Plagiat Scanner.de Redaktion | Zuletzt geprüft: 26.08.2026 | 6 Min. Lesezeit
Die amerikanische Zitierweise in einer Zeile
**Im Text: (Müller 2021, S. 45). Im Literaturverzeichnis: Müller, Tobias (2021): Lernkulturen im Wandel. München: Kramer Verlag.**
Das ist das Grundschema. Die Quelle steht als Kurzform direkt hinter der übernommenen Stelle, alle vollständigen Angaben stehen hinten im Verzeichnis. Fußnoten sind für Belege nicht nötig.
Warum der Begriff unscharf ist
„Amerikanische Zitierweise" beschreibt eine Position, keinen Regelsatz. Sie sagt: Beleg im Text statt in der Fußnote. Alles andere bleibt offen.
Drei Beobachtungen zeigen, wie ungenau die Bezeichnung ist. Erstens gibt es in den USA mehrere konkurrierende Standards, darunter APA, MLA und Chicago. Zweitens arbeitet Chicago Notes-Bibliography mit Fußnoten, ist also amerikanisch und trotzdem kein Klammersystem. Drittens verzichtet MLA im Kurzbeleg auf die Jahreszahl und passt damit nicht in das Muster „Autor Jahr".
Für dich heißt das: Der Begriff ist eine Richtungsangabe, keine Vorgabe. Steht er allein auf deinem Aufgabenblatt, fehlt die eigentliche Information. Zwei Studierende können beide korrekt „amerikanisch" zitieren und trotzdem völlig unterschiedliche Verzeichnisse abliefern, weil die eine nach APA und der andere nach einer Harvard-Variante gearbeitet hat.
Der Kurzbeleg im Text
Der Beleg gehört ans Ende der Übernahme, meist vor den Satzpunkt.
- Sinngemäß: Die Werte sanken über drei Semester hinweg (vgl. Müller 2021, S. 45).
- Wörtlich: „Der Rückgang setzte spät ein" (Müller 2021, S. 45).
- Mit Namen im Satz: Müller (2021, S. 45) führt den Rückgang auf die Prüfungsdichte zurück.
- Mehrere Quellen: (Müller 2021, S. 45; Weber 2022, S. 12).
Ob zwischen Name und Jahr ein Komma steht und ob die Seite mit „S." oder einem Doppelpunkt eingeleitet wird, unterscheidet die Varianten. Ob du „vgl." vor Paraphrasen setzt, ebenfalls. Beides musst du einmal entscheiden. Wie „vgl." sauber eingesetzt wird, steht unter vgl. richtig verwenden.
Der Vollbeleg im Literaturverzeichnis
Der Vollbeleg enthält in allen Varianten dieselben Bausteine. Nur ihre Reihenfolge und die Trennzeichen wechseln.
- Autor: Nachname, Vorname.
- Jahr: meist in Klammern direkt hinter dem Namen.
- Titel: bei Büchern kursiv, bei Aufsätzen ohne Auszeichnung.
- Erscheinungsangaben: Ort und Verlag, bei Aufsätzen Zeitschrift, Jahrgang, Heft und Seiten.
Sortiert wird alphabetisch nach Nachname. Ob der Verlagsort genannt wird, ist eine der Stellen, an denen sich die Varianten unterscheiden: APA hat ihn in der siebten Auflage gestrichen, viele Harvard-Varianten behalten ihn bei. Entscheide dich für eine Linie und halte sie über alle Einträge durch. Jeder Kurzbeleg im Text muss einen Eintrag im Verzeichnis haben, und jeder Eintrag muss mindestens einmal im Text vorkommen. Wie du die Liste aufbaust, steht unter Literaturverzeichnis erstellen.
Beispiele nach Quellenart
Die Beispiele zeigen eine im deutschsprachigen Raum verbreitete Variante. Weicht dein Leitfaden ab, gilt der Leitfaden.
| Quellenart | Kurzbeleg im Text | Vollbeleg im Literaturverzeichnis |
|---|---|---|
| Buch | (Müller 2021, S. 45) | Müller, Tobias (2021): Lernkulturen im Wandel. München: Kramer Verlag. |
| Beitrag im Sammelband | (Schmidt 2020, S. 112) | Schmidt, Anna (2020): Feedback in Seminaren, in: Weber, Kim (Hrsg.): Lehre gestalten. Berlin: Ostwald Verlag, S. 105–124. |
| Zeitschriftenartikel | (Weber 2022, S. 58) | Weber, Kim (2022): Prüfungsangst und Vorbereitung, in: Zeitschrift für Lernpsychologie, 14. Jg., H. 2, S. 51–68. |
| Website | (Yilmaz 2023) | Yilmaz, Deniz (2023): Lernstrategien im Vergleich, Portal Lernwege, Abruf am 14.03.2023. |
| Hochschulschrift | (Kowalski 2019, S. 87) | Kowalski, Marek (2019): Selbstreguliertes Lernen in Onlinekursen, Dissertation, Universität Nordstadt. |
Die Sonderfälle
Mehrere Autoren. Zwei Namen nennst du beide. Ab drei oder ab vier kürzt du mit „et al." oder „u.a." ab, je nach Variante. Leg die Grenze einmal fest und halte sie durch.
Kein Datum. Fehlt das Erscheinungsjahr, tritt „o.J." an seine Stelle, also (Müller o.J.). Bei Onlinequellen ergänzt du das Abrufdatum.
Sekundärzitat. Hast du das Original nicht gelesen, machst du das sichtbar: (Weber 1998, zitiert nach Müller 2021, S. 45). Ins Verzeichnis kommt nur die Quelle, die du in der Hand hattest.
Gleicher Autor mehrfach. Mehrere Titel derselben Person aus einem Jahr trennst du durch Buchstaben: (Müller 2021a), (Müller 2021b). Dieselben Buchstaben stehen dann im Verzeichnis.
Die drei häufigsten Fehler
Woran es bei diesem System hakt
- Den Begriff für eine vollständige Vorgabe halten. Wer nicht nachfragt, mischt unbewusst zwei Varianten und produziert ein Verzeichnis, das an keiner Stelle einheitlich ist.
- Fußnoten und Klammern gemischt. Ein Teil der Belege steht im Satz, ein anderer unten auf der Seite. Beide Formen sind für sich korrekt, zusammen wirken sie zusammengesetzt.
- Text und Verzeichnis passen nicht zusammen. Ein Kurzbeleg ohne Eintrag oder ein Eintrag, der nirgends belegt ist. Das fällt beim ersten Nachschlagen auf.
Wo dieses System verlangt wird
Klammerbelege im Fließtext dominieren in Wirtschaftswissenschaften, Sozialwissenschaften, Psychologie und in vielen naturwissenschaftlichen Fächern. Fachhochschulen setzen häufig darauf, weil das System ohne Fußnotenverwaltung auskommt.
Das Gegenstück ist die deutsche Zitierweise, die vor allem in Jura, Geschichte und Teilen der Geisteswissenschaften üblich ist. Wenn dein Merkblatt „amerikanisch" sagt, meint es in aller Regel: bitte keine Belegfußnoten.
Um daraus eine echte Vorgabe zu machen, brauchst du einen Namen. Frag nach APA oder Harvard, diese beiden decken den größten Teil der Praxis ab. Bekommst du keine Antwort, wählst du selbst und notierst deine Regeln in drei Zeilen: Reihenfolge der Angaben, Trennzeichen, Umgang mit „vgl.". Ein Überblick steht unter Zitierstile im Vergleich.
Wie ein Plagiatsscan Zitierfehler sichtbar macht
Klammerbelege sind kurz, und kurze Dinge verschwinden beim Umschreiben. Typisch ist der Absatz, den du dreimal überarbeitet hast und in dem die Klammer irgendwann mitgelöscht wurde.
Ein Scan gleicht deinen Text gegen über 70 Milliarden Quellen ab und markiert übereinstimmende Passagen samt Fundstelle. Steht an einer markierten Stelle keine Klammer, fehlt dort ein Beleg. Am häufigsten trifft es Paraphrasen, die zu nah am Original geblieben sind.
Ein Durchlauf kostet 0,29 € pro Normseite mit 1.800 Zeichen, das Ergebnis kommt in der Regel nach 15 Minuten. Wer zusätzlich auf KI-Anteile prüfen lässt, zahlt für den Kombi-Scan 0,39 € statt 0,58 € pro Normseite.