Plagiat Scanner.de Redaktion — redaktionell verantwortlich: Benjamin Lohrer | Zuletzt geprüft: 15.09.2026 | 6 Min. Lesezeit
Drei getrennte Sicherungspakete
Lege nicht einfach einen Ordner mit „allem“ an. Trenne die Unterlagen nach ihrer Funktion:
- Befundpaket: Mitteilung, markierte Passagen, vollständiger Bericht, Toolname, Berichtsdatum, übermittelte Screenshots.
- Entstehungspaket: abgegebene Fassung, vorhandene Versionen, Entwürfe, Notizen, Exzerpte, Literaturverwaltung, Betreuungsfeedback.
- Verfahrenspaket: Aufgabenstellung, erlaubte Hilfsmittel, KI-Leitlinie, Prüfungsordnung, Frist, zuständige Stelle und eigener Schriftverkehr.
Diese Trennung verhindert einen häufigen Denkfehler: Ein Detektorbericht beschreibt eine Klassifikation; eine Versionshistorie beschreibt Bearbeitungsschritte; eine Prüfungsordnung beschreibt die rechtliche oder organisatorische Bewertung. Keine dieser Ebenen ersetzt die anderen.
Eine sichere Reihenfolge ohne forensische Übertreibung
Beginne mit einem schreibgeschützten Sicherungsordner und einer Arbeitskopie. Übernimm zuerst die Mitteilung und genau die eingereichte Fassung. Exportiere den Detektorbericht vollständig, nicht nur die auffällige Prozentzahl. Falls nur ein Screenshot vorliegt, notiere diese Grenze und bitte um den vollständigen Befund. Die Seite KI-Verdacht ohne KI-Nutzung enthält dafür eine kurze erste Antwort.
Erst danach sammelst du bereits vorhandene Arbeitsstände. Sortiere sie nach ihrer tatsächlichen Zeitquelle: Cloud-Version, Mailanhang, lokaler Dateiname oder handschriftliches Datum. Ein Dateiname wie „final_alt_2“ ist keine verlässliche Zeitquelle. Benenne ihn im Protokoll genau so und ergänze nur, woher du den Zeitraum kennst. Prüfe außerdem, ob die beanstandete Passage in den gesicherten Ständen überhaupt vorkommt; ein großer Ordner ohne Passagenbezug hilft der sachlichen Klärung wenig.
Zum Schluss ergänzt du Aufgabenstellung und Regeln. Die Anleitung Prüfungsordnung zur KI-Nutzung finden hilft beim Eingrenzen der maßgeblichen Fassung. Wenn die zuständige Stelle oder der Verfahrensschritt unklar bleibt, kann die Übersicht zur Anhörung beim Prüfungsamt die Fragen für deine erste Kontaktaufnahme strukturieren. Beide Seiten ersetzen nicht die Prüfung deiner konkreten Ordnung.
Sicherungsprotokoll statt Dateihaufen
Erstelle eine Tabelle, bevor du Dateien umbenennst oder sortierst:
| Nr. | Datum/Zeitraum | Quelle | Datei oder Unterlage | Was sie zeigt | Grenze |
|---|---|---|---|---|---|
| B-01 | Datum der Mitteilung | Hochschule | vollständiger Detektorbericht | übermittelter technischer Befund | keine Urheberschaft |
| E-01 | vorhandener Zeitstempel | OneDrive/SharePoint | Version einer abgegebenen Datei | gespeicherter Bearbeitungsstand | erklärt nicht jede Passage |
| E-02 | Maildatum | Betreuung | Mail mit Zwischenstand | externer Zeitanker | nur versandte Fassung |
| V-01 | Abgabezeitraum | Prüfungsamt | Aufgabenstellung/Regel | erlaubte und verbotene Hilfsmittel | Auslegung kann streitig sein |
Notiere zusätzlich, wann du die Kopie oder den Export erstellt hast. So bleibt sichtbar, welche Zeitangabe aus dem ursprünglichen System stammt und welche nur deinen Sicherungsvorgang datiert.
Was du technisch tun kannst
Cloud- und Office-Versionen
Microsoft dokumentiert, dass der Versionsverlauf frühere Fassungen von Dateien in OneDrive oder SharePoint anzeigen und wiederherstellen kann. Prüfe den tatsächlichen Speicherort, öffne die Versionsübersicht und sichere relevante Stände als Kopie. Behaupte keine feste Aufbewahrungsdauer: Kontotyp, Richtlinien und Speicherort können sich unterscheiden.
Lokale Dateien und Backups
Bei rein lokalen Dateien können Betriebssystem-Backups, alte Anhänge oder bewusst gespeicherte Zwischenfassungen helfen. Dateieigenschaften sind ein Datenpunkt, aber kein alleiniger Beweis: Sie können sich durch Kopieren, Export oder Software ändern. Dokumentiere deshalb Herkunft und Zusammenhang statt einer einzelnen Metadatenzeile zu viel Gewicht zu geben.
Notizen, Literatur und Kommunikation
Fotografiere oder scanne vorhandene handschriftliche Notizen vollständig und ohne inhaltliche Retusche. Exportiere Literaturprojekte mit Notizfeldern, soweit vorhanden. Bei Mails oder Chats sichere nur den relevanten Verlauf und schwärze in einer Arbeitskopie unnötige personenbezogene Daten Dritter; das unveränderte Original bleibt getrennt.
Keine nachträgliche Entstehungsgeschichte
Ergänze keine rückdatierten Entwürfe, rekonstruiere keine Chatverläufe und bearbeite keinen alten Stand so, als sei er damals entstanden. Eine offen benannte Lücke ist belastbarer als ein konstruierter Beleg.
Was ein Beleg tatsächlich leisten kann
| Beleg | Starker Nutzen | Typische Überdehnung |
|---|---|---|
| Mehrere datierte Versionen | zeigt Veränderungen zwischen realen Ständen | „beweist jede Formulierung“ |
| Literaturverwaltung und Exzerpte | verbindet Quellen mit Recherchearbeit | „beweist, dass keine KI benutzt wurde“ |
| Betreuungskommunikation | setzt externe Zeitanker | „bestätigt die komplette Urheberschaft“ |
| Fachliche Erklärung | zeigt Verständnis von Quellen und Argument | „ersetzt das geregelte Prüfungsverfahren“ |
| Niedriger Gegenscore | zeigt Ausgabe eines zweiten Tools | „entkräftet den ersten Score“ |
Aktuelle Forschung zeigt, dass Detektorleistung von Tool, Textkategorie und Testaufbau abhängt. Der praktische Wert deiner Unterlagen liegt daher nicht in einer mathematischen Widerlegung, sondern darin, der entscheidenden Person zusätzliche überprüfbare Informationen zum Arbeitsprozess zu geben.
Datenschutz und Vertraulichkeit
Beweise können Angaben Dritter enthalten: Namen in Gruppenarbeiten, vertrauliche Forschungsdaten, Mailadressen, Kommentare oder unveröffentlichte Ergebnisse. Gib nicht vorsorglich deinen gesamten Cloud-Ordner oder alle privaten Chats heraus. Bitte um die konkrete Vorwurfsgrundlage und kläre, welche Unterlagen die zuständige Stelle benötigt.
Auch ein weiterer Detektor ist ein externer Datenempfänger. Die Freie Universität Berlin weist für ihren eigenen Kontext ausdrücklich darauf hin, dass studentische Arbeiten nicht ohne schriftliches Einverständnis in KI-Tools eingegeben werden sollen. Diese Regel gilt nicht automatisch überall, zeigt aber, warum ungeprüfte Uploads keine neutrale Sicherungsmaßnahme sind.
Übergabe als nummerierte Anlage
Erstelle aus dem Protokoll eine kurze Anlagenliste. Jede Zeile nennt Nummer, Bezeichnung, Zeitraum, Herkunft und Aussagegrenze. Verweise in deiner Stellungnahme nur auf die Unterlage, die den jeweiligen Satz stützt.
Beispiel: „Anlage E-03 zeigt drei gespeicherte Fassungen zwischen dem 4. und 18. Mai. Sie dokumentiert die Entwicklung des Methodenkapitels; für die Einleitung liegen keine vergleichbaren Zwischenstände vor.“ Diese Formulierung ist stärker als „Mein Versionsverlauf beweist alles“, weil sie überprüfbar und begrenzt ist.
Die nächste Stufe beschreibt KI-Vorwurf sachlich entkräften. Für allgemeine technische Hintergründe führt der Hub KI-Erkennung weiter.
Quellen und Stand
- Microsoft Support: Save, back up, and recover a file in Microsoft Office. Offizielle Beschreibung von AutoSave und Versionsverlauf für OneDrive/SharePoint.
- Van Vlasselaer, M., Van Droogenbroeck, F. & Spruyt, B. (2026): Who wrote this? Evaluating the reliability of AI detection tools in higher education, International Journal for Educational Integrity, veröffentlicht am 29.06.2026. Primärstudie mit 160 englischsprachigen Texten und vier Tools.
- Freie Universität Berlin (2025): Eckpunkte zum Umgang mit KI-basierten Systemen und Tools in Studium und Lehre, insbesondere Abschnitte D und E. Institutionelle Regelung und Datenschutzgrenze.
Quellen und Aussagen zuletzt fachlich geprüft am 15.09.2026. Die Seite ist allgemeine Information, keine Rechts- oder IT-forensische Beratung.