Paraphrase

Sinngemäß zitieren, ohne zu nah am Original zu bleiben

Beim sinngemäßen Zitat gibst du einen fremden Gedanken in eigenen Worten wieder. Der Beleg bleibt Pflicht, meist eingeleitet durch „vgl.". Entscheidend ist, wie weit du dich sprachlich vom Original löst.

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 |  Zuletzt geprüft: 26.08.2026  |  6 Min. Lesezeit

Kurzregel: eigene Worte, fremder Gedanke, klarer Beleg

Ein sinngemäßes Zitat gibt einen fremden Gedanken in deiner eigenen Sprache wieder. Anführungszeichen fallen weg, die Quellenangabe nicht.

In vielen deutschsprachigen Vorgaben leitet „vgl." den Beleg ein. Es signalisiert: Hier steht kein Wortlaut, sondern eine Wiedergabe. Ein Beispiel: (Vgl. Sallinger 2021, S. 88).

Der schwierige Teil ist nicht die Form, sondern der Abstand. Zwei, drei Wörter zu tauschen genügt nicht. Solange Satzbau und Reihenfolge der Gedanken der Vorlage folgen, hast du abgeschrieben, nur langsamer.

Wie eine Paraphrase entsteht

Die verlässlichste Methode arbeitet ohne Blick auf das Original. Du liest den Abschnitt, legst ihn zur Seite und schreibst auf, was du verstanden hast. Danach vergleichst du.

Dabei verändert sich fast automatisch mehr als die Wortwahl: die Satzlänge, die Reihenfolge der Argumente, der Einstieg. Genau das macht den Unterschied zwischen einer Paraphrase und einer Umschreibung.

Ein Beispiel. Im Original heißt es: „Die Motivation der Teilnehmenden sank in der zweiten Projektphase deutlich, was die Autorinnen auf fehlende Rückmeldungen zurückführen." Eine tragfähige Paraphrase könnte lauten: „Sallinger und Kollegin erklären den Motivationsverlust in Phase zwei damit, dass die Teilnehmenden kein Feedback erhielten (vgl. Sallinger & Barnstedt 2021, S. 88)."

Was hier passiert ist: Der Satz beginnt mit der Urheberschaft, das Verhältnis von Ursache und Wirkung ist umgestellt, die Wortwahl ist eine andere. Wie du dabei systematisch vorgehst, zeigt die Anleitung zum Paraphrasieren.

Die Grenze zum Patchwriting

Patchwriting ist der häufigste Grund für Beanstandungen, und meistens steckt keine Absicht dahinter. Der Ablauf ist immer derselbe: Der Originalsatz steht im Dokument, du tauschst „deutlich" gegen „erheblich" und „zurückführen" gegen „erklären". Fertig ist die vermeintliche Paraphrase.

Erkennbar ist das an drei Merkmalen. Die Satzstruktur stimmt überein. Die Reihenfolge der Gedanken stimmt überein. Fachbegriffe und seltene Wörter stehen an denselben Stellen.

Für die Bewertung zählt nicht, ob einzelne Wörter identisch sind, sondern ob die sprachliche Leistung von dir stammt. Deshalb wird Patchwriting wie eine unmarkierte Übernahme behandelt, selbst mit korrektem Beleg darunter. Wie du eine zu enge Fassung löst, steht unter Paraphrase verbessern.

Wie die Zitierstile das sinngemäße Zitat markieren

Alle Regelwerke verlangen einen Beleg. Beim Zusatz gehen sie auseinander.

In der deutschen Zitierweise mit Fußnoten ist „vgl." fest etabliert und markiert den Unterschied zum wörtlichen Zitat, das ohne diesen Zusatz steht. Autor-Jahr-Systeme aus dem englischen Sprachraum kennen die Unterscheidung in dieser Form oft nicht; dort zeigen allein die fehlenden Anführungszeichen an, dass sinngemäß wiedergegeben wird.

Ähnlich uneinheitlich ist die Seitenzahl. Manche Vorgaben verlangen sie nur beim direkten Zitat, viele auch bei der Paraphrase. Die Details zum Zusatz selbst stehen unter „vgl." richtig verwenden.

Vier Fassungen desselben Gedankens

Fassung Wortlaut Bewertung
Original „Die Motivation sank in der zweiten Projektphase deutlich, was die Autorinnen auf fehlende Rückmeldungen zurückführen." Ausgangstext
Wörtliches Zitat „Die Motivation sank in der zweiten Projektphase deutlich" (Sallinger 2021, S. 88). Korrekt, wenn der Wortlaut zählt
Patchwriting Die Motivation fiel in der zweiten Projektphase erheblich, was die Verfasserinnen auf fehlendes Feedback zurückführen (vgl. Sallinger 2021, S. 88). Zu nah, Satzbau übernommen
Tragfähige Paraphrase Sallinger erklärt den Einbruch in Phase zwei damit, dass die Teilnehmenden kein Feedback erhielten (vgl. Sallinger 2021, S. 88). Eigene Struktur, Beleg vorhanden
Ohne Beleg Die Motivation brach in der zweiten Phase ein, weil Rückmeldungen fehlten. Fremder Gedanke ohne Quelle

Sonderfälle

Zieht sich ein Gedanke über mehrere Sätze, muss klar sein, wo deine Wiedergabe beginnt. Nenne die Urheberin deshalb im ersten Satz beim Namen: „Sallinger unterscheidet drei Phasen." Der Beleg am Ende deckt dann sichtbar den ganzen Abschnitt ab.

Bei Definitionen wird es eng. Fachdefinitionen lassen sich oft kaum umformulieren, ohne ihren Gehalt zu verändern. In solchen Fällen ist das direkte Zitat die ehrlichere Wahl.

Zusammenfassungen ganzer Kapitel sind ebenfalls sinngemäße Zitate. Statt einer Seitenzahl steht dann eine Spanne oder die Kapitelangabe.

Und wenn du eine fremdsprachige Quelle auf Deutsch wiedergibst, ist das eine Paraphrase mit Übersetzungsschritt. Auch sie braucht einen Beleg, sonst entsteht ein Übersetzungsplagiat.

Die häufigsten Fehler

Woran Paraphrasen scheitern

  • Synonymtausch statt Umformulierung. Der Satzbau bleibt, nur die Vokabeln wechseln.
  • Beleg vergessen. Weil keine Anführungszeichen im Spiel sind, wirkt der Satz wie eigener Text.
  • Unklarer Geltungsbereich. Ein Beleg am Ende von sieben Sätzen sagt nicht, ab wo er gilt.
  • „vgl." vor einem wörtlichen Zitat. Der Zusatz behauptet dann eine Umformulierung, die nicht stattgefunden hat.
  • Zu freie Wiedergabe. Wer den Gedanken zuspitzt, legt der Quelle etwas in den Mund.
  • Paraphrase ohne eigenes Urteil. Aneinandergereihte Wiedergaben ohne Einordnung wirken wie ein Referat.

Ein Ablauf, der Abstand schafft

  1. Lies den Abschnitt zweimal und schließe dann die Datei oder das Buch.
  2. Notiere den Kerngedanken in einem einzigen Satz, aus dem Kopf.
  3. Baue daraus deine Fassung, beginnend mit der Urheberschaft.
  4. Öffne das Original wieder und vergleiche Satzbau und Reihenfolge. Stimmen sie überein, formuliere neu.
  5. Setze den Beleg mit Seitenzahl und prüfe, ob der Geltungsbereich sichtbar ist.

Wenn du schon beim Exzerpieren sauber trennst, ersparst du dir diesen Schritt später. Wie das geht, steht unter Notizen ohne Plagiatsrisiko.

Was ein Plagiatsscan bei Paraphrasen zeigt

Ein Scan vergleicht deinen Text mit über 70 Milliarden Quellen. Eine gelungene Paraphrase erzeugt dabei meist keinen oder nur einen kurzen Treffer, weil zu wenig Wortmaterial übereinstimmt.

Aufschlussreich sind die Zwischenfälle: Passagen, in denen einzelne Wortgruppen von sechs oder acht Wörtern markiert sind, obwohl du dich an eine Umformulierung erinnerst. Genau dort ist die Fassung zu nah geblieben. Der Bericht nennt die Fundstelle, sodass du im Original nachlesen und die Stelle neu schreiben kannst. Ein Durchlauf kostet 0,29 € pro Normseite mit 1.800 Zeichen und liegt meist nach 15 Minuten vor. Was du tust, wenn eine Stelle zu dicht am Original liegt, steht unter Paraphrase zu nah.

FAQ

Häufige Fragen

Die Wiedergabe eines fremden Gedankens in deinen eigenen Worten. Anführungszeichen entfallen, der Beleg bleibt. Damit unterscheidet es sich vom direkten Zitat, das den Wortlaut übernimmt. In den meisten Arbeiten sind sinngemäße Zitate der Normalfall und wörtliche die Ausnahme.
In vielen deutschsprachigen Vorgaben ja, in anderen Systemen nicht. Autor-Jahr-Stile aus dem englischen Sprachraum verzichten häufig darauf, weil dort die Anführungszeichen allein den Unterschied markieren. Sieh in deinem Merkblatt nach und halte die gewählte Form konsequent durch.
So weit, dass Satzbau und Wortwahl erkennbar deine sind. Synonyme allein reichen nicht. Ein guter Test ist das Umschreiben aus dem Gedächtnis, mit geschlossenem Buch. Was du dann formulierst, folgt fast immer deiner eigenen Sprache statt der Vorlage.
Viele Vorgaben verlangen sie auch beim sinngemäßen Zitat, weil deine Leserin die Stelle sonst nicht findet. Bei einem Gedanken, der sich über ein ganzes Kapitel zieht, ist eine Seitenspanne üblich. Wenn dein Merkblatt schweigt, ist die Angabe trotzdem die sichere Wahl.
Das Austauschen einzelner Wörter bei gleichbleibendem Satzbau. Der Text sieht neu aus, folgt aber Schritt für Schritt der Vorlage. Prüfende erkennen das an der übereinstimmenden Gedankenführung. Bewertet wird es wie eine unmarkierte Übernahme, auch wenn kein Satz wörtlich übereinstimmt.
So viele, wie der Beleg klar zuordnet. Steht die Quellenangabe erst nach fünf Sätzen, bleibt unklar, ab wo du dich auf sie beziehst. Mach den Beginn deshalb sprachlich sichtbar, etwa durch eine Nennung der Autorin im ersten Satz.

Passend dazu

Zitierstile, Quellenarten und Sonderfälle korrekt belegen.

Zitierenvgl. richtig verwenden PlagiatsartenParaphrasenplagiat

Paraphrasen auf Nähe zum Original prüfen

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