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Stellungnahme

Einen KI-Vorwurf sachlich einordnen

Eine tragfähige Antwort bestreitet nicht bloß einen Prozentwert. Sie trennt technischen Befund, tatsächliche Hilfsmittelnutzung, vorhandene Entstehungsbelege und die konkrete Prüfungsregel.

— redaktionell verantwortlich: Benjamin Lohrer  |  Zuletzt geprüft: 15.09.2026  |  6 Min. Lesezeit

Die Argumentationskarte auf einer Seite

Ordne jeden Satz deiner Antwort einer von vier Spalten zu:

Frage Deine Angabe Zugeordneter Beleg Offene Grenze
Was wird konkret behauptet? Passage, Tool, Bericht, Regel und mögliche Folge Mitteilung und vollständiger Report fehlende Toolversion oder unklare Markierung benennen
Wie entstand der Text? wahrheitsgemäße Arbeitsweise und Hilfsmittel Versionen, Notizen, Quellen, Kommunikation Lücken offen ausweisen
Was kann der Score leisten? technische Klassifikation, kein alleiniger Herkunftsnachweis Studie und institutionelle Hinweise keine fremde Fehlerquote übertragen
Welcher Schritt folgt? Anhörung, Stellungnahme oder Entscheidung Prüfungsordnung und Schreiben der Stelle Zuständigkeit und Frist prüfen

Diese Karte verhindert zwei schlechte Extreme: eine technische Grundsatzrede ohne Bezug zum Fall und eine Sammlung privater Dateien ohne erkennbare Aussage.

Schritt 1: Vorwurf und Folge präzisieren

Schreibe zunächst wörtlich oder sinngenau auf:

  • welche Passage beanstandet wird;
  • welches Tool zu welchem Zeitpunkt welche Ausgabe geliefert hat;
  • welche Hilfsmittelregel verletzt sein soll;
  • welche Stelle prüft oder entscheidet;
  • welche Frist und mögliche Folge genannt wurden.

Fehlt etwas, frage danach. Die Freie Universität Berlin verlangt in ihren Eckpunkten für den eigenen Bereich eine vollständige, zeitnahe Dokumentation des Verdachtsfalls und eine Anhörung. Die Universität Potsdam behandelt den Detektor nicht als alleinigen Nachweis und rückt Inhalte, Quellen und Schreibprozess in den Mittelpunkt. Diese Beispiele stützen einen fairen Klärungsweg, ersetzen aber nicht deine Prüfungsordnung.

Wenn du nur eine Prozentzahl oder einzelne Screenshots erhalten hast, hilft zunächst die technische Anleitung KI-Score interpretieren. Für Zuständigkeit und formale Reihenfolge führt die Seite Anhörung beim Prüfungsamt weiter. Trenne beide Fragen in deiner Antwort, damit eine technische Einordnung nicht versehentlich als rechtliche Schlussfolgerung erscheint.

Schritt 2: Tatsachen erklären, nicht optimieren

Erkläre wahrheitsgemäß, wie du gearbeitet hast und welche Hilfsmittel du verwendet hast. Unterscheide zum Beispiel Literaturrecherche, Rechtschreibprüfung, Übersetzung, Formulierungshilfe und generative Texterstellung, statt alles pauschal „KI“ zu nennen. Entscheidend ist, was die konkrete Regel erlaubt, verbietet oder kennzeichnungspflichtig macht.

Ändere die abgegebene Fassung nicht mit dem Ziel, einen niedrigeren Wert zu erzeugen. Eine spätere Fassung kann fachlich besser sein, ist aber nicht die Fassung, über die der Vorwurf entstand.

Schritt 3: Belege mit Aussagegrenze zuordnen

Ein guter Anlagensatz ist klein genug, dass jede Unterlage eine erkennbare Funktion hat:

  1. abgegebene Fassung und vollständiger Detektorbericht;
  2. zwei bis vier tatsächlich vorhandene Zwischenstände;
  3. relevante Notizen oder Exzerpte zu beanstandeten Passagen;
  4. Literaturverwaltung oder Rechercheprotokoll;
  5. gegebenenfalls datierte Kommunikation mit Betreuung oder Mitwirkenden;
  6. Aufgabenstellung, Hilfsmittelregel und eigene Nutzungsangabe.

Die Anleitung Vorhandene Belege richtig sichern enthält dafür ein Sicherungsprotokoll. Gib keine unnötigen Daten Dritter und keine vertraulichen Forschungsunterlagen heraus, ohne Erforderlichkeit und Empfänger zu klären.

Schritt 4: Den Detektor begrenzt einordnen

Eine belastbare Formulierung lautet nicht „KI-Detektoren sind immer falsch“. Sie lautet:

> Der Bericht ist eine Klassifikation dieses Tools für diese Textfassung. Er beschreibt keine beobachtete Entstehungshandlung. Ich bitte deshalb darum, Toolstand, markierte Passagen und weitere Tatsachen getrennt zu prüfen und meine beigefügten Unterlagen zum Arbeitsprozess einzubeziehen.

Die 2026 veröffentlichte Studie von Van Vlasselaer und Kollegen fand je nach Tool und Textkategorie unterschiedliche Leistungen und empfiehlt, Detektoren nicht allein für folgenreiche Entscheidungen zu verwenden. Ihr Korpus bestand aus englischsprachigen akademischen Texten aus bestimmten Fachgruppen. Daraus folgt keine Fehlerquote für deinen deutschen Text und kein Freispruch im Einzelfall.

Schritt 5: Anhörung und Gespräch vorbereiten

Für jede markierte Passage solltest du erklären können:

  • Welche Quelle trägt die Aussage?
  • Warum steht der Absatz an dieser Stelle?
  • Wie entstand der Übergang zum nächsten Argument?
  • Welche frühere Variante wurde verworfen?
  • Welches Hilfsmittel wurde gegebenenfalls verwendet und wie wurde das kenntlich gemacht?

Die Universität Potsdam empfiehlt bei begründetem Verdacht ein zeitnahes Klärungsgespräch mit Detailfragen zu Inhalt, Quellen und Schreibprozess. Sie weist zugleich darauf hin, dass eine zusätzliche mündliche Prüfung nicht einfach außerhalb der Modulbeschreibung eingeführt werden kann. Bitte daher vor dem Termin um Klarheit, ob es um Anhörung, Sachverhaltsklärung oder eine Prüfungsleistung geht.

Musterstruktur für die Stellungnahme

  1. Bezug: Datum der Mitteilung, Prüfung, beanstandete Stelle.
  2. Tatsachenerklärung: eigene Arbeitsweise und tatsächlich verwendete Hilfsmittel.
  3. Befundeinordnung: ein kurzer Absatz zur begrenzten Aussage des Reports.
  4. Entstehungsbelege: nummerierte Anlagen mit je einem Satz Nutzen und Grenze.
  5. Offene Fragen: fehlender Report, Toolstand, Regel, Zuständigkeit oder Frist.
  6. Nächster Schritt: Bereitschaft zur Anhörung beziehungsweise Bitte um Entscheidung und Rechtsbehelfsinformation.

Halte den Ton sachlich. Unterstelle der prüfenden Person keine Absicht, erfinde keine Fehlerquote und versprich nicht, ein Versionsverlauf „beweise“ die komplette Eigenleistung. Der stärkste Satz ist derjenige, den die beigefügte Anlage tatsächlich trägt.

Rechts- und Verfahrensgrenze

Hochschulen und Länder regeln Täuschungsfälle unterschiedlich. Die allgemeine bundesrechtliche Regel zu Anhörung und Akteneinsicht im Verwaltungsverfahrensgesetz kann Orientierung geben, gilt aber nicht ohne Prüfung automatisch in jedem Hochschulverfahren; Landesrecht und besondere Prüfungsregelungen können vorgehen. Die Universität Hamburg zeigt in ihrer Handreichung zudem, dass Zuständigkeit und Rechtsfolge schon innerhalb einer Hochschule vom Verfahrensstadium abhängen können.

Bei laufender Frist, einem belastenden Bescheid oder erheblichen Folgen nutze Studierendenberatung, Ombudsstelle oder anwaltliche Beratung. Allgemeine nächste Wege bündelt Prüfungsrecht: Grundlagen.

Genau ein kommerzieller nächster Schritt

Ein eigener KI Scan ist nur dann sinnvoll, wenn du verstehen willst, welche Passagen ein System markiert. Er ist kein Entlastungsbeweis und sollte nicht anstelle der Belegsicherung oder Anhörung eingesetzt werden. Lade keine vertrauliche Arbeit hoch, bevor du Datenschutz, Prüfungsregel und Zweck geprüft hast.

Quellen und Stand

Quellen und Aussagen zuletzt fachlich geprüft am 15.09.2026. Die Seite ersetzt keine Rechtsberatung.

FAQ

Häufige Fragen

Ordne ihn knapp ein und konzentriere dich dann auf die konkrete Regel, den vollständigen Befund und deine vorhandenen Entstehungsbelege. Ein Gegenscore ersetzt diese Prüfung nicht und sollte weder als sicherer Freispruch noch als Gegenbeweis dargestellt werden.
Vorwurf und Frist, deine wahrheitsgemäße Erklärung zur Arbeitsweise und Hilfsmittelnutzung, eine begrenzte Einordnung des vollständigen Detektorberichts, nummerierte Anlagen mit Aussagegrenzen und eine Bitte um den vorgesehenen nächsten Verfahrensschritt sowie die zuständige Stelle.
Benenne Zeitraum und Lücke offen. Ordne andere vorhandene Unterlagen zu, ohne daraus eine lückenlose Geschichte zu machen. Eine Lücke ist nicht automatisch ein Schuldeingeständnis; ihre Bewertung hängt vom Gesamtfall ab.
Das lässt sich nicht allgemein beantworten. Zuständigkeit, Mitwirkung, Anhörung und Akteneinsicht hängen von Prüfungsordnung, Landesrecht und Verfahrensstand ab. Kläre zuerst, wer worüber entscheidet, welche Unterlagen konkret angefordert werden und bis wann beziehungsweise in welcher Form du reagieren sollst.
Ein Klärungsgespräch zu Inhalt, Quellen und Schreibprozess wird institutionell empfohlen. Ob daraus eine zusätzliche Prüfungsleistung werden darf, ist eine andere Frage und richtet sich nach der Prüfungsordnung. Bitte deshalb um Zweck und rechtliche Einordnung des Gesprächs.
Wenn eine Frist läuft, ein förmlicher Bescheid angekündigt oder erlassen wird, ein letzter Prüfungsversuch betroffen ist oder Exmatrikulation beziehungsweise Titelentzug im Raum steht. Diese Seite ersetzt keine Prüfung des Einzelfalls.

Einen Detektorwert nicht überbewerten

Der KI-Scan liefert eine zusätzliche Einordnung auffälliger Passagen, keinen Entlastungs- oder Belastungsbeweis.

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