Fundstellen-Verifikationsworkflow
Aus Suchideen werden noch keine Quellen
Ein Sprachmodell kann Synonyme, Autorennamen oder Titel nennen, aber seine Ausgabe ist kein bibliografischer Katalog. Selbst eine real existierende DOI kann zum falschen Artikel gehören. Trennen Sie deshalb zwei Tabellen: eine Kandidatenliste mit ungeprüften Hinweisen und eine Literaturliste ausschließlich bestätigter Werke. So gelangen plausible Erfindungen nicht versehentlich in Fußnoten.
Beginnen Sie breit mit Titelphrasen und Autorenkombinationen. Nutzen Sie anschließend den Katalog Ihrer Bibliothek, eine fachlich passende Datenbank, Crossref-Metadaten und die Verlagsseite. Suchmaschinentreffer können zur Fundstelle führen, bestätigen aber nicht allein deren wissenschaftlichen Status. Wenn mehrere Versionen existieren, notieren Sie Preprint, akzeptiertes Manuskript oder Verlagsversion getrennt.
Metadaten und Aussage getrennt prüfen
Ein korrekter Titel beweist nicht, dass die Publikation die behauptete Aussage trägt. Prüfen Sie zuerst die Identität: Namen, Jahr, Zeitschrift oder Repositorium, Band, Ausgabe, Seiten, DOI. Öffnen Sie danach das Original und lesen Sie die relevante Stelle im Kontext. Achten Sie auf untersuchte Population, Methode, Zeitraum und Einschränkungen. Eine Aussage aus der Diskussion darf nicht als gemessenes Ergebnis umetikettiert werden.
Nach der Existenzprüfung folgt Quellenkritik
Eine bestätigte Quelle kann für Ihre Frage ungeeignet sein. Prüfen Sie Publikationstyp, Aktualität, Methode, Interessenkonflikte, Korrekturen oder Rückzüge und die Übertragbarkeit auf Ihren Gegenstand. Ein einzelner vielzitierter Artikel ersetzt keine ausgewogene Recherche. Dokumentieren Sie Suchbegriffe, Datenbanken, Filter und Auswahlgründe, damit auch nicht berücksichtigte Gegenbefunde sichtbar bleiben.
Für eine systematisch angelegte Suche genügt ein KI-Dialog nicht. Suchstrings müssen in den tatsächlich genutzten Datenbanken getestet und mit Datum, Trefferzahl sowie Ein- und Ausschlussprozess protokolliert werden. Der Leitfaden Systematische Literaturrecherche dokumentieren bietet dafür ein getrenntes Schema.
KI-Rolle sachlich offenlegen
Eine knappe Erklärung kann lauten: „Am 16. August 2026 nutzte ich [Werkzeug] zur Sammlung englischer Synonyme und möglicher Ausgangspublikationen. Alle Literaturangaben wurden unabhängig in [Datenbanken] gesucht, Metadaten am Originaldatensatz abgeglichen und relevante Aussagen im Volltext geprüft. Nicht bestätigte Vorschläge wurden nicht verwendet.“ Ergänzen Sie Umfang und betroffene Kapitel.
Der Hub KI-Transparenz verbindet Recherche mit Modell- und Promptnachweisen. Warum die Antwort selbst keine Fachquelle ist, erklärt KI-Output ersetzt keine Quelle. Als genau eine Grundlagenseite ordnet Wissenschaftliches Arbeiten die Recherche in den Gesamtprozess ein.
Qualitätskontrolle vor dem Zitieren
- Ist der zitierte Datensatz über DOI, Katalog oder stabile URL eindeutig?
- Stimmen alle Metadaten mit dem Original überein?
- Haben Sie die tatsächlich behauptete Passage gelesen?
- Wurde eine neuere Korrektur oder Retraktion geprüft?
- Ist klar, welche Version zitiert wird?
- Passt die Studie methodisch zur Aussage?
- Wurden relevante Gegenpositionen gesucht?
- Enthält das Literaturverzeichnis keine ungeklärten Kandidaten?
Speichern Sie neben dem Literaturdatensatz eine kurze Verifikationsnotiz mit Fundort und geprüfter Passage. Das erleichtert spätere Seitenzahlkontrolle und verhindert, dass eine bestätigte Existenz fälschlich als bestätigte Aussage erinnert wird.
Praxisnotiz: Dubletten und Versionen
Ein Vorschlag kann denselben Inhalt als Preprint, Konferenzbeitrag und späteren Zeitschriftenartikel mehrfach nennen. Prüfen Sie daher Autorengruppe, Titelähnlichkeit, Abstract und Publikationsgeschichte, nicht nur identische DOI. Entscheiden Sie, welche Version für den Claim maßgeblich ist; zählen Sie Fassungen nicht als unabhängige Evidenz.
Führen Sie eine kurze Ausschlussnotiz für falsche Treffer, etwa „ähnlicher Titel, andere Population“ oder „DOI gehört zu anderem Werk“. Das verhindert doppelte Prüfung und versehentlichen Import. Bei systematischen Suchen folgt die Berichtsform dem gewählten Verfahren; bei einer normalen Hausarbeit genügt meist eine proportionale, eindeutig zugeordnete interne Notiz.
Quellen
Setzen Sie für ungeklärte Kandidaten eine klare Frist: Können Original und Metadaten bis zum Abschluss der Recherche nicht bestätigt werden, bleiben sie außerhalb von Manuskript und Literaturverzeichnis. Eine bloße Ähnlichkeit zu einer bekannten Theorie ist kein Ersatz. Halten Sie zugleich fest, welche Suchwege erfolglos waren; das verhindert, dass dieselbe erfundene Angabe später in neuer Schreibweise wieder als vermeintlich unabhängiger Treffer erscheint. Bei wichtigen, aber schwer zugänglichen Werken helfen Bibliothek, Fernleihe oder eine zulässige alternative Fassung. Erst die gelesene Version bestimmt, was Sie tatsächlich behaupten können.