Plagiat Scanner.de Redaktion | Zuletzt geprüft: 26.08.2026 | 6 Min. Lesezeit
Die drei Fragen vor dem Upload
Bevor eine Datei den Rechner verlässt, klärst du drei Dinge: Darf ich dieses Dokument weitergeben, was steckt außer dem Text darin, und wessen Daten fahren mit? Die erste Frage beantwortet ein Vertrag, die zweite dein Textprogramm, die dritte dein eigener Anhang.
Für eine normale Hausarbeit ist das in fünf Minuten erledigt. Bei einer Arbeit aus einem Unternehmen oder mit empirischem Teil dauert es länger, und dort ist die Vorbereitung auch der eigentliche Punkt.
Der Reflex, einfach die fertige Datei zu nehmen, ist verständlich, führt aber regelmäßig dazu, dass Deckblatt und Anhang mitgehen, dazu ein halbes Dutzend Klarnamen, obwohl für die Prüfung nur der Fließtext zählt.
Wo steht, ob du darfst
Vier Papiere kommen in Betracht, und meistens hast du sie schon.
- Sperrvermerk oder Geheimhaltungsvereinbarung. Sie regelt, wer die Arbeit sehen darf. Der Wortlaut entscheidet, nicht das Bauchgefühl.
- Kooperations- oder Praktikumsvertrag. Dort stehen oft Regeln zur Weitergabe von Betriebsdaten.
- Einwilligung deiner Interviewpartner. Sie sagt, wofür die Aufnahmen und Transkripte verwendet werden dürfen.
- Vorgaben deiner Hochschule für empirische Arbeiten. Manche Fachbereiche schreiben Anonymisierung ausdrücklich vor.
Wenn eine dieser Grundlagen fehlt oder unklar ist, holst du sie ein, statt sie zu vermuten. Eine kurze Mail mit der Frage, ob du die Arbeit zur eigenen Kontrolle durch eine Prüfsoftware geben darfst, kostet dich zwei Sätze und schafft eine dokumentierte Antwort. Mehr zum Sperrvermerk steht auf einer eigenen Seite.
Deine Datei enthält mehr als deinen Text
Ein Word-Dokument transportiert eine kleine Biografie mit: Autorenname aus der Office-Installation, gelegentlich der Firmenname der Lizenz, Bearbeitungszeiten, Kommentare, nachverfolgte Änderungen und manchmal Textreste, die längst gelöscht schienen. Beim Export in ein PDF wandern viele dieser Angaben mit.
Für die Prüfung selbst spielt das keine Rolle, denn ausgewertet wird der Fließtext. Für dich schon. Wer eine Datei weitergibt, gibt ihre Metadaten mit, und das gilt für die Abgabe im Prüfungsamt genauso wie für einen Scan. Was in solchen Feldern steckt und wie du sie liest, zeigt Word-Metadaten prüfen.
Ein Beispiel aus dem Alltag: Auf einem geteilten Rechner im Praktikumsbetrieb steht in der Autorenzeile der Name der Firma, weil die Office-Lizenz dort registriert ist. Das fällt niemandem auf, bis jemand die Dateieigenschaften öffnet.
Was du mit welchem Teil des Dokuments machst
| Teil des Dokuments | Was darin steckt | Was du vorher tust |
|---|---|---|
| Deckblatt | Name, Matrikelnummer, Betreuung | Für den Scan entfernen, für die Abgabe wieder einsetzen |
| Dateimetadaten | Autor, Zeiten, Kommentare | Über die Dokumentprüfung bereinigen |
| Interviewtranskripte | Klarnamen, Orte, Arbeitgeber | Pseudonymisieren, Zuordnungsliste getrennt halten |
| Fallbeschreibungen | Angaben über Klienten oder Patienten | Ersetzen oder streichen, bevor du irgendetwas hochlädst |
| Betriebsdaten | Zahlen, Prozesse, Kundennamen | Freigabe klären oder aggregieren |
| Anhang mit Fremdtexten | Gesetze, Fragebögen, Abdrucke | Ausschließen, spart Treffer und Kosten |
| Literaturverzeichnis | Titelangaben | Optional ausschließen, erzeugt sonst viele Treffer |
Der Fall mit der größten Fallhöhe: Arbeit im Unternehmen
Rechne das Szenario einmal durch. Deine Masterarbeit entsteht in der Logistikabteilung eines Mittelständlers, du hast Zugriff auf Auftragsdaten und drei Interviews mit Teamleitungen geführt, und im Anhang liegen Auszüge aus dem internen Handbuch.
Was du hochlädst, ist damit nicht nur deine Arbeit. Es sind Geschäftsinterna, Aussagen identifizierbarer Personen und ein fremdes Dokument, das dem Unternehmen gehört. Für alle drei brauchst du eine Grundlage, und die steht in deinem Vertrag.
Die pragmatische Lösung
Prüfe eine bereinigte Fassung. Entferne Deckblatt, Anhang und alle Passagen mit Betriebsinterna, benenne die Datei neutral und lass nur den Fließtext prüfen. Dort steckt ohnehin das Plagiatsrisiko, denn Theorieteil und Forschungsstand sind die Kapitel, in denen Übernahmen entstehen. Der Anhang bringt dir Treffer, die du nicht brauchst, und kostet bei 0,29 € je Normseite unnötig mit.
Wie du dabei technisch vorgehst, steht unter Anhang vom Scan ausschließen.
Transkripte und die Zuordnungsliste
Pseudonymisieren heißt nicht, den Vornamen wegzulassen. Es heißt, jede Angabe zu ersetzen, über die sich eine Person wiederfinden lässt: Name, Firma, Standort, Funktion, seltene Details aus der Erzählung. Ein Satz wie „als einzige Frau in der Teamleitung seit 2019" identifiziert zuverlässiger als ein Nachname.
Die Zuordnungsliste bleibt getrennt vom Dokument, am besten auf einem verschlüsselten Datenträger und nicht in derselben Cloud. Sobald du die Auswertung abgeschlossen hast, brauchst du sie meistens nicht mehr.
Prüf deine Transkripte danach mit einer schlichten Suche. Gib die Namen ein, die du ersetzt hast, und such zusätzlich nach Ortsnamen, nach Firmenbezeichnungen, nach Jahreszahlen, denn genau diese Reste bleiben beim Ersetzen am häufigsten stehen.
Was offen oder umstritten ist
Wie weit Anonymisierung reichen muss, ist keine feste Größe. In kleinen Feldern mit wenigen Fachleuten reicht die Beschreibung der Position, um jemanden zu erkennen, während in einer Massenbefragung schon das Weglassen des Namens genügt. Fachbereiche handhaben das unterschiedlich, und eine bundesweit einheitliche Vorgabe gibt es nicht.
Umstritten ist auch, ob Studierende eine Arbeit mit Sperrvermerk überhaupt extern prüfen lassen dürfen. Manche Unternehmen sehen darin eine Weitergabe an Dritte, andere ordnen es dem Prüfungsverfahren zu. Frag nach und lass dir die Antwort schriftlich geben.
Ein dritter Punkt betrifft Gruppenarbeiten. Hat mehr als eine Person an dem Text geschrieben, gehört die Entscheidung über einen Upload allen Beteiligten und nicht nur derjenigen, die gerade die aktuellste Fassung auf dem Rechner hat.
Wenn doch etwas passiert ist
Wurden Daten weitergegeben, für die es keine Grundlage gab, ist die erste Adresse nicht das Prüfungsamt, sondern die Stelle, um deren Daten es geht: das Unternehmen, die Praxisstelle, die betroffene Person. Melde es früh, dokumentiere, was passiert ist, und verlange beim Anbieter die vorzeitige Löschung. Welche Rollen und Fristen dabei gelten, ordnet DSGVO und Plagiatsprüfung ein. Das ist keine Rechtsberatung.
Deine Checkliste für den Upload
- Vertrag oder Sperrvermerk gelesen, Weitergabe geklärt
- Metadaten der Datei bereinigt
- Deckblatt und Erklärung für den Scan entfernt
- Transkripte pseudonymisiert, Zuordnungsliste getrennt
- Anhang und Literaturverzeichnis ausgeschlossen
- Dateiname ohne Klarnamen vergeben
Die technischen Schritte dazu stehen unter Dokument vorbereiten.