Sekundärzitat

Aus zweiter Hand zitieren

Ein Sekundärzitat ist ein Zitat, dessen Original du nicht selbst gelesen hast. Erlaubt ist das nur, wenn du den Umweg offenlegst. Die Formel dafür lautet „zitiert nach", und sie gehört in jeden solchen Beleg.

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 |  Zuletzt geprüft: 26.08.2026  |  6 Min. Lesezeit

Kurzregel: erst das Original, dann der Umweg

Ein Sekundärzitat ist ein Zitat, dessen Original du nicht gelesen hast. Du kennst die Stelle nur aus einem anderen Text, der sie seinerseits zitiert.

Die Regel dazu passt in zwei Sätze. Beschaffe das Original, wann immer es zu beschaffen ist. Geht das nachweislich nicht, machst du den Umweg mit „zitiert nach" sichtbar.

Verschweigen ist keine Option. Ein Beleg, der so aussieht, als hättest du das Original in der Hand gehabt, behauptet eine Leistung, die du nicht erbracht hast.

Wie der Beleg aufgebaut ist

Der Beleg nennt zwei Quellen in fester Reihenfolge: zuerst das Original, dann die Fundstelle.

Ein Beispiel. In einem Aufsatz von Rohwedder aus dem Jahr 2020 findest du eine wörtlich zitierte Passage von Beckstein aus dem Jahr 1998. Beckstein selbst ist vergriffen und auch digital nicht zu bekommen. Dann lautet dein Beleg: (Beckstein 1998, S. 44, zitiert nach Rohwedder 2020, S. 112).

Beide Seitenzahlen gehören dazu. Die erste zeigt, wo die Aussage im Original steht, die zweite, wo du sie gefunden hast. Fehlt die zweite, kann niemand deinen Weg nachvollziehen.

Im Literaturverzeichnis steht nach vielen Vorgaben nur das Werk, das du tatsächlich gelesen hast. Andere Merkblätter verlangen beide Einträge. Welche Variante bei dir gilt, steht in der Vorgabe deines Instituts; den grundsätzlichen Aufbau erklärt die Seite zum Literaturverzeichnis.

Fehlerfortpflanzung: der eigentliche Grund

Die Zurückhaltung gegenüber Sekundärzitaten hat wenig mit Förmlichkeit zu tun. Sie hat mit Fehlern zu tun, die sich vererben.

Jede Zwischenstufe ist eine Gelegenheit, etwas falsch zu machen: ein Zahlendreher, eine weggelassene Einschränkung, ein aus dem Zusammenhang gelöster Satz. Wer die Stelle abschreibt, ohne ins Original zu sehen, übernimmt den Fehler und macht ihn zu seinem eigenen.

In der Wissenschaftsgeschichte gibt es Aussagen, die über Jahrzehnte von Text zu Text weitergereicht wurden, obwohl im Original etwas anderes steht. Sie halten sich, weil niemand nachsieht.

Dazu kommt ein zweiter Effekt. Der zitierende Autor hat ausgewählt, welchen Satz er für wichtig hält. Übernimmst du seine Auswahl, übernimmst du seine Deutung, ohne sie geprüft zu haben. Wie du Quellen stattdessen selbst einordnest, steht unter Quellen bewerten.

Wie die Zitierstile den Zusatz setzen

Die Grundregel ist über alle Stile hinweg gleich: Beide Quellen erscheinen im Beleg, verbunden durch eine Kennzeichnung. Unterschiedlich sind nur Formulierung und Zeichensetzung.

In deutschsprachigen Vorgaben findest du „zitiert nach" oder „zit. nach". In englischsprachigen Stilen steht an dieser Stelle „as cited in". Ob die Fundstelle in einer Klammer, in einer Fußnote oder im Fließtext genannt wird, richtet sich nach dem gewählten System.

Was alle Regelwerke teilen: Der Zusatz ist Pflicht, nicht Kür. Weglassen ist in keinem Stil vorgesehen.

Vier Varianten desselben Belegs

Situation Beleg
Original selbst gelesen (Beckstein 1998, S. 44)
Nur bei Rohwedder gefunden (Beckstein 1998, S. 44, zitiert nach Rohwedder 2020, S. 112)
Sinngemäß aus zweiter Hand (Vgl. Beckstein 1998, S. 44, zit. nach Rohwedder 2020, S. 112)
Fußnote, deutsche Zitierweise Beckstein 1998, S. 44, zitiert nach Rohwedder 2020, S. 112.
Falsch: Umweg verschwiegen (Beckstein 1998, S. 44), obwohl nur Rohwedder gelesen wurde

Sonderfälle

Fremdsprachige Originale sind der häufigste legitime Fall. Wenn du eine russische oder japanische Quelle nicht lesen kannst, ist der Umweg über eine Besprechung vertretbar. Gekennzeichnet wird er trotzdem.

Unveröffentlichte Materialien bilden den zweiten Fall. Vorträge, interne Berichte oder Archivalien, die nur der zitierende Autor gesehen hat, kannst du nicht selbst prüfen.

Ein dritter Fall taucht in Lehrbüchern auf. Dort werden klassische Studien oft referiert statt zitiert. Wenn du die Studie meinst, musst du die Studie beschaffen. Das Lehrbuch als Beleg für die Studie ist ein Sekundärzitat, auch wenn keine Anführungszeichen im Spiel sind.

Nicht hierher gehört der Fall, dass eine Quelle im Netz verschwunden ist. Dafür gibt es eigene Wege, beschrieben unter Quelle nicht mehr auffindbar.

Die häufigsten Fehler

Was in Gutachten auffällt

  • Der verschwiegene Umweg. Der Beleg nennt nur das Original, gelesen wurde der Zwischentext. Genau das wird als Zitatplagiat bewertet.
  • Nur eine Seitenzahl. Ohne die Fundstelle im Zwischentext lässt sich dein Weg nicht nachvollziehen.
  • Sekundärzitat aus Bequemlichkeit. Das Original steht in der Bibliothek zwei Straßen weiter.
  • Ganze Kapitel aus zweiter Hand. Häuft sich der Zusatz, entsteht der Eindruck, du hättest kaum selbst recherchiert.
  • Falsche Reihenfolge. Wer die Fundstelle zuerst nennt, kehrt die Aussage des Belegs um.

Ein Ablauf, der Sekundärzitate überflüssig macht

  1. Notiere beim Lesen sofort, welche Quelle der Text selbst zitiert, mit Autor, Jahr und Seite.
  2. Prüfe im Katalog deiner Bibliothek, ob das Original verfügbar ist. Fernleihe und Dokumentlieferdienste zählen dazu.
  3. Ist es verfügbar, lies die zitierte Stelle im Original und belege sie direkt.
  4. Ist es nicht verfügbar, setze den Zusatz und notiere dir den Grund. Bei Rückfragen im Kolloquium kannst du dann antworten.

Die Recherche dauert selten länger als eine halbe Stunde pro Quelle. Wie du dabei systematisch vorgehst, steht unter Literaturrecherche.

Was ein Plagiatsscan bei Sekundärzitaten zeigt

Ein Scan prüft keine Belegformalien. Er vergleicht deinen Text mit über 70 Milliarden Quellen und zeigt, welche Passagen wo schon einmal stehen.

Für Sekundärzitate ist das trotzdem aufschlussreich. Findet der Bericht deine zitierte Passage nicht im Original, sondern in genau dem Aufsatz, aus dem du sie hast, siehst du deinen eigenen Rechercheweg schwarz auf weiß. Manchmal zeigt sich dabei mehr: Der Treffer reicht über die Anführungszeichen hinaus in den umgebenden Satz hinein, weil du auch die Einleitung des Zwischentextes übernommen hast. Ein Durchlauf kostet 0,29 € pro Normseite mit 1.800 Zeichen und liegt in der Regel nach 15 Minuten vor. Welche Treffer harmlos sind, ordnet die Seite zu echten und falschen Treffern ein.

FAQ

Häufige Fragen

Wenn das Original nachweislich nicht zugänglich ist. Das gilt für vergriffene Werke, unveröffentlichte Manuskripte oder Quellen in einer Sprache, die du nicht liest. Bequemlichkeit zählt nicht dazu. Ein Buch, das per Fernleihe in einer Woche da wäre, gilt als zugänglich.
Zuerst steht die Originalquelle, dann die Formel, dann die Fundstelle, in der du gelesen hast. Ein Beispiel: (Beckstein 1998, S. 44, zitiert nach Rohwedder 2020, S. 112). Die Kurzform „zit. nach" ist ebenfalls gebräuchlich, wenn dein Merkblatt sie zulässt.
In vielen Vorgaben nur das Werk, das du tatsächlich in der Hand hattest. Andere Merkblätter verlangen beide Einträge. Beide Varianten sind verbreitet, deshalb entscheidet die Vorgabe deines Instituts. Wichtig ist, dass du dich für eine Form entscheidest und sie überall durchhältst.
Du übernimmst die Lesart einer anderen Person, ohne sie prüfen zu können. Verkürzt der Zwischentext das Original, verkürzt du mit. Steckt dort ein Zahlendreher, trägst du ihn weiter. Diese Fehlerfortpflanzung ist der eigentliche Grund für die Zurückhaltung, nicht die Form des Belegs.
Es zählt als Täuschung über die eigene Quellenarbeit. Wer einen Beleg so setzt, als hätte er das Original gelesen, behauptet eine Leistung, die er nicht erbracht hat. Prüfungsordnungen fassen das je nach Formulierung als Zitatplagiat oder als Täuschungsversuch.
Ja, die Kennzeichnungspflicht bleibt aber dieselbe. Vor den Beleg setzt du dann „vgl.", der Zusatz „zitiert nach" steht trotzdem dabei. Ob wörtlich oder sinngemäß ändert nichts daran, dass du die Quelle nur aus zweiter Hand kennst.

Passend dazu

Zitierstile, Quellenarten und Sonderfälle korrekt belegen.

ZitierenDirektes Zitat: Regeln Wissenschaftliches SchreibenPrimär- und Sekundärquellen PlagiatsartenBauernopfer

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