Ein konkurrierendes Interesse ist eine Beziehung, kein Schuldurteil
Interessen gehören zu Forschung: Finanzierung, berufliche Rollen und fachliche Überzeugungen sind normal. Problematisch wird es, wenn eine relevante Beziehung verborgen bleibt oder Entscheidungen ohne angemessene Schutzmaßnahmen beeinflusst. Offenlegung erlaubt Redaktion und Lesenden, den Kontext zu beurteilen; sie beweist weder Verzerrung noch Unabhängigkeit.
Die sinnvolle Prüffrage lautet nicht nur „Bin ich befangen?“, sondern: Könnte eine informierte außenstehende Person diese Beziehung vernünftigerweise für relevant halten? Autorinnen kennen ihre eigenen Motive nicht vollständig und unterschätzen oft Außenwirkung. Im Zweifel wird konkret offengelegt und die Redaktion entscheidet nach ihrer Richtlinie.
Zeiträume und Schwellen richten sich nach Journal, Institution und ICMJE-Formular. Übernimm keine pauschale Frist aus einem anderen Verlag. Diese Vorlage unterstützt vollständige Angaben, ersetzt aber keine Rechts-, Compliance- oder Steuerberatung.
Finanzierung und persönliche Vorteile getrennt darstellen
Ein Projektgrant gehört in die Finanzierungserklärung, persönliche Beratungshonorare oder Vortragshonorare in die Interessenerklärung. Vermische beides nicht in einem allgemeinen Satz. Nenne den Förderer, Fördernummer und seine tatsächliche Rolle bei Design, Datenerhebung, Analyse, Manuskript und Publikationsentscheidung. „Kein Einfluss“ darf nur stehen, wenn dies geprüft wurde.
Relevante finanzielle Interessen können Beschäftigung, Beratung, Aktien oder andere Beteiligungen, bezahlte Gutachten, Reisen, Sachleistungen, Patente, Lizenzen und Optionen umfassen. Beträge werden nach Journalregel angegeben; erfinde keine eigene Veröffentlichungsschwelle. Beziehungen naher Angehöriger werden nur im von der Regel erfassten Umfang und datensparsam behandelt.
Sachleistungen wie Softwarezugang, Geräte, Daten oder medizinische Produkte werden sichtbar, auch wenn kein Geld floss. Benenne, wer Eigentum und Kontrolle über Daten oder Code hatte. Ein Förderer, der Veröffentlichung verhindern oder Ergebnisse vorab ändern konnte, hat eine andere Rolle als eine Stelle ohne operative Beteiligung.
Institutionelle, persönliche und intellektuelle Bindungen prüfen
Nichtfinanzielle Interessen können Leitungsämter, Advocacy-Rollen, persönliche Beziehungen, institutionelle Wettbewerbe oder Beteiligung an Leitlinien betreffen. Nicht jede Kollegschaft ist relevant. Entscheidend ist der nachvollziehbare Bezug zu Gegenstand oder redaktioneller Entscheidung. Beschreibe die Rolle und überlasse die Bewertung den Lesenden.
Starke wissenschaftliche Überzeugungen allein machen Forschung nicht unzulässig. Wer jedoch eine bewertete Methode entwickelt, einen Interessenverband leitet oder öffentlich eine konkrete Position vertritt, kann diesen Kontext nennen. Vermeide psychologische Etiketten wie „voreingenommen“. Sachliche Funktionen sind überprüfbarer.
Bei Herausgeber- oder Gutachterrollen muss zusätzlich der redaktionelle Prozess geschützt werden. Eine Autorin im Editorial Board erklärt die Rolle; das Journal organisiert unabhängige Bearbeitung. Der Satz „hatte keinen Einfluss“ sollte durch einen realen getrennten Prozess getragen sein.
Erklärung personenweise und wiederholt erheben
- Zieljournalformular und Definitionszeitraum sichern.
- Jede Autorenperson beantwortet alle Kategorien selbst.
- Förderung, Beitragserklärung und Interessen auf Widersprüche prüfen.
- Unklare Beziehungen mit Redaktion oder Compliance-Stelle klären.
- Wortlaut vor Einreichung gemeinsam freigeben.
- Bei Revision, neuem Patent oder Rollenwechsel aktualisieren.
Die korrespondierende Person sammelt Erklärungen, darf aber nicht für andere raten. „Keine“ wird erst verwendet, wenn alle geantwortet haben. Historische Fassungen bleiben gespeichert, damit spätere Änderungen nachvollziehbar sind.
Automatische Formularübernahme braucht Kontrolle. Ein System kann frühere Angaben vorausfüllen, obwohl Zeitraum oder Beziehung sich geändert hat. Vergleiche PDF, Submission-Formular und öffentliches HTML nach Veröffentlichung.
Transparenz durch Schutzmaßnahmen ergänzen
Offenlegung allein beseitigt kein hohes Risiko. Unabhängige Analyse, vorab festgelegter Plan, getrennte redaktionelle Bearbeitung oder zusätzlicher Datenzugang können angemessen sein. Beschreibe nur tatsächlich umgesetzte Maßnahmen. Ein vager Hinweis „Konflikte wurden gemanagt“ ist ohne Zuständigkeit und Verfahren wenig informativ.
Die Datenverfügbarkeitserklärung trennt Zugang von Finanzierung. Das CRediT-Rollenblatt zeigt tatsächliche Zuständigkeiten. Weitere Vorlagen bietet der Hub Publikationsethik. Genau einen Grundlagenanschluss bietet der Wissensbereich wissenschaftliches Arbeiten.
Prüfe besondere Rollen getrennt. Wer zugleich Autor, Patentinhaber und wissenschaftlicher Berater eines Sponsors ist, nennt jede Beziehung, weil sie unterschiedliche Einflusspfade beschreibt. Eine Sammelformel wie „ist mit dem Unternehmen verbunden“ lässt Vergütung, Entscheidungsbefugnis und thematischen Bezug offen. Umgekehrt werden keine privaten Details veröffentlicht, die für die fachliche Einordnung ohne Bedeutung sind.
Für institutionelle Interessen wird nicht pauschal die gesamte Universität als Konflikt bezeichnet. Relevant können konkrete Lizenzverträge, Ausgründungen, Leistungsbewertungen oder ein Wettbewerb um dasselbe Produkt sein. Nenne die betroffene Einheit und Beziehung soweit erforderlich. Die eigene Einrichtung prüft, ob zusätzliche interne Meldungen nötig sind; die Publikationserklärung und ein internes Compliance-Verfahren erfüllen unterschiedliche Zwecke.
Halte auch Negativentscheidungen knapp fest. Wenn das Team eine Beziehung nach Journaldefinition als nicht meldepflichtig einordnet, dokumentiert es Kategorie, Zeitraum, Entscheidung und konsultierte Regel. Dieses interne Protokoll wird nicht automatisch veröffentlicht, verhindert aber widersprüchliche Antworten bei Revision oder Folgeartikeln. Ändert sich die Regel, wird neu geprüft statt die alte Entscheidung ungefragt zu übernehmen.