Artikel–Korrektur-Verknüpfung
Korrekturtypen nicht verwechseln
Verlage verwenden Begriffe wie Erratum, Corrigendum oder Correction nicht vollständig einheitlich. Entscheidend ist der Inhalt des Hinweises: Was wurde geändert und warum? Ein Tippfehler im Autorennamen hat andere Folgen als eine korrigierte Tabelle. Eine „Expression of Concern“ ist kein Erratum, sondern warnt vor ungeklärten Problemen. Eine Retraktion erklärt ein Werk für zurückgezogen und braucht einen anderen Umgang.
Lesen Sie die Korrekturseite und Hinweise am Artikel. Manche Verlage aktualisieren den Volltext und hinterlassen ein Änderungsdatum; andere bewahren das Original unverändert und veröffentlichen ein separates Dokument. Speichern Sie deshalb Version und Abrufdatum und verlassen Sie sich nicht allein auf den Dateinamen.
Auswirkung auf die eigene Aussage prüfen
Lokalisieren Sie die korrigierte Stelle. Betrifft sie Ihren zitierten Wortlaut, eine Zahl, die Stichprobengröße, eine Abbildung, Autorenschaft oder nur Formatierung? Prüfen Sie danach alle Sätze, die direkt oder indirekt darauf aufbauen. Eine kleine numerische Änderung kann eine Rangfolge oder Schlussfolgerung verändern. Führen Sie abhängige Berechnungen erneut aus.
Wenn die Korrektur den Claim widerlegt, reicht es nicht, nur das Literaturverzeichnis anzupassen. Ändern oder entfernen Sie Aussage, Tabelle und Diskussion. Ist die Kernaussage stabil, kann eine Notiz im Prüfprotokoll genügen; bei zentraler Relevanz wird die Korrektur im Text transparent genannt.
Welche Objekte werden zitiert?
Der korrigierte Artikel bleibt meist die Hauptquelle für seinen wissenschaftlichen Inhalt. Das separate Erratum wird zusätzlich zitiert, wenn Sie die Korrektur diskutieren, eine alte Angabe berichtigen oder die Änderung für Ihre Interpretation wichtig ist. Folgen Sie dem verlangten Zitierstil für Korrekturtypen. Erfinden Sie keine gemeinsame DOI: Artikel und Korrektur können getrennte Identifikatoren besitzen.
Muster im Text: „Die zunächst berichtete Fallzahl wurde im Korrekturhinweis auf X angepasst (Autor, Jahr; Korrektur, Jahr). Die hier verwendete Berechnung basiert auf der korrigierten Version.“ In der internen Notiz stehen beide DOI, Datum der Prüfung, betroffene Passage und vorgenommene Änderung.
Workflow nach Entdeckung einer Korrektur
- Offizielle Landingpage und Volltext öffnen.
- Korrekturtyp, Datum und Identifikator sichern.
- Artikelversion vor und nach Änderung unterscheiden.
- Betroffene Stellen und Claims kartieren.
- Eigene Zitate, Zahlen und Berechnungen neu prüfen.
- Hauptquelle und Korrektur nach Stil formatieren.
- Literaturmanager und alle Manuskriptvorkommen aktualisieren.
- Versions- und Entscheidungsnotiz archivieren.
Der Hub Quellenkritik bündelt Publikationsstatus. Bei schwerwiegenderem Status hilft zurückgezogener Artikel. Die Grundlagenseite Richtig zitieren erläutert die formale Einbindung.
Beispiel: korrigierte Tabelle
Ein Artikel meldet in Tabelle 3 einen Mittelwert von 4,8. Ein Corrigendum ändert ihn auf 3,8 und ersetzt eine Grafik. Die Studentin hatte 4,8 in einer Vergleichstabelle und im Fazit verwendet. Sie sichert beide Fassungen, prüft die DOI-Verknüpfung, ersetzt Wert und Grafikbezug und berechnet die eigene Differenz neu. Weil die Rangfolge im Fazit kippt, ändert sie auch die Interpretation und zitiert den Korrekturhinweis zusätzlich.
Wäre nur die Schreibweise eines Autorennamens korrigiert, würde sie den Literaturdatensatz aktualisieren, der fachliche Claim bliebe aber unverändert. Das Prüfblatt verhindert, dass jede Korrektur überdramatisiert oder eine folgenreiche Änderung verharmlost wird.
Abschlussaudit
- Ist die aktuelle offizielle Artikelfassung identifiziert?
- Sind Artikel und Korrektur korrekt verknüpft?
- Wurde jede betroffene Passage im Manuskript gefunden?
- Sind abhängige Berechnungen erneut ausgeführt?
- Stimmen Zitat, Seitenstelle und Literaturdatensatz?
- Ist eine Retraktion oder Expression of Concern ausgeschlossen?
- Bleibt die alte Fassung als Auditbeleg erhalten?
Führen Sie vor Abgabe einen Statuscheck für zentrale Quellen durch. Ein früherer Check reicht nicht, wenn zwischen Recherche und Abgabe Monate liegen. Dokumentieren Sie den Stichtag, ohne daraus eine Garantie für spätere Änderungen abzuleiten.
Das Korrekturprotokoll in der Praxis
Legen Sie für einen betroffenen Beleg zwei verbundene Einträge an: einen für den ursprünglichen Artikel und einen für den Korrekturhinweis. Erfassen Sie jeweils DOI, Titel, Datum und Status. Ergänzen Sie in einem kurzen Notizfeld, welche Stelle betroffen ist – beispielsweise Tabelle 2, eine Autorenzuordnung oder ein Zahlenwert – und ob die eigene Aussage davon abhängt. Dieses Protokoll verhindert, dass ein sichtbarer Korrekturhinweis zwar gefunden, seine Bedeutung aber nicht bewertet wird.
Ändert die Korrektur nur einen Schreibfehler ohne Einfluss auf die verwendete Aussage, kann der Artikel weiterhin die zentrale Referenz bleiben; der geprüfte Korrekturstatus gehört dennoch in die Arbeitsunterlagen. Verändert sie Ergebnis, Methode oder Interpretation, lesen Sie den relevanten Abschnitt erneut und passen Sie Paraphrase, Zahl und Schlussfolgerung an. Ein altes wörtliches Zitat darf nicht stehen bleiben, nur weil sein Seitenverweis formal noch funktioniert.
Bei einer Retraktion ist die Lage grundlegend anders als bei einem Erratum. Eine zurückgezogene Arbeit sollte nicht als unbelasteter Beleg für eine aktuelle Tatsachenbehauptung dienen. Kann sie für die Forschungsgeschichte nicht entfallen, kennzeichnen Sie den Rückzugsstatus deutlich und verknüpfen Sie den Retraktionshinweis. Prüfen Sie abschließend alle Stellen, an denen der Artikel vorkommt: Literaturverzeichnis, Fußnoten, Tabellen, Abbildungen und Argumentationspassagen. So wird aus der einzelnen Metadatenkorrektur eine konsistente Überarbeitung der gesamten Arbeit.