Plagiat Scanner.de Redaktion | Zuletzt geprüft: 26.08.2026 | 6 Min. Lesezeit
Kurzregel: wofür „vgl." steht
„Vgl." heißt „vergleiche" und markiert eine sinngemäße Übernahme. Du hast einen fremden Gedanken in eigenen Worten wiedergegeben, und der Beleg zeigt, wo dieser Gedanke herkommt.
Daraus folgt die Gegenregel: Vor einem wörtlichen Zitat steht kein „vgl.". Dort stimmt dein Text Zeichen für Zeichen mit der Quelle überein, es gibt nichts zu vergleichen.
Das ist die ganze Unterscheidung. Sinngemäß mit „vgl.", wörtlich ohne.
Was ein „vgl." über deinen Satz aussagt
Die Abkürzung ist eine Aussage über deine Arbeitsweise, nicht über die Quelle. Sie sagt: Ich habe gelesen, verstanden und neu formuliert.
Ein Beispiel aus einer Arbeit über Stadtplanung. In der Quelle steht: „Verdichtung senkt die Pro-Kopf-Emissionen nur dann, wenn der Nahverkehr mitwächst." In deiner Arbeit steht: „Eine höhere Bebauungsdichte wirkt sich nur bei parallelem Ausbau des Nahverkehrs positiv auf die Emissionsbilanz aus." Dazu gehört der Beleg „Vgl. Ostermann 2022, S. 76."
In Fußnotensystemen trägt die Abkürzung dabei die gesamte Last. Eine Fußnote ohne „vgl." bedeutet dort: Der Wortlaut stammt aus der Quelle. Es gibt kein zweites Signal, das diese Information transportiert.
Diese Form der Übernahme heißt sinngemäßes Zitat. Sie ist in wissenschaftlichen Arbeiten der Normalfall, weil sie zeigt, dass du den Inhalt durchdrungen hast. Wörtliche Zitate setzt du nur, wenn die Formulierung selbst wichtig ist.
Vor einem wörtlichen Zitat hat „vgl." nichts zu suchen
Ein wörtliches Zitat erkennst du an den Anführungszeichen. Der Beleg dahinter nennt Autor, Jahr und Seite, mehr nicht.
Setzt du trotzdem ein „vgl." davor, entsteht ein Widerspruch: Die Anführungszeichen behaupten Wortgleichheit, die Abkürzung behauptet eine eigene Formulierung. Prüferinnen lesen das als Unsicherheit im Umgang mit den Regeln für direkte Zitate.
Umgekehrt ist der Fall gravierender. Fehlt bei einer engen Paraphrase das „vgl." und steht stattdessen ein nackter Beleg, wirkt der Satz wie ein Zitat ohne Anführungszeichen. Genau dieses Muster beschreibt das Paraphrasenplagiat.
„Vgl." oder „siehe" — und was die Zitierweisen verlangen
„Siehe" verweist, „vgl." belegt. Wenn du schreibst „Siehe dazu ausführlich Okonkwo 2018", schickst du deine Leserin zu weiterführender Literatur, ohne daraus etwas übernommen zu haben. Auch Querverweise auf dein eigenes Kapitel 4.2 laufen über „siehe".
Zu Hause ist „vgl." in der deutschen Zitierweise mit Fußnoten. Dort trägt die Abkürzung die gesamte Information darüber, ob wörtlich oder sinngemäß übernommen wurde. In Autor-Jahr-Systemen ist die Lage uneinheitlich: Im deutschsprachigen Gebrauch wird „vgl." oft in die Klammer gesetzt, die englischsprachigen Regelwerke kennen es so nicht. Beides begegnet dir in gedruckten Arbeiten. Maßgeblich ist, was dein Institut vorgibt.
Vier Sätze, vier Belege
| Was in deiner Arbeit steht | Passender Beleg | Warum |
|---|---|---|
| Zitat in Anführungszeichen | Ostermann 2022, S. 76. | Wortgleich, deshalb ohne „vgl." |
| Gedanke in eigenen Worten | Vgl. Ostermann 2022, S. 76. | Sinngemäße Übernahme |
| Zusammenfassung eines Kapitels | Vgl. Ostermann 2022, S. 70–88. | Seitenspanne statt Einzelseite |
| Hinweis auf weitere Literatur | Siehe dazu Okonkwo 2018. | Nichts übernommen, nur Verweis |
| Abweichende Position | Anders Vering 2020, S. 14. | Signalisiert Widerspruch |
| Verweis auf eigenes Kapitel | Siehe Kapitel 4.2. | Interner Querverweis |
Sonderfälle, die regelmäßig auftauchen
„Vgl. auch" und „vgl. dazu" erweitern den Beleg um eine zweite Quelle, die dasselbe stützt. Das ist zulässig, sollte aber sparsam bleiben, sonst wird aus dem Beleg eine Leseliste.
Bei mehreren Quellen in einer Fußnote trennst du sie mit Semikolon: „Vgl. Ostermann 2022, S. 76; Vering 2020, S. 14." Das „vgl." steht dann einmal am Anfang.
Bei Tabellen und Abbildungen steht statt „vgl." meist eine Quellenzeile darunter. Hast du die Darstellung verändert, ist „Eigene Darstellung in Anlehnung an Ostermann 2022, S. 81" die übliche Form.
Der schwierigste Fall ist der Absatzbeleg. Ein „vgl." am Absatzende deckt nur dann den ganzen Absatz ab, wenn dieser durchgehend auf einer Quelle beruht. Mischst du eigene Wertungen hinein, setze den Beleg direkt hinter den übernommenen Gedanken.
Die häufigsten Fehler mit „vgl."
Vier Muster, die auffallen
- „Vgl." als Gewohnheit vor jedem Beleg, auch vor wörtlichen Zitaten. Der häufigste Fehler überhaupt.
- „Vgl." als Abschwächung. Manche setzen es, wenn sie sich unsicher sind, ob die Paraphrase nah genug am Original ist. Die Abkürzung heilt keine zu enge Paraphrase.
- „Vgl." ohne Seitenzahl bei einem Gedanken, der auf einer bestimmten Seite steht. Der Verweis auf ein ganzes Buch ist keine Fundstelle.
- „Vgl." vor einer Quelle, die den Gedanken gar nicht enthält. Das fällt spätestens beim Nachschlagen auf.
Ein Ablauf, der die Verwechslung ausschließt
Die meisten Fehler entstehen beim Überarbeiten, wenn aus einem Zitat eine Paraphrase wird oder umgekehrt. Dieser Ablauf fängt das ab:
- Markiere beim Schreiben jede Übernahme sofort, wörtliche Stellen immer mit Anführungszeichen.
- Wandelst du ein Zitat in eine Paraphrase um, ergänze im selben Arbeitsschritt das „vgl." und lösche die Anführungszeichen.
- Gehe vor der Abgabe alle Anführungszeichen einzeln durch. Vor keinem davon darf ein „vgl." stehen.
- Gehe danach alle „vgl."-Belege durch und prüfe, ob der Satz davor wirklich deine Formulierung ist.
- Schlage bei drei bis fünf Stichproben die Fundstelle auf und lies nach, ob dort tatsächlich steht, was du behauptest.
Zehn Minuten für diese vier Durchgänge sparen dir die unangenehme Rückfrage im Kolloquium, warum vor einem wörtlichen Zitat ein „vgl." steht.
Was ein Plagiatsscan an „vgl."-Stellen sichtbar macht
Ein Scan bewertet keine Abkürzungen. Er vergleicht deinen Text mit über 70 Milliarden Quellen und zeigt, wie viel Wortlaut übereinstimmt.
Für „vgl."-Stellen ist das aufschlussreich. Steht vor einer Passage ein „vgl.", markiert der Bericht sie aber über zwei Zeilen als wörtliche Übereinstimmung, dann ist deine Paraphrase keine. Entweder du setzt Anführungszeichen und streichst das „vgl.", oder du formulierst den Satz neu. Umgekehrt bleiben saubere Paraphrasen im Bericht meist unauffällig, weil Satzbau und Wortwahl abweichen. Ein Durchlauf kostet 0,29 € pro Normseite mit 1.800 Zeichen, das Ergebnis liegt in der Regel nach 15 Minuten vor.