Quelltext–Prüfung–Offenlegung-Matrix
Drei Übersetzungssituationen unterscheiden
Eigener Text: Sie übersetzen ein selbst verfasstes Abstract oder Kapitel. Hier steht die sprachliche Bearbeitung im Mittelpunkt. Trotzdem können Bedeutungsverschiebungen entstehen; beide Sprachfassungen sollten fachlich übereinstimmen. Fremdes Zitat: Sie übertragen eine Passage aus einer Publikation. Die Originalquelle bleibt zwingend der Beleg, und es muss erkennbar sein, ob die Übersetzung von Ihnen oder mit einem Werkzeug erstellt wurde. Forschungsmaterial: Interviews, offene Antworten oder Dokumente werden für Analyse und Darstellung übersetzt. Dann gehören Übersetzungsentscheidungen zur Methode, weil sie Interpretation und Kategorien beeinflussen können.
Eine vierte Situation ist die Übersetzung von Suchbegriffen oder Kurznotizen für die Recherche. Auch sie kann Treffer und Auswahl prägen. Dokumentieren Sie wesentliche Terminologieentscheidungen im Suchprotokoll, besonders wenn ein Begriff in den Sprachen unterschiedliche fachliche Reichweiten hat.
Eine Übersetzung fachlich prüfen
Rückübersetzung allein ist kein Wahrheitsautomat: Zwei Systeme können denselben Fehler spiegeln oder eine mehrdeutige Formulierung unterschiedlich glätten. Prüfen Sie stattdessen gezielt. Stellen Sie Original und Zieltext satzweise gegenüber. Markieren Sie Fachbegriffe, Negationen, Zahlen, Modalverben, zeitliche Bezüge und Einschränkungen. Vergleichen Sie Schlüsselbegriffe mit Fachwörterbüchern, Terminologiedatenbanken oder parallelen Texten seriöser Institutionen. Bei zentralen Aussagen ist eine sprachkundige fachliche Prüfung sinnvoll.
- Originalstelle unverändert sichern und dauerhaft zuordnen.
- Erste maschinelle Fassung getrennt speichern.
- Problemstellen und alternative Übersetzungen notieren.
- Fachterminologie anhand belastbarer Quellen festlegen.
- Endfassung mit Begründung der wesentlichen Änderungen ablegen.
- Zitat und Literaturangabe nochmals gegen das Original prüfen.
Wenn Sie eine Sprache nicht ausreichend beherrschen, dürfen Sie nicht so formulieren, als hätten Sie jede Nuance selbst validiert. Begrenzen Sie die Aussage und benennen Sie, welche Prüfung tatsächlich möglich war.
Übersetzen ändert den Quellenstatus nicht
Ein direktes fremdes Zitat bleibt ein direktes Zitat, auch wenn es in deutscher Übersetzung erscheint. Kennzeichnen Sie die Übertragung nach dem für Ihren Zitierstil vorgesehenen Verfahren und führen Sie das Originalwerk im Literaturverzeichnis. Bei einer eigenen Übersetzung wird häufig ein Hinweis wie „eigene Übersetzung“ verwendet; bei maschineller Unterstützung sollte die Erklärung den Werkzeuganteil zusätzlich sichtbar machen. Die genaue Form ist stil- und institutionsabhängig.
Eine Paraphrase darf sich ebenfalls nicht nur auf die maschinelle Ausgabe stützen. Lesen Sie das Original, prüfen Sie den Sinn und belegen Sie die Quelle. Erfundene Seitenzahlen oder Literaturdaten aus einem System werden nicht übernommen. Hinweise zur Trennung von Beleg und eigener Formulierung bietet Plagiat vermeiden.
Musterangaben nach Anwendungsfall
Datenschutz und unveröffentlichte Inhalte
Laden Sie personenbezogene Interviews, interne Dokumente oder unveröffentlichte Manuskripte nicht allein aus Bequemlichkeit in einen externen Dienst. Klären Sie Zweck, Rechtsgrundlage, Auftrags- und Drittlandfragen sowie institutionelle Freigaben mit der zuständigen Stelle. Pseudonymisierung kann Risiken verringern, ist aber nicht automatisch Anonymisierung. Auch Metadaten oder seltene Kombinationen können Personen erkennbar machen.
Im Nutzungsnachweis genügt gegebenenfalls eine Beschreibung der Datenklasse und des kontrollierten Verfahrens; vertrauliche Originale gehören nicht in einen öffentlich zugänglichen Anhang. Der Leitfaden Vertrauliche Daten in KI-Tools bietet eine Risiko-Ampel. Weitere Offenlegungswege stehen im Hub KI-Transparenz.
Praxisnotiz: Terminologieliste führen
Legen Sie für zentrale Fachbegriffe eine zweisprachige Liste an: Originalbegriff, gewählte Übersetzung, verworfene Alternative, Belegstelle und Begründung. Prüfen Sie per Suche, ob die Endfassung jeden Begriff konsistent verwendet. Das ist besonders wichtig bei mehreren Kapiteln, Übersetzenden oder Werkzeugen. Die Liste verhindert, dass ein Konzept wechselnd übersetzt oder verschiedene Konzepte unter einem Wort zusammengeführt werden. Sie dokumentiert Ihre Entscheidung, ist aber keine externe Fachquelle. Kontextabhängige Varianten werden mit ihrem jeweiligen Einsatzbereich getrennt erfasst.
Quellen
Speichern Sie die Terminologieliste zusammen mit genau der Manuskriptversion, für die sie geprüft wurde. Nach späteren Änderungen wird der Abgleich erneut ausgeführt.