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Publikationsethik · Vergleich · PUB-13

Erratum, Corrigendum oder Retraction: Unterschiede

Direktantwort: Eine Korrektur berichtigt einen begrenzten Fehler, wenn die zentralen Ergebnisse verlässlich bleiben. „Erratum“ und „Corrigendum“ werden von Verlagen unterschiedlich für Verlags- oder Autorenfehler verwendet; der sichtbare Inhalt ist wichtiger als das Etikett. Eine Retraction kennzeichnet einen Artikel als insgesamt oder wesentlich unzuverlässig. Bei noch ungeklärtem, ernstem Verdacht kann eine Expression of Concern warnen, bis die Prüfung abgeschlossen ist. Die Redaktion entscheidet den Publikationstyp.

Korrekturtyp-EntscheidungsbaumQuellenstand 4. September 2026

Das Label ist weniger wichtig als die Wirkung

Verlage benutzen Erratum und Corrigendum nicht einheitlich. Manche ordnen Errata Produktionsfehlern und Corrigenda Autorenfehlern zu; andere verwenden nur „Correction“. Verlasse dich deshalb nicht auf eine universelle Wortdefinition. Prüfe, ob der Hinweis den alten und neuen Wortlaut, betroffene Ergebnisse und Folgen verständlich bezeichnet.

Eine Retraction löscht den Artikel nicht. Sie hält die bibliografische Geschichte sichtbar und warnt, dass Befunde nicht zuverlässig genutzt werden sollen. Rücknahme ist nicht automatisch eine Aussage über Absicht oder Fehlverhalten. Ehrliche Fehler können Ergebnisse ebenso grundlegend entwerten wie unredliches Verhalten; umgekehrt verlangt nicht jeder Fehler eine Rücknahme.

Authority Asset: Korrekturtyp-Entscheidungsbaum

  1. Ist die veröffentlichte Angabe falsch? Nein oder ungeklärt: Sachverhalt weiter prüfen und keine vorschnelle Änderung verlangen. Ja: betroffene Textstellen, Daten und Outputs sichern.
  2. Bleiben zentrale Ergebnisse und Schlussfolgerungen verlässlich? Ja: sichtbare Korrektur mit genauer Änderung prüfen. Nein: Retraction oder je nach Journal klar begrenzte Teilkorrektur mit Redaktion besprechen.
  3. Ist die Prüfung eines ernsten Risikos noch nicht abgeschlossen? Ja: mögliche Expression of Concern durch die Redaktion erwägen. Nein: endgültigen Korrekturtyp umsetzen.
  4. Ist nur die Autorenschaft oder Lizenzangabe betroffen? Spezifische Metadaten- und Autorenkorrektur nutzen; wissenschaftlichen Befund nicht unnötig als unzuverlässig bezeichnen.
  5. Existieren Preprint, Datensatz oder Schwesterartikel? Verknüpfte Objekte auf konsistente Korrekturhinweise prüfen.
  6. Ist der Hinweis auffindbar und verlinkt? DOI, Indexierung, Originalartikel und Korrektur müssen dauerhaft verbunden bleiben.

Der Baum bereitet Fakten für die Redaktion auf. Autorinnen und Autoren wählen den veröffentlichten Dokumenttyp nicht einseitig.

Fehlerwirkung statt Peinlichkeit bewerten

Ein Tippfehler ohne Bedeutungsänderung kann still in einer Onlinefassung berichtigt werden, wenn die Verlagsregel dies vorsieht. Eine falsche Einheit, vertauschte Tabellenbeschriftung oder fehlende Interessenerklärung braucht meist einen sichtbaren Hinweis. Entscheidend ist, ob Lesende Aussagen, Methoden oder Verantwortlichkeiten falsch verstehen könnten.

Rechne betroffene Analysen erneut aus und prüfe Folgewirkungen: Abstract, Tabellen, Abbildungen, Diskussion, Datensatz und Schlussfolgerung. Ein scheinbar lokaler Codefehler kann mehrere Resultate verändern. Dokumentiere ursprünglichen Wert, korrekten Wert, Ursache, Prüfweg und Bedeutung. Das Ergebnis „Schlussfolgerung unverändert“ braucht eine nachvollziehbare Analyse, nicht nur Behauptung.

Bei nicht verlässlichen Hauptbefunden ist eine bloße lange Korrekturliste möglicherweise unzureichend. COPE empfiehlt Rücknahme unter anderem bei klarer Evidenz unzuverlässiger Ergebnisse, redundanter Publikation oder schwerwiegenden ethischen Problemen. Der Einzelfall und die Journalpolicy bestimmen das Verfahren.

Eine Fehleranzeige vollständig an die Redaktion senden

Kontaktiere die zuständige Redaktion mit Artikel-DOI, Titel, genauer Fundstelle, Fehlerbeschreibung und korrigiertem Material. Nenne, wann der Fehler entdeckt wurde, welche Version betroffen ist, welche Co-Autorinnen und Co-Autoren informiert sind und ob Daten, Code oder andere Publikationen berührt werden. Stelle Berechnungen oder Belege sicher bereit.

Vermeide sowohl Bagatellisierung als auch voreilige Schuldzuweisung. „Die Beschriftung ist falsch und führt zur umgekehrten Gruppenzuordnung“ ist prüfbarer als „nur ein kleiner Tippfehler“. Bei Uneinigkeit im Autorenteam dokumentierst du abweichende Positionen. Die Redaktion kann Institutionen einbeziehen, wenn eine fachliche Untersuchung erforderlich ist.

Trenne neue wissenschaftliche Erkenntnis von einem Fehler im veröffentlichten Stand. Eine spätere Studie kann eine frühere Interpretation überholen, ohne dass der Originalartikel falsch berichtet hat. Dann sind Kommentar, Replikation oder neues Paper oft passender als Corrigendum. Umgekehrt darf ein objektiv falscher Wert nicht als bloß „weiterentwickelte Interpretation“ verharmlost werden. Stelle ursprüngliche Aussage, entdeckte Tatsache und konkrete Auswirkung nebeneinander; so kann die Redaktion den richtigen Mechanismus auswählen.

Der Redundanzcheck hilft bei überlappenden Publikationen. Für nicht verantwortbare KI-Zuschreibungen gilt die Verantwortungsmatrix zu KI und Autorschaft. Der Hub Publikationsethik bündelt weitere Prozesse. Genau eine Grundlage führt zum Wissensbereich wissenschaftliches Arbeiten.

Ein guter Hinweis macht die Historie lesbar

Der Korrekturtext nennt Artikel und DOI, bezeichnet jede relevante Änderung und erklärt ihre Wirkung auf Ergebnisse und Schlussfolgerungen. Er verlinkt dauerhaft zum Original; das Original verweist zurück. Die frühere Fassung sollte nicht so überschrieben werden, dass Lesende die Änderung nicht mehr nachvollziehen können.

Eine Retraction Notice nennt den Grund sachlich und unterscheidet unzuverlässige Befunde von ungeklärter Absicht. Sie sollte öffentlich zugänglich, eindeutig als Rücknahme erkennbar und mit allen elektronischen Fassungen verbunden sein. Eine Expression of Concern ist kein Ersatz für endlose Prüfung; sie braucht Weiterverfolgung und später ein Ergebnis.

Korrekturen über das gesamte Forschungsobjekt verfolgen

Prüfe Preprint, Repositorium, Datensatz, Code, Pressemitteilung, Konferenzabstract und Folgeartikel. Ein korrigierter Journalartikel reicht nicht, wenn derselbe falsche Wert in öffentlich verknüpften Objekten weiterläuft. Aktualisiere diese Orte nach ihren Regeln und verlinke auf den maßgeblichen Hinweis.

Kontrolliere, ob bibliografische Dienste den Korrekturstatus anzeigen. Dokumentiere Anfragen, aber behaupte keine vollständige weltweite Aktualisierung. Heruntergeladene Kopien können fortbestehen. Eine klare DOI-Verknüpfung und maschinenlesbare Metadaten verbessern die Chance, dass Lesende den Status erkennen.

  1. Fehler und betroffene Fassung einfrieren.
  2. Analyse und Folgewirkungen reproduzierbar prüfen.
  3. Co-Autoren und Redaktion informieren.
  4. Korrekturtyp anhand der Verlässlichkeit beurteilen lassen.
  5. Hinweis präzise und dauerhaft verknüpfen.
  6. Verwandte Forschungsobjekte aktualisieren.
  7. Abschluss und offene Indexierungsgrenzen dokumentieren.

Schnelle, transparente Korrektur ist Teil guter Wissenschaft. Sie schützt die Literatur besser als das Festhalten an einem falschen Ergebnis aus Sorge vor Reputationsverlust.

Offizielle Grundlagen

  1. COPE: Retraction Guidelines – Kriterien, Form und Zweck von Rücknahmen und Hinweisen.
  2. ICMJE: Corrections and Version Control – sichtbare Korrektur, Versionierung und Verknüpfung.
  3. Crossref: Crossmark – offizieller Dienst zur Anzeige des aktuellen Status publizierter Inhalte.

Quellenstand: 4. September 2026.