonomie" ordnet die Quelle ein und macht ihren Status transparent.

Bei einem wörtlichen Zitat aus dem Skript gelten dieselben Regeln wie sonst: Anführungszeichen, exakter Wortlaut, Fundstelle. Stichpunkte auf Folien liest man leicht als Rohmaterial, das man frei umformulieren darf. Sie sind aber fertig formulierter Text einer anderen Person.

Im Literaturverzeichnis sortierst du nach dem Nachnamen der lehrenden Person. Zitierst du mehrere Skripte derselben Person aus verschiedenen Semestern, unterscheidest du sie über Semester und Veranstaltungstitel.

Die drei Stile nebeneinander

Zitierstil Kurzbeleg im Text Vollbeleg im Literaturverzeichnis
APA 7 (Roden, 2024, Folie 12) Roden, I. (2024). Grundlagen der Preisbildung [Unveröffentlichtes Vorlesungsskript]. Vorlesung Mikroökonomie I, Hochschule Nordbach.
Harvard (Roden 2024: Folie 12) Roden, Ilva (2024): Grundlagen der Preisbildung. Unveröffentlichtes Vorlesungsskript, Vorlesung Mikroökonomie I, Hochschule Nordbach, WS 2024/25.
Deutsche Zitierweise Fußnote: Vgl. Roden, Grundlagen der Preisbildung, Folie 12. Roden, Ilva: Grundlagen der Preisbildung, unveröffentlichtes Vorlesungsskript, Hochschule Nordbach, WS 2024/25.

Name, Titel und Hochschule sind erfunden. Welche Form dein Institut erwartet, steht im Merkblatt zur Arbeit; die Systematik dahinter erklärt der Zitierstil-Vergleich.

Sonderfälle bei Lehrmaterial

Wenn die Standardformel nicht passt

  • Folien statt Skript: Als Präsentationsfolien kennzeichnen und mit Foliennummer belegen.
  • Datei aus der Lernplattform: Zugang und Abrufdatum nennen. Ein Link hinter dem Login hilft niemandem, deshalb reicht der Hinweis auf die Plattform.
  • Gastvortrag: Vortragende Person, Titel, Datum und Veranstaltung angeben, sonst wie ein Skript behandeln.
  • Eigene Mitschrift: Keine zitierfähige Quelle. Sie ist deine Interpretation des Gesagten.
  • Als PDF verteiltes Skript: Zusätzlich die Regeln fürs PDF zitieren beachten.

Die drei häufigsten Fehler

  1. Das Skript wird zitiert, obwohl die Originalquelle auf der Folie steht. In der Fußzeile steht oft „nach Bertram 2019". Dann ist Bertram deine Quelle. Wer stattdessen das Skript angibt, zitiert aus zweiter Hand, siehe Sekundärzitat.
  2. Der Beleg fehlt ganz. Viele halten Folieninhalte für Allgemeinwissen, weil sie in der Vorlesung erklärt wurden. Formulierungen und Grafiken aus einem Skript sind fremder Text und brauchen eine Quellenangabe wie jede andere Quelle.
  3. Semester und Veranstaltung fehlen. Ohne sie ist das Skript nicht identifizierbar. Dieselbe Person hält oft mehrere Vorlesungen, und Skripte ändern sich von Jahr zu Jahr erheblich.

Wann ein Skript eine vertretbare Quelle ist

Ehrlich gesagt: selten. Ein Skript ist didaktisch aufbereitetes Material, keine Forschungsleistung. Es verzichtet bewusst auf Differenzierung, kürzt Modelle und lässt Belege weg. Prüfende erkennen das sofort.

Vertretbar ist es in drei Fällen. Erstens, wenn du dich auf eine Definition oder Systematik beziehst, die genau in dieser Form nur dort steht. Zweitens, wenn die lehrende Person eigene Forschungsergebnisse vorstellt, die noch nicht publiziert sind. Drittens, wenn das Skript selbst dein Untersuchungsgegenstand ist, etwa in einer hochschuldidaktischen Arbeit.

In allen anderen Fällen führt der Weg über die Literatur, auf die sich das Skript stützt. Diese Quellen stehen meist auf der letzten Folie. Wie du Belastbarkeit und Reichweite einer Quelle einschätzt, steht unter Quellen bewerten; der Unterschied zwischen Primär- und Sekundärquellen ist unter Primär- und Sekundärquellen erklärt.

Was ein Plagiatsscan bei Skriptinhalten zeigt

Viele Skripte liegen als PDF frei im Netz, weil Lernplattformen offen sind oder Studierende Material weitergeben. Genau deshalb tauchen Folienformulierungen in Scans regelmäßig als Treffer auf.

Der Plagiat Scan kostet 0,29 € pro Normseite mit 1.800 Zeichen und vergleicht deinen Text mit über 70 Milliarden Quellen. Für Skriptinhalte ist der Bericht doppelt nützlich. Er zeigt dir Stellen, an denen du eine Folienformulierung wörtlich übernommen und den Beleg vergessen hast. Und er zeigt manchmal, woher die Folie selbst stammt: Wenn ein Treffer auf ein Lehrbuch verweist, hast du die Originalquelle gefunden und kannst sie statt des Skripts zitieren. Wie du markierte Stellen bewertest, zeigt echte vs. falsche Treffer.

FAQ

Häufige Fragen

Erlaubt ist es fast immer, sinnvoll oft nicht. Ein Skript ist unveröffentlicht und für Außenstehende nicht überprüfbar. Wenn dieselbe Aussage in einem Lehrbuch steht, zitierst du das Lehrbuch. Für Aussagen, die nur im Skript stehen, ist der Beleg dagegen der richtige Weg.
Veranstaltung, Hochschule und Semester. Diese drei Angaben machen das Skript identifizierbar, obwohl es nie erschienen ist. Ergänze den Hinweis, dass es sich um ein unveröffentlichtes Skript handelt, damit sofort klar ist, warum die üblichen Verlagsangaben fehlen.
Für ein normales Zitat mit Quellenangabe nicht. Höflich ist eine kurze Nachfrage trotzdem, besonders wenn du längere Passagen oder Grafiken übernehmen willst. Manche Lehrende stellen dir dann die Originalquelle zur Verfügung, aus der die Folie stammt.
Mit der Foliennummer an der Stelle, an der sonst die Seitenzahl steht, zum Beispiel als Folie 12. Bei einem durchgehenden Skript mit Seitenzahlen nimmst du die Seite. Ohne beides nennst du das Kapitel oder den Abschnittstitel der Folie.
Ja, wenn du dich darauf beziehst. Manche Institute verlangen für unveröffentlichte Quellen einen eigenen Abschnitt im Verzeichnis. Was bei dir gilt, steht im Merkblatt deines Instituts oder weiß deine Betreuung. Im Zweifel fragst du vor der Abgabe kurz nach.
Dann nennst du die Person, die die Veranstaltung hält, denn sie verantwortet das Material. Stammt die Folie erkennbar aus einer fremden Quelle, suchst du diese Quelle und zitierst sie direkt. Genau dafür lohnt ein Blick auf die Fußzeile der Folie.

Passend dazu

Zitierstile, Quellenarten und Sonderfälle korrekt belegen.

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