Plagiat Scanner.de Redaktion | Zuletzt geprüft: 26.08.2026 | 7 Min. Lesezeit
Was eine systematische Recherche ausmacht
Sie ist dokumentiert und wiederholbar. Bei einer freien Recherche suchst du so lange, bis genug Material zusammen ist. Bei einer systematischen legst du vorher fest, in welchen Suchräumen du arbeitest, mit welchen Begriffen und nach welchen Kriterien ein Treffer aufgenommen wird, und du protokollierst jeden Schritt so genau, dass jemand anderes deine Suche nachbauen kann.
Das Ziel ist nicht Vollständigkeit. Das Ziel ist Nachvollziehbarkeit.
Verlangt wird dieses Vorgehen typischerweise bei Literaturarbeiten, bei Übersichtsarbeiten und überall dort, wo der Forschungsstand selbst das Ergebnis ist. Ob deine Arbeit dazugehört, steht im Merkblatt deines Lehrstuhls oder sagt dir deine Betreuung. Der Unterschied zur freien Literaturrecherche liegt nicht im Fleiß, sondern im Zeitpunkt der Entscheidungen.
Die Kriterien stehen vor der ersten Suche
Wer erst beim Lesen entscheidet, welche Treffer passen, entscheidet nach Bauchgefühl und kann es hinterher nicht begründen. Deshalb schreibst du deine Ein- und Ausschlusskriterien auf, bevor du das erste Suchfeld anfasst.
Sechs Dimensionen decken die meisten Fächer ab: Zeitraum, Sprache, Publikationsform, Untersuchungsgegenstand, methodischer Zuschnitt und Zugänglichkeit des Volltexts. Zu jeder Dimension formulierst du einen Satz, der sich mit ja oder nein beantworten lässt. Ein Kriterium, das du nicht in einem Satz aufschreiben kannst, ist noch keins. Es ist eine Absicht.
Besonders unterschätzt wird die letzte Dimension. Wenn du Beiträge ausschließt, weil du keinen Volltextzugang hast, ist das legitim und muss trotzdem im Text stehen, denn es verschiebt deine Auswahl systematisch in Richtung frei zugänglicher Literatur.
Dasselbe Kriterium, zweimal formuliert
Schwammig: Ausgeschlossen wurden Beiträge, die nicht zum Thema passten. Prüfbar: Ausgeschlossen wurden Beiträge, die vor 2015 erschienen sind, die weder auf Deutsch noch auf Englisch vorliegen oder deren Untersuchungsgegenstand nicht Beschäftigte in hybriden Arbeitsmodellen sind. Beim zweiten Satz kann jede Leserin nachvollziehen, warum ein bestimmter Aufsatz fehlt. Beim ersten bleibt nur Vertrauen. Genau diese Formulierung wandert später fast unverändert in dein Methodenkapitel.
Schritt für Schritt durch die Recherche
- Fragestellung eingrenzen. Solange die Forschungsfrage offen ist, lässt sich kein Kriterium formulieren.
- Konzepte und Begriffe festlegen. Zwei bis vier Bausteine, zu jedem die Synonyme und die englischen Entsprechungen.
- Kriterien schriftlich fixieren. Sechs Dimensionen, je ein prüfbarer Satz, datiert.
- Suchräume auswählen und begründen. Notiere zu jedem Suchraum in einem Satz, warum er für dein Thema einschlägig ist.
- Suchen und protokollieren. Jede Anfrage kommt ins Protokoll, auch die, die nichts gebracht hat.
- In zwei Stufen screenen. Erst Titel und Abstract, dann Volltext. Für jede Stufe zählst du mit.
- Ausschlussgründe zählen. Am Ende steht pro Kriterium eine Zahl. Daraus wird das Flussdiagramm.
Das Suchprotokoll: welche Spalten hineingehören
| Spalte | Was du einträgst | Warum sie nötig ist |
|---|---|---|
| Datum | Tag der Suche | Datenbankbestände wachsen, Trefferzahlen ändern sich |
| Suchraum | Katalog, Datenbank, Repositorium | zeigt, wo du überhaupt gesucht hast |
| Suchstring | exakter Wortlaut samt Operatoren | ohne ihn ist nichts reproduzierbar |
| Felder und Filter | Suchfeld, Zeitraum, Sprache, Dokumenttyp | erklärt abweichende Trefferzahlen |
| Treffer gesamt | Zahl vor dem Screening | Ausgangspunkt des Flussdiagramms |
| Ausschlüsse je Grund | Zahl pro Kriterium | macht deine Entscheidungen prüfbar |
| Eingeschlossen | verbleibende Titel | Ergebnis dieser Stufe |
Diese sieben Spalten passen in eine Tabelle und kosten dich pro Suche vielleicht zwei Minuten. Wenn im Kolloquium jemand fragt, warum ein bekannter Aufsatz nicht in deiner Auswahl steht, hast du in zehn Sekunden die Antwort: Er ist an Kriterium drei gescheitert, nachzulesen in Zeile vierzehn.
Was in der Praxis schiefgeht
Der häufigste Fehler ist der aus dem Gedächtnis rekonstruierte Suchstring. Vier Wochen nach der Suche schreibst du ins Methodenkapitel, was du ungefähr eingegeben hast, und die Zahl im Text stimmt mit keiner Trefferliste mehr überein.
Fast genauso oft fehlen die Filter. Wer notiert, in welcher Datenbank er gesucht hat, aber nicht, dass die Suche auf Titel und Abstract begrenzt war und Beiträge vor 2015 ausgeschlossen hat, liefert eine Anweisung, die bei der Wiederholung ein völlig anderes Ergebnis produziert.
Dazu kommt die stille Kriterienverschiebung. In Woche eins bist du streng, in Woche drei müde, und plötzlich rutschen Beiträge durch, die vorher ausgeschlossen worden wären. Ein festgeschriebenes Kriterium schützt dich davor, weil du dann gegen einen Satz prüfst und nicht gegen deine Tagesform.
Unterschätzt wird schließlich die Handsuche. Titel, die du über ein Literaturverzeichnis oder einen Hinweis aus dem Kolloquium gefunden hast, gehören genauso ins Protokoll wie Datenbanktreffer, sonst tauchen in deiner Auswahl plötzlich Quellen auf, die keine deiner dokumentierten Suchen hergegeben hat.
Checkliste vor dem Volltext-Screening
- Alle Kriterien stehen datiert und schriftlich fest.
- Jede Suchanfrage ist im Wortlaut protokolliert.
- Filter und Suchfelder sind pro Anfrage vermerkt.
- Die Trefferzahlen sind vor dem Screening notiert.
- Für jeden Ausschluss ist der Grund erfasst.
- In der Extraktionstabelle sind Zitat und eigene Zusammenfassung getrennte Spalten.
Wo in einer systematischen Recherche Plagiate entstehen
Nicht am Schreibtisch, sondern im Screening. Du sichtest in wenigen Tagen mehrere hundert Abstracts, und um das Tempo zu halten, kopieren viele den Abstract-Text direkt in die Spalte „Kernaussage" ihrer Extraktionstabelle, weil eine eigene Zusammenfassung dreimal so lange dauert.
Acht Wochen später wird aus dieser Spalte der Forschungsstand.
Der Text darin stammt wörtlich von den Verlagen. Er trägt keine Anführungszeichen, keine Seitenzahl und meistens auch keinen Autornamen mehr, weil in der Tabelle nur eine Kurz-ID stand. Beim Prüflauf leuchten dann Passagen auf, die du selbst für deine eigenen hältst, und der Weg zurück zur Quelle ist verschüttet. Wie nah eine solche Umformulierung am Original bleiben darf, zeigt der Fall Paraphrase zu nah am Original.
Die Lösung steckt im Protokoll selbst. Gib deiner Extraktionstabelle zwei getrennte Spalten, eine für wörtliche Zitate samt Seitenzahl und eine für deine eigene Zusammenfassung, dann kann der Fehler strukturell nicht mehr entstehen. Eine Spalte mehr, ein Risiko weniger.
Was du als Nächstes tust
Öffne eine leere Tabelle und trag die sieben Protokollspalten ein, bevor du die erste Suche startest. Schreib darunter deine sechs Kriterien, jeweils als prüfbaren Satz mit Datum. Danach suchst du.
Am Ende, wenn der Text steht, zeigt dir ein Plagiat Scan, ob aus der Extraktionsphase Wortlaut übrig geblieben ist, der eigentlich in Anführungszeichen gehören würde. Abgerechnet wird nach Normseiten zu 1.800 Zeichen, 0,29 € je Seite.