Alt-Text ist keine zweite Bildunterschrift. Die Caption benennt und belegt die Abbildung für alle Lesenden; der Alt-Text vermittelt ihre Funktion, wenn das Bild nicht gesehen werden kann. Wiederholt der Alt-Text nur „Abbildung 3“ oder den Dateinamen, bleibt die inhaltliche Aussage verloren.
Beginne mit der Aussage, nicht mit den Pixeln
Frage zuerst: Was würde jemand verpassen, wenn diese Abbildung nicht geladen würde? Bei einem Porträt in einer historischen Analyse können Haltung, Kleidung oder Aufnahmesituation relevant sein. Bei einem Logo-Vergleich zählen Formunterschiede. Bei einem Balkendiagramm sind Skala, Kategorien, Werte und der im Text diskutierte Trend entscheidend. Der Nutzungskontext bestimmt also, welche Merkmale in die Beschreibung gehören.
Wörter wie „Bild von“ oder „Grafik zeigt“ sind oft entbehrlich, weil Hilfstechnologien das Element bereits als Bild ankündigen. Beginne direkt mit dem Inhalt. Bleibe knapp, wenn ein Satz genügt. Sobald Beziehungen, mehrere Werte oder eine räumliche Struktur erklärt werden müssen, trennst du kurze Identifikation und ausführliche Beschreibung.
Komplexe Diagramme brauchen zwei Beschreibungsebenen
Das W3C empfiehlt für komplexe Bilder eine kurze Identifikation und eine ausführliche textliche Entsprechung. Der kurze Alt-Text kann Diagrammtyp, Thema und wichtigste Aussage nennen. Die Langbeschreibung hält Achsen, Einheiten, wesentliche Werte, Beziehungen und Ausnahmen fest. Bei vielen Zahlen ist eine echte Tabelle häufig genauer und besser navigierbar als ein langer Fließtext.
Schreibe nicht nur „Die Werte steigen“. Benenne Zeitraum, Größenordnung und auffällige Brüche, soweit sie für deine Interpretation wichtig sind. Zugleich darf die Beschreibung keine Schlussfolgerung erfinden, die das Diagramm nicht trägt. Wenn deine Analyse im Fließtext bereits alle relevanten Werte erläutert, kann der Alt-Text dorthin verweisen; der Verweis muss aber verständlich und auffindbar sein.
Drei Bilder, drei passende Lösungen
Ein Prozessdiagramm
Schwach wäre „Flussdiagramm mit Pfeilen“. Besser ist: „Vierstufiger Prüfprozess von der Quellenaufnahme über den Belegabgleich bis zur finalen Freigabe; bei fehlender Fundstelle führt der Ablauf zurück zur Recherche.“ Eine Langbeschreibung erläutert anschließend jeden Entscheidungspunkt in der dargestellten Reihenfolge.
Ein Balkendiagramm
Der kurze Text nennt die Aussage: „Balkendiagramm: In der Stichprobe nimmt die Zahl dokumentierter Quellenfehler von Entwurf eins bis drei ab; der stärkste Rückgang liegt zwischen dem ersten und zweiten Entwurf.“ Darunter stellt eine Tabelle die tatsächlichen Werte bereit. So können Lesende die Interpretation kontrollieren.
Ein historisches Foto
Wenn der Text die räumliche Anordnung untersucht, beschreibt der Alt-Text genau diese Anordnung. Hautfarbe, vermeintliche Stimmung oder Identität werden nicht geraten. Die Caption übernimmt Fotograf, Motiv, Datum, Sammlung und Fundstelle. Sensible historische Benennungen werden quellenkritisch eingeordnet.
Prüfe die Abbildung ohne sie anzusehen
Blende das Bild testweise aus oder lass dir das Dokument mit einer Vorlesefunktion ausgeben. Verstehst du noch, welche Aussage belegt wird? Kannst du die Daten und Quelle finden? Sind Reihenfolge und Überschriften der Langbeschreibung navigierbar? Bei einer Tabelle müssen echte Spalten- und Zeilenköpfe gesetzt sein; eine Tabelle als Screenshot bleibt unzugänglich.
Kontrolliere außerdem Kontrast, Farbcodierung und Lesereihenfolge. Informationen dürfen nicht ausschließlich über Rot und Grün vermittelt werden. Ergänze Muster, Symbole oder direkte Beschriftungen. Exportiere das Dokument anschließend in das tatsächliche Abgabeformat und prüfe dort erneut, weil PDF-Tagging oder Alternativtexte beim Export verloren gehen können.
Alt-Text ersetzt keine Quellenangabe
Barrierefreiheit und Zitation ergänzen sich. Der Alt-Text erklärt die Funktion; Caption und Verzeichnis dokumentieren Herkunft und Bearbeitung. Nutze den Leitfaden Quellen im Abbildungsverzeichnis für diese Spur. Der Hub Medienbelege bündelt Bildrechte und Sonderfälle. Für allgemeine Belegfragen führt der Weg zu Zitieren und Quellen.
Teste die Beschreibung getrennt vom Bild: Lies nur Überschrift, Alt-Text, Caption und Absatz. Bleibt die für dein Argument nötige Aussage verständlich, ohne dass der Alt-Text jedes Detail aufzählt? Bei komplexen Diagrammen gehört die ausführliche Datenerklärung in den Fließtext oder eine zugängliche Tabelle. Dokumentiere bewusst ausgelassene Merkmale, etwa rein dekorative Farben, damit spätere Bearbeitende die Entscheidung nicht versehentlich rückgängig machen.
