Betreuung

Eine Betreuung für deine Abschlussarbeit finden

Eine Betreuung zu finden scheitert selten am Thema. Es scheitert an Anfragen, die der Gegenseite die Denkarbeit überlassen. Wer einen Themenvorschlag auf einer Seite mitschickt, bekommt deutlich häufiger einen Termin.

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 |  Zuletzt geprüft: 26.08.2026  |  7 Min. Lesezeit

So kommst du an eine Betreuung

Eine Betreuung findest du nicht durch Suchen, sondern durch Anfragen: Nimm dir zwei bis drei Lehrstühle vor, deren Forschung deine Frage berührt, und schick jedem eine kurze Mail mit einem Anhang von einer Seite. Auf diese Seite gehören die Fragestellung, dein geplantes Vorgehen, drei bis fünf Quellen und der Zeitraum, in dem du schreiben willst. Mehr nicht. Eine Anfrage ohne Vorschlag verlangt von der Gegenseite, die Denkarbeit zu übernehmen, und genau die wird sie bei zwanzig ähnlichen Mails pro Semester nicht leisten. Deshalb entscheidet die eine Seite im Anhang.

Der Themenvorschlag: eine Seite, die trägt

Der Vorschlag muss nicht fertig sein, er muss zeigen, dass du das Thema durchdacht hast. Eine brauchbare Seite enthält eine Frage, die sich beantworten lässt, statt eines Gebiets, das man beackern kann.

„Digitalisierung im Mittelstand" ist kein Thema. „Welche Kriterien wenden mittelständische Maschinenbauer bei der Auswahl von Wartungssoftware an?" ist eins, weil daraus ein Vorgehen folgt. Wie du aus einem Interesse eine bearbeitbare Frage machst, steht unter Forschungsfrage formulieren.

Zwei Sätze zur Methode gehören dazu, auch wenn sie später anders aussieht. Ob du Literatur auswertest, Interviews führst oder einen vorhandenen Datensatz analysierst, entscheidet mit darüber, wer dich überhaupt betreuen kann, weil viele Lehrstühle bestimmte Verfahren nicht abdecken und dich dann weiterreichen müssen. Das ist keine Ablehnung deines Themas.

Die Anfrage per Mail, Schritt für Schritt

  1. Prüfe die Formalien deines Fachbereichs. Manche Lehrstühle vergeben Themen ausschließlich in Sprechstunden oder über ein Formular. Steht das auf der Website, gilt das und nicht deine Mail.
  2. Sieh dir an, woran die Person arbeitet. Zwei aktuelle Veröffentlichungen und die Seminare der letzten Semester reichen, um die Anknüpfung zu formulieren.
  3. Schreib einen Betreff, der einordnet. „Anfrage Betreuung Masterarbeit, Thema Wartungssoftware im Maschinenbau, Start Wintersemester" spart der Gegenseite das Öffnen.
  4. Halte die Mail auf sechs Sätze. Wer du bist, was du studierst, worum es geht, warum diese Person, wann du starten willst, was im Anhang liegt.
  5. Häng die eine Seite als PDF an. Nicht in die Mail kopieren, nicht drei Dateien.
  6. Warte zehn bis vierzehn Tage, dann frag einmal höflich nach. Vorlesungszeit und Prüfungsphasen verlängern jede Antwortzeit.

Zwei Mails, dieselbe Bitte

Ohne Substanz: „Sehr geehrte Frau Professorin, ich suche noch ein Thema für meine Bachelorarbeit und fand Ihre Vorlesung sehr interessant. Hätten Sie noch einen Betreuungsplatz frei? Über eine Rückmeldung würde ich mich freuen." Diese Mail verlangt eine Themensuche und liefert nichts, woran man anknüpfen kann.

Mit Substanz: „Sehr geehrte Frau Professorin, ich studiere Wirtschaftsingenieurwesen im fünften Semester und würde meine Bachelorarbeit gern zu Auswahlkriterien für Wartungssoftware im Maschinenbau schreiben. Anknüpfen möchte ich an Ihren Aufsatz zur Instandhaltungsplanung. Geplant sind sechs Leitfadeninterviews mit Instandhaltungsleitungen, Start im März. Im Anhang finden Sie eine Seite mit Fragestellung, Vorgehen und Literatur. Hätten Sie Kapazität für eine Betreuung?"

Was in die Anfrage gehört und was jeder Teil zeigt

Bestandteil Umfang Was die Betreuung daran abliest
Fragestellung ein bis zwei Sätze Ob das Thema bearbeitbar ist
Anknüpfung an die Forschung ein Satz Ob du gezielt anfragst oder streust
Geplantes Vorgehen zwei bis drei Sätze Ob du den Aufwand einschätzen kannst
Literatur drei bis fünf Titel Ob du schon gesucht hast
Zeitraum eine Zeile Ob es in ihre Planung passt
Formalia eine Zeile Studiengang, Fachsemester, Prüfungsordnung

Das Erstgespräch vorbereiten

Rechne mit zwanzig bis dreißig Minuten. Das ist wenig. Ob du nach dem Termin tatsächlich weiterarbeiten kannst oder nur ein freundliches Gespräch hattest, entscheidet sich deshalb fast vollständig an deiner Vorbereitung.

Nimm drei Dinge mit: deine Seite in aktueller Fassung, eine grobe Gliederung auf Kapitelebene und eine Liste konkreter Fragen. Konkret heißt: „Halten Sie sechs Interviews für ausreichend oder erwarten Sie zehn?" statt „Wie soll ich vorgehen?".

Klär im Gespräch außerdem die organisatorischen Punkte, die dich später kosten: Erwartungen an Umfang und Zitierstil, ob es eine Zweitbetreuung braucht, wie oft du dich melden sollst und bis wann die Anmeldung im Prüfungsamt erfolgen muss. Schreib danach eine kurze Zusammenfassung und schick sie hin. Das kostet zehn Minuten und klärt Missverständnisse, bevor sie teuer werden — mehr dazu unter Mit dem Betreuer sprechen.

Woran Anfragen scheitern

Serienmail. Erkennbar an fehlender Anrede oder daran, dass keine Zeile zum Lehrstuhl passt. Sie wird meistens gar nicht beantwortet.

Ein Gebiet statt einer Frage. „Etwas mit Nachhaltigkeit" verlangt die Themenfindung von der Gegenseite.

Zu großes Thema. Wer in einer Bachelorarbeit eine ganze Branche untersuchen will, zeigt, dass er den Umfang nicht einschätzt.

Falscher Zeitpunkt. Anfragen zwei Wochen vor der Anmeldefrist treffen auf volle Listen.

Keine Literatur. Fünf Titel zeigen mehr als jede Beteuerung von Interesse. Wie du sie findest, steht unter Literaturrecherche.

Vor dem Absenden

  • Der Betreff nennt Arbeitstyp, Thema und geplanten Start.
  • Die Mail ist kürzer als der Anhang.
  • Der Anhang passt auf eine Seite und liegt als PDF vor.
  • Die Fragestellung steht als Frage da, nicht als Gebiet.
  • Ein Satz begründet, warum du genau diese Person anfragst.
  • Drei bis fünf Quellen sind genannt, mit Autor und Jahr.
  • Studiengang, Fachsemester und geplanter Zeitraum stehen drin.
  • Name und Titel der angeschriebenen Person sind korrekt geschrieben.

Was die Themenwahl mit sauberem Arbeiten zu tun hat

Ein zu breites Thema erzeugt Plagiatsrisiko, ohne dass jemand etwas Falsches will. Wer über ein ganzes Gebiet schreibt, referiert zwangsläufig Überblicksliteratur, arbeitet also von Anfang an mit fremden Ordnungen und fremden Formulierungen, die sich beim Umschreiben kaum abstreifen lassen. Eine enge Frage zwingt dich zu eigenen Aussagen über eigenes Material. Der Unterschied zeigt sich später in jedem Kapitel.

Zweiter Punkt, der oft unterschätzt wird: Wenn du an eine frühere Seminararbeit anknüpfst, sag das im Erstgespräch. Textübernahmen aus der eigenen alten Arbeit gelten in vielen Prüfungsordnungen als Selbstplagiat, auch wenn der Text von dir stammt. Abgesprochen ist es ein Ausgangspunkt, unabgesprochen ein Problem.

Was du als Nächstes tust

Setz die eine Seite auf, bevor du die erste Mail schreibst. Sie ist die Arbeit, alles andere ist Verpackung. Prüf danach im Prüfungsamt oder in der Prüfungsordnung, welche Fristen für Anmeldung und Bearbeitungszeit bei dir gelten, und trag sie in deinen Zeitplan ein. Wenn du unsicher bist, ob dein Vorschlag verständlich formuliert ist, gibt dir der Schreibcoach eine Rückmeldung zu Aufbau und Klarheit.

FAQ

Häufige Fragen

Sobald du eine grobe Fragestellung hast und weißt, in welchem Semester du schreiben willst. Ein bis zwei Semester vor dem geplanten Start ist üblich. Bei stark nachgefragten Lehrstühlen fragst du besser früher an, weil die Betreuungsplätze dort oft schon vor Beginn der offiziellen Anmeldefrist vergeben sind.
Mehrere, das ist normal und wird nicht als unhöflich gewertet. Sag es aber, sobald du eine Zusage hast, und sag den anderen ab. Was du vermeiden solltest: zwei Personen parallel eine Betreuung zusagen zu lassen und dich danach zu entscheiden.
Prüfe zuerst, ob die Absagen mit Kapazität begründet waren oder mit dem Thema. Kapazität heißt: weiter fragen, auch am Nachbarlehrstuhl. Thema heißt: den Vorschlag zuschneiden. Frag im Prüfungsamt oder in der Fachschaft nach, wer im kommenden Semester überhaupt Plätze hat.
Nein. Für die erste Mail reicht eine Seite mit Fragestellung, geplantem Vorgehen, drei bis fünf Quellen und Zeitraum. Ein ausgearbeitetes Exposé kommt meistens erst nach dem Erstgespräch, weil sich der Zuschnitt in diesem Gespräch ohnehin noch verschiebt. Frag im Zweifel, welche Form dein Fachbereich erwartet.
Du darfst, es wird nur selten angenommen. Betreut wird, was fachlich abgedeckt ist, und niemand übernimmt gern ein Thema, das er selbst nicht beurteilen kann. Sieh dir vorher die Publikationen und die Lehrveranstaltungen der letzten Semester an und formuliere dein Thema so, dass die Anknüpfung sichtbar wird.
Das ist ein gutes Zeichen, denn es bedeutet Interesse. Nimm den Vorschlag mit, sag nicht sofort zu und prüfe zu Hause, ob du zu diesem Thema Literatur findest und ob dich die Frage über Monate trägt. Eine Rückmeldung binnen einer Woche ist angemessen.

Themenvorschlag vor dem Absenden prüfen lassen

Feedback zu Stil, Struktur und Verständlichkeit deines Textes.

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