Plagiat Scanner.de Redaktion | Zuletzt geprüft: 26.08.2026 | 6 Min. Lesezeit
Was Füllwörter sind und wie du sie findest
Ein Füllwort lässt sich streichen, ohne dass der Satz seine Bedeutung verliert. Das ist die ganze Definition und zugleich der Test. Entferne das verdächtige Wort, lies den Satz erneut, vergleiche die Aussage. Bleibt sie gleich, bleibt das Wort draußen.
Diese Streichprobe brauchst du für jeden Verdachtsfall einzeln. Eine Liste hilft beim Finden, sie ersetzt die Prüfung aber nicht.
Warum Füllwörter im wissenschaftlichen Text stören
Sie schwächen die Aussage, die sie begleiten. „Das Ergebnis ist eigentlich eindeutig" sagt weniger als „Das Ergebnis ist eindeutig", und beide Sätze behaupten dasselbe. Das eingeschobene Wort signalisiert Zweifel, den du nicht begründest. Deine Betreuung liest ihn trotzdem mit.
Der zweite Grund ist Aufmerksamkeit. Wer ein Kapitel korrigiert, hält eine begrenzte Menge davon bereit. Jedes inhaltsleere Wort verbraucht einen Teil dieser Menge, ohne etwas zurückzugeben. Bei 60 Seiten summiert sich das.
Der dritte Grund ist Präzision. Füllwörter treten dort auf, wo eine Aussage unscharf ist. „Relativ klein" ersetzt eine Zahl, „ziemlich häufig" ersetzt eine Häufigkeit. Wer das Füllwort streicht, sieht sofort die Lücke und kann sie mit einer konkreten Angabe schließen. Mehr dazu unter wissenschaftlicher Schreibstil.
Derselbe Absatz, einmal aufgeräumt
Vorher und nachher an einem Beispiel
Vorher (46 Wörter): „Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die Ergebnisse eigentlich durchaus darauf hindeuten, dass ein gewisser Zusammenhang zwischen beiden Variablen vorliegt, welcher allerdings in der Literatur bislang relativ selten wirklich systematisch untersucht worden ist."
Nachher (24 Wörter): „Die Ergebnisse deuten auf einen Zusammenhang zwischen beiden Variablen hin. Systematisch untersucht wurde dieser Zusammenhang bisher in zwei der ausgewerteten Studien."
Die zweite Fassung ist halb so lang und sagt mehr: Sie nennt die Zahl, die im Original hinter „relativ selten" verschwand. Zwölf gestrichene Wörter waren Ballast, zehn weitere ersetzt eine konkrete Angabe.
Die häufigsten Füllwörter
| Füllwort | Beispielsatz | Besser |
|---|---|---|
| eigentlich | Das Ergebnis ist eigentlich eindeutig. | Das Ergebnis ist eindeutig. |
| durchaus | Die Methode ist durchaus geeignet. | Die Methode eignet sich für kleine Stichproben. |
| relativ | Die Stichprobe ist relativ klein. | Die Stichprobe umfasst 24 Personen. |
| natürlich | Natürlich zeigt die Studie diesen Effekt. | Die Studie zeigt diesen Effekt. |
| im Grunde | Im Grunde geht es um Vertrauen. | Es geht um Vertrauen. |
| gewissermaßen | Der Begriff ist gewissermaßen zentral. | Der Begriff steht im Zentrum der Debatte. |
| letztendlich | Letztendlich bleibt die Frage offen. | Die Frage bleibt offen. |
| grundsätzlich | Grundsätzlich lässt sich sagen, dass … | (streichen und direkt mit der Aussage beginnen) |
Dazu kommen zwei Wortgruppen, die selten in Listen stehen. Erstens die Ankündigung: „Im Folgenden soll dargestellt werden, dass …" Zweitens die Hülle um ein Verb: „Es kann festgestellt werden, dass die Werte sinken" wird zu „Die Werte sinken". Solche Hüllen entstehen häufig zusammen mit Passivkonstruktionen, siehe Passiv vermeiden.
Wann ein Wort aus der Liste bleiben darf
Nicht jedes Wort aus einer Füllwortliste ist in jedem Satz überflüssig.
- Abstufungen tragen Bedeutung. „Vermutlich", „möglicherweise" und „tendenziell" sagen, wie sicher du bist. In der Diskussion sind sie Pflicht, nicht Ballast.
- Verbindungswörter strukturieren. „Jedoch", „allerdings" und „dagegen" markieren einen Gegensatz. Wer sie streicht, zerstört den Zusammenhang zwischen zwei Sätzen. Mehr dazu unter Überleitungen schreiben.
- Kleine Wörter mit großer Wirkung. „Nur", „erst", „auch", „kein" verändern die Aussage vollständig. Die Streichprobe entlarvt sie sofort.
- Wörtliche Zitate bleiben unverändert. Auch wenn im Original drei Füllwörter stehen.
- Die Vorgabe deiner Betreuung geht vor. Wenn ein Stilblatt bestimmte Formulierungen verlangt, folgst du dem Stilblatt.
Die häufigsten Fehler
Der erste Fehler ist die Suchen-und-Ersetzen-Runde. Wer „eigentlich" pauschal aus dem ganzen Dokument entfernt, trifft auch die Stellen, an denen das Wort einen Gegensatz markiert. Prüfe jeden Treffer einzeln.
Der zweite Fehler ist das Streichen ohne Ersatz. „Relativ klein" verschwindet, und übrig bleibt „klein". Damit ist der Satz kürzer, aber genauso vage. Setze die Zahl ein, die du ohnehin kennst.
Der dritte Fehler betrifft den Zeitpunkt. Beim ersten Schreiben helfen Füllwörter, den Gedanken überhaupt aufs Papier zu bringen. Streiche sie im Korrekturdurchgang, nicht währenddessen. Wie du diesen Durchgang planst, steht unter selbst korrekturlesen.
Streichprobe in sechs Schritten
- Hast du jeden Verdachtsfall einzeln geprüft statt pauschal ersetzt?
- Bleibt die Aussage nach dem Streichen wirklich gleich?
- Hast du vage Angaben durch Zahlen ersetzt statt sie nur zu kürzen?
- Stehen Abstufungen wie „vermutlich" nur dort, wo du unsicher bist?
- Ist jede Ankündigungsformel am Absatzanfang verschwunden?
- Beginnt kein Satz mehr mit einer Hülle um ein Verb?
Die Wörter, die keine Füllwörter sind
Streichlisten haben einen Nebeneffekt: Sie machen aus einer sinnvollen Regel eine mechanische Übung. Dann verschwinden Wörter, die gebraucht werden.
Modalwörter sind der wichtigste Fall. „Möglicherweise", „vermutlich", „offenbar" wirken in einer Streichliste wie Weichmacher. In einer wissenschaftlichen Arbeit sind sie das Gegenteil: Sie kennzeichnen den Sicherheitsgrad einer Aussage. Wer sie streicht, macht aus einer vorsichtigen Feststellung eine Behauptung, die die Daten nicht tragen.
Dasselbe gilt für Einschränkungen. „Nur bei der jüngeren Teilgruppe" ist kein Füllsel, sondern der halbe Befund.
| Wort | Streichen? |
|---|---|
| eigentlich, quasi, letztlich | Fast immer streichen |
| sehr, ganz, äußerst | Meist streichen, Adjektiv schärfen |
| natürlich, selbstverständlich | Streichen, es behauptet Zustimmung |
| vermutlich, offenbar, tendenziell | Behalten, kennzeichnet Sicherheitsgrad |
| nur, ausschließlich, überwiegend | Behalten, schränkt inhaltlich ein |
| in gewisser Weise | Streichen und präzisieren |
Die Faustregel dahinter: Streich, was den Satz weicher macht. Behalte, was ihn genauer macht. Beides sieht auf den ersten Blick gleich aus.
Zeichenzahl, Umfang und Plagiatsrisiko
Ein aufgeräumter Text wird kürzer. Bei einer 40-seitigen Arbeit fallen leicht ein bis zwei Seiten weg, und wer eine Mindestseitenzahl erfüllen muss, bekommt kurz Panik. Die Reaktion darauf entscheidet über die Note. Fehlender Umfang zeigt fehlenden Inhalt an, nicht fehlende Wörter. Wie viele Normseiten deine Arbeit tatsächlich hat, rechnet dir der Normseitenrechner aus.
Der Zusammenhang mit Plagiaten liegt woanders und wird oft übersehen. Wer eine fremde Formulierung „anders klingen lassen" will, streut gern Füllwörter ein oder tauscht einzelne Wörter. Satzbau und Gedankenführung bleiben dabei fremd. Hochschulen bewerten das als Patchwriting, und Prüfsoftware erkennt es. Ein sauberer eigener Satz entsteht nur aus eigenem Verständnis, siehe Paraphrasieren lernen. Wie dein Text nach dem Streichen wirkt, sagt dir der Schreibcoach.