Plagiat Scanner.de Redaktion | Zuletzt geprüft: 26.08.2026 | 6 Min. Lesezeit
Kurzregel: Wortlaut unverändert, Eingriffe sichtbar
Ein direktes Zitat gibt den Wortlaut einer Quelle exakt wieder. Rechtschreibung, Zeichensetzung und Hervorhebungen bleiben so, wie sie im Original stehen.
Drei Bestandteile gehören immer dazu: Anführungszeichen um den übernommenen Text, ein Beleg mit Seitenzahl und, falls du eingreifst, eckige Klammern an der Stelle des Eingriffs.
Alles, was du änderst, machst du sichtbar. Alles, was du nicht sichtbar machst, gilt als Original. Aus dieser einen Regel lassen sich fast alle Detailfragen ableiten.
Was „unverändert" konkret bedeutet
Unverändert heißt Zeichen für Zeichen. Eine alte Rechtschreibung bleibt stehen. Ein Komma an ungewohnter Stelle bleibt stehen. Ein Schreibfehler bleibt stehen, bekommt aber den Zusatz „sic" in eckigen Klammern.
Das gilt auch für Formen, die dir stilistisch missfallen. Wenn im Original „Studierendenzahl" steht, wird daraus nicht „Zahl der Studierenden". Sobald du eingreifst, ist es kein wörtliches Zitat mehr.
Hervorhebungen aus der Quelle übernimmst du ebenfalls. Setzt du selbst etwas kursiv, musst du das kennzeichnen, wie die Seite zur Hervorhebung im Zitat im Einzelnen erklärt.
Erlaubt sind zwei Arten von Eingriffen, beide in eckigen Klammern: das Weglassen von Wörtern und das Einfügen. Weggelassen wird mit drei Punkten, beschrieben unter Auslassung im Zitat. Eingefügt wird, wenn dein Satzbau es verlangt.
Ein Beispiel. Im Original steht: „Sie erhöhten die Betreuungsquote in beiden Jahrgängen." In deinem Satz brauchst du das Bezugswort. Dann zitierst du: „Sie [die Hochschulen] erhöhten die Betreuungsquote in beiden Jahrgängen" (Trostmann 2022, S. 61).
Anführungszeichen, Seitenzahl, Zeichensetzung
Im Deutschen sind die Zeichen unten und oben üblich, in englischsprachigen Arbeiten die beidseitig oberen. Beide Systeme sind korrekt, gemischt sind sie falsch.
Der Schlusspunkt gehört in der Regel hinter den Beleg, nicht vor die Anführungszeichen. Das Zitat endet, die Klammer folgt, dann der Punkt. Bei Fußnoten setzt du die Ziffer direkt hinter das schließende Anführungszeichen.
Die Seitenzahl ist beim wörtlichen Zitat praktisch überall Pflicht. Sie macht den Wortlaut überprüfbar. Fehlt in der Quelle jede Paginierung, greifst du auf Absatznummern oder Kapitel zurück; die Wege dafür stehen unter keine Seitenzahl vorhanden.
Wie die Zitierstile das direkte Zitat behandeln
Die Substanz ist überall gleich: Wortlaut unverändert, Anführungszeichen, Beleg mit Stellenangabe, Eingriffe in eckigen Klammern. Unterschiede liegen in der Form des Belegs.
Autor-Jahr-Systeme wie APA oder Harvard setzen Name, Jahr und Seite in eine Klammer hinter das Zitat. Die deutsche Zitierweise arbeitet mit einer Fußnote, in der beim wörtlichen Zitat kein „vgl." steht. Genau daran erkennt die Leserin dort den Unterschied zur Paraphrase.
Auch die Schwelle zum eingerückten Blockzitat und der Umgang mit Anführungszeichen im Zitat sind stilabhängig geregelt.
Fünf Eingriffe und ihre Schreibweise
| Situation | Original | Im Zitat |
|---|---|---|
| Fehler in der Quelle | „Die Betreungsquote stieg." | „Die Betreungsquote [sic] stieg." |
| Bezug einfügen | „Sie erhöhten die Quote." | „Sie [die Hochschulen] erhöhten die Quote." |
| Wörter weglassen | „Die Quote stieg, wenn auch langsam, in beiden Jahrgängen." | „Die Quote stieg [...] in beiden Jahrgängen." |
| Kasus anpassen | „das Modell der Betreuung" | „[des] Modell[s] der Betreuung" |
| Eigene Hervorhebung | „Die Quote stieg deutlich." | „Die Quote stieg deutlich" (Hervorhebung durch die Verfasserin) |
Sonderfälle
Enthält das Zitat selbst ein Zitat, wechseln die inneren Zeichen auf die einfache Form. Wie das aussieht, steht unter Zitat im Zitat.
Fremdsprachige Zitate stehen im Original. Ob eine Übersetzung nötig ist, hängt vom Fach ab: In den Philologien bleibt der Originaltext oft unübersetzt, in anderen Fächern folgt eine Übersetzung in der Fußnote. Sie ist deine Leistung und wird als solche gekennzeichnet.
Zahlen, Formeln und Tabellenwerte zitierst du nicht in Anführungszeichen, sondern belegst sie direkt. Für sie gelten eigene Regeln.
Sehr kurze Übernahmen sind ein eigener Grenzfall. Ein einzelner Fachbegriff braucht keine Anführungszeichen, wenn er in deinem Feld allgemein gebräuchlich ist. Prägt eine Autorin den Begriff dagegen selbst, gehört er in Anführungszeichen und bekommt einen Beleg. Die Frage lautet also nicht, wie lang die Übernahme ist, sondern ob sie jemandem gehört.
Bei mündlichen Quellen wie Vorträgen oder Interviews zitierst du nach deinem Mitschnitt oder Transkript. Der Beleg verweist dann auf das Datum und auf die Fundstelle in deinen eigenen Unterlagen, nicht auf eine Seitenzahl.
Und ein rechtlicher Rahmen läuft mit: Das Zitatrecht nach § 51 UrhG erlaubt die Übernahme, wenn sie einem Beleg- oder Erörterungszweck dient und im Umfang angemessen bleibt. Eine Einordnung dazu steht unter Zitatrecht § 51 UrhG. Das ist keine Rechtsberatung.
Die häufigsten Fehler
Was in Gutachten regelmäßig angestrichen wird
- Stilles Glätten. Ein Wort ausgetauscht, ein Komma gesetzt, keine Klammer gesetzt. Der Wortlaut stimmt nicht mehr.
- Fehlende Seitenzahl. Ohne sie lässt sich das Zitat nicht überprüfen.
- Anführungszeichen vergessen. Der Text sieht dann wie deine eigene Formulierung aus, mit Beleg darunter. Das reicht nicht.
- „vgl." vor einem wörtlichen Zitat. Der Zusatz behauptet eine Paraphrase, die nicht vorliegt.
- Zitat ohne Rahmen. Kein einleitender Satz, keine Einordnung danach.
- Zu viele Zitate. Eine Kette wörtlicher Übernahmen ersetzt keine Argumentation.
Ein Ablauf, der Wortlautfehler ausschließt
- Kopiere das Zitat aus der Quelle, statt es abzutippen. Tippfehler entstehen genau hier.
- Notiere die Seitenzahl im selben Arbeitsschritt, nicht später.
- Setze die Anführungszeichen sofort, bevor du weiterschreibst.
- Nimm deine Eingriffe erst danach vor und markiere jeden mit eckigen Klammern.
- Lies das Zitat zum Schluss gegen das Original, Wort für Wort.
Zwei Minuten pro Zitat. Wenn du beim Exzerpieren schon sauber trennst, was Zitat und was Notiz ist, sparst du diesen Schritt fast vollständig. Wie das aussieht, steht unter Exzerpieren.
Was ein Plagiatsscan bei wörtlichen Zitaten zeigt
Wörtliche Zitate erscheinen im Bericht zuverlässig als Treffer, auch korrekt gekennzeichnete. Das ist kein Mangel, sondern der Beweis, dass die Erkennung funktioniert.
Nützlich ist der Bericht aus zwei Gründen. Erstens zeigt er die Ränder: Läuft die Markierung über das schließende Anführungszeichen hinaus, hast du mehr übernommen, als das Zitat ausweist. Zweitens nennt er die Fundstelle, sodass du den Wortlaut ohne langes Suchen gegenlesen kannst. Ein Scan kostet 0,29 € pro Normseite mit 1.800 Zeichen; das Ergebnis liegt in der Regel nach 15 Minuten vor.