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60 Seiten

Wissenschaftliches Schreiben

Von der Gliederung bis zur Abgabe.

Die meisten Probleme, die eine Plagiatsprüfung sichtbar macht, entstehen viel früher — beim Lesen, Exzerpieren und Gliedern. Dieser Bereich behandelt den Schreibprozess von der Themenfindung bis zur Abgabe.

Gliederung erstellenEine Gliederung ist mehr als eine Kapitelliste.
Einleitung schreibenDie Einleitung entscheidet, mit welcher Erwartung jemand deine Arbeit liest.
Hauptteil aufbauenDer Hauptteil macht rund 80 Prozent deiner Arbeit aus und entscheidet über die Note.
Fazit schreibenDas Fazit ist der Ort, an dem du deine Forschungsfrage beantwortest.
Abstract schreibenEin Abstract fasst die ganze Arbeit auf einer knappen halben Seite zusammen.
Forschungsfrage formulierenEine Forschungsfrage ist offen gestellt, in Gegenstand und Zeitraum eingegrenzt und im Umfang deiner Arbeit tatsächlich beantwortbar.
Hypothesen aufstellenHypothesen aufstellen heißt, eine begründete Vermutung über einen Zusammenhang so zu formulieren, dass sie an Daten scheitern kann.
MethodikkapitelDein Methodikkapitel beantwortet drei Fragen: Was hast du gemacht, wie bist du dabei vorgegangen und warum so.
Theoretischer RahmenDer theoretische Rahmen liefert die Brille, durch die du deinen Gegenstand ansiehst.
Forschungsstand darstellenEinen Forschungsstand darstellen heißt, die vorhandene Literatur in Stränge zu sortieren und zu zeigen, wo diese Stränge aufhören.
Diskussion schreibenEine Diskussion beantwortet eine einzige Frage: Was bedeutet dein Ergebnis?
Limitationen schreibenLimitationen sagen, wie weit deine Ergebnisse tragen.
Ausblick schreibenEin Ausblick sammelt keine schönen Ideen.
Deckblatt gestaltenEin Deckblatt hat eine einzige Aufgabe: Es muss deine Arbeit eindeutig zuordenbar machen.
Inhaltsverzeichnis erstellenEin Inhaltsverzeichnis erstellst du nicht mit der Tastatur, sondern über Formatvorlagen.
Anhang strukturierenEinen Anhang strukturierst du nach einer einzigen Frage: Macht dieses Material deine Aussagen nachprüfbar, ohne für das Verständnis nötig zu sein?
LiteraturrechercheEine Literaturrecherche ist kein Suchen, bis genug zusammen ist.
Fachdatenbanken nutzenEine Fachdatenbank funktioniert anders als eine Websuche.
Quellen bewertenNicht jede Quelle, die du findest, gehört in deine Arbeit.
Primär- und SekundärquellenEine Primärquelle ist der Ursprung einer Aussage, eine Sekundärquelle spricht über diesen Ursprung.
Graue LiteraturBerichte, Arbeitspapiere und Behördenpublikationen sind oft die aktuellsten Quellen, die du überhaupt bekommst.
Systematische RechercheEine systematische Recherche unterscheidet sich von einer freien nicht durch mehr Treffer, sondern durch Regeln, die vor der ersten Suche feststehen.
SchneeballsystemDas Schneeballsystem macht aus einem guten Text eine ganze Literaturliste.
Google Scholar nutzenGoogle Scholar nutzen heißt: schnell viel finden und alles selbst bewerten.
Open-Access-QuellenOpen Access heißt frei zugänglich, nicht ungeprüft und auch nicht automatisch geprüft.
Quellen verwaltenOrdnung bei den Quellen kostet dich in Woche eins zwanzig Minuten und in Woche zwölf einen ganzen Tag.
ExzerpierenEin Exzerpt ist kein Textauszug, sondern eine Arbeitsfassung mit Herkunftsangabe.
Notizen ohne PlagiatsrisikoJede Notiz gehört in eine von drei Spuren: wörtliches Zitat, eigene Paraphrase, eigener Gedanke.
Wissenschaftlicher SchreibstilWissenschaftlicher Stil ist kein Geheimcode.
Ich-Form in der WissenschaftDie Antwort lautet: oft ja. Das Verbot der Ich-Form ist keine allgemeine Regel der Wissenschaft, sondern eine Konvention einzelner Fächer.
Passiv vermeidenDas Passiv ist kein Fehler. Es ist ein Werkzeug, das an der falschen Stelle Verantwortung unsichtbar macht.
Füllwörter streichenFüllwörter kosten Platz und schwächen jede Aussage, die sie begleiten.
Fachbegriffe einführenEinen Fachbegriff führst du ein, indem du ihn bei der ersten Nennung definierst, die Definition belegst und das Wort danach unverändert benutzt.
Roten Faden haltenDer rote Faden ist kein Gefühl, sondern eine Kette.
Absätze strukturierenEin Absatz trägt einen Gedanken, und dieser Gedanke steht im ersten Satz.
Überleitungen schreibenEine Überleitung sagt, wie zwei Gedanken zusammenhängen.
Argumentation aufbauenEine Argumentation aufbauen heißt, vier Teile in die richtige Reihenfolge zu bringen: Behauptung, Begründung, Beleg, Beispiel.
Kritisch schreibenKritisch schreiben heißt nicht, Quellen schlechtzumachen.
Zusammenfassen lernenZusammenfassen lernen heißt zuerst: die Kernaussage finden.
Paraphrasieren lernenEine Paraphrase entsteht nicht am geöffneten Text.
Schreibblockade lösenEine Schreibblockade ist selten ein Willensproblem.
Zeitplan AbschlussarbeitEin Zeitplan wird nicht vom Startdatum aus gebaut, sondern vom Abgabetermin rückwärts.
ProkrastinationAufschieben ist kein Zeitmanagementproblem und keine Faulheit.
Schreibroutine aufbauenWer nur schreibt, wenn es sich gut anfühlt, schreibt an wenigen Tagen im Monat.
Motivation haltenMotivation ist ein Gefühl, kein Werkzeug.
Betreuer findenEine Betreuung zu finden scheitert selten am Thema.
Mit dem Betreuer sprechenBetreuung funktioniert über konkrete Fragen, nicht über offene Bitten.
Feedback einarbeitenFeedback einarbeiten heißt nicht, jeden Kommentar umzusetzen.
Selbst korrekturlesenDein Kopf liest beim eigenen Text nicht die Buchstaben, sondern die Absicht.
Lektorat vs. KorrektoratEin Korrektorat korrigiert Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik.
Checkliste vor der AbgabeVor der Abgabe geht es nicht mehr um Inhalte, sondern um Reihenfolge.
Verteidigung vorbereitenIn der Verteidigung zeigst du, dass die Arbeit deine ist.
EigenständigkeitserklärungMit der Eigenständigkeitserklärung sicherst du zu, die Arbeit selbst verfasst und alle Hilfsmittel angegeben zu haben.
SperrvermerkEin Sperrvermerk untersagt die Veröffentlichung und Weitergabe deiner Arbeit an Dritte.
Danksagung schreibenEine Danksagung ist freiwillig. Wenn du eine schreibst, gehört sie an den Anfang, bleibt unter einer halben Seite und nennt fachliche Unters
Formatierung in WordWer Überschriften einzeln fett und größer macht, formatiert hundertmal dasselbe und bekommt trotzdem kein einheitliches Dokument.
Seitenzahlen in WordWord nummeriert ein Dokument von der ersten bis zur letzten Seite am Stück.
AbbildungsverzeichnisEin Abbildungsverzeichnis entsteht nicht durch Abtippen, sondern aus den Beschriftungen unter deinen Abbildungen.
AbkürzungsverzeichnisIns Abkürzungsverzeichnis gehören die Kürzel, die du selbst einführst, sowie fachspezifische Abkürzungen.
LaTeX vs. WordLaTeX lohnt sich bei vielen Formeln, langen Dokumenten und wenn du bereit bist, eine Sprache zu lernen.

Sauber arbeiten heißt: Quelle sofort mitschreiben

Wer beim Exzerpieren notiert, was aus welcher Quelle stammt und was eigener Gedanke ist, hat später kein Zuordnungsproblem. Der klassische Ablauf für ein unbeabsichtigtes Plagiat sieht anders aus: Textstellen werden in ein Sammeldokument kopiert, Wochen später weiterverarbeitet — und niemand weiß mehr, welcher Absatz übernommen und welcher selbst formuliert war.

Ein Literaturverwaltungsprogramm nimmt diese Arbeit ab, wenn es von Anfang an genutzt wird. Nachträglich eingepflegt bringt es wenig.

Der Schreibprozess ist heute auch ein Nachweis

Seit KI-Verdacht ein realistisches Szenario ist, hat die Dokumentation des eigenen Arbeitens eine zweite Funktion bekommen: Versionsverläufe, Zwischenstände und Notizen sind das Material, mit dem sich im Zweifel belegen lässt, dass ein Text gewachsen und nicht generiert ist.

Sicher in die Abgabe gehen

Prüfe deine Arbeit, bevor es jemand anderes tut. Ergebnis in der Regel in 15 Minuten.