Plagiat Scanner.de Redaktion | Zuletzt geprüft: 26.08.2026 | 6 Min. Lesezeit
So sieht der Beleg aus, wenn du ihn brauchst
Kurzformel: Titel des Artikels (Jahr): In: Wikipedia, Bearbeitungsstand TT.MM.JJJJ, Versions-URL [Abruf: TT.MM.JJJJ].
Ein Beispiel: Sozialkapital (2026): In: Wikipedia, Bearbeitungsstand 04.01.2026, Permanentlink der Version, Abruf am 22.02.2026.
Wichtiger als die Formel ist die Vorfrage. In den meisten Fällen gehört ein Wikipedia-Artikel nicht in dein Literaturverzeichnis, sondern in deine Vorbereitung. Erst wenn deine Vorgaben ihn ausdrücklich zulassen oder der Artikel selbst dein Untersuchungsgegenstand ist, wird er zum Beleg.
Welche Angaben du brauchst und wo du sie findest
Alle nötigen Angaben stehen im Artikel selbst, nur nicht dort, wo du sie zuerst suchst.
- Artikeltitel: die Überschrift des Lemmas, exakt so geschrieben wie dort.
- Bearbeitungsstand: Datum und Uhrzeit der Version, die du gelesen hast. Es steht in der Versionsgeschichte.
- Versionslink: die feste Adresse dieser einen Fassung, zu finden in der Seitenleiste unter dem Punkt für den permanenten Link.
- Abrufdatum: der Tag, an dem du gelesen hast.
- Sprachversion: nötig, sobald es nicht die deutschsprachige Fassung ist.
Praktisch ist das eingebaute Zitierwerkzeug. Es erzeugt fertige Belege in mehreren Stilen und enthält den Versionslink bereits. Prüfe die Ausgabe trotzdem gegen die Vorgaben deines Fachs, denn die Voreinstellungen passen nicht überall.
Eine zweite Angabe lohnt den Blick, auch wenn sie nicht in den Beleg gehört: die Zahl der Bearbeitungen. Ein Artikel mit wenigen Änderungen und einem einzigen aktiven Konto ist etwas anderes als ein Lemma, an dem seit Jahren viele Personen arbeiten. Diese Information hilft dir bei der Einschätzung, ob du dem Text als Einstieg trauen kannst.
Kurzbeleg im Text, Vollbeleg im Verzeichnis
Der Kurzbeleg beginnt mit dem Artikeltitel, weil kein Autorname existiert: (Sozialkapital 2026). Bei der Deutschen Zitierweise steht stattdessen eine Fußnotenziffer, in der Fußnote der Titel mit Kurzangabe.
Der Vollbeleg gehört ins Literaturverzeichnis und wird alphabetisch unter dem Artikeltitel einsortiert. Manche Fachbereiche verlangen einen eigenen Abschnitt für Internetquellen, dann steht er dort. Wie du beides sauber trennst, zeigt Literaturverzeichnis erstellen.
Ein Detail unterscheidet den Wikipedia-Beleg von anderen Webquellen. Weil die Fassung wechselt, trägst du zwei Daten ein: den Bearbeitungsstand der Version und dein Abrufdatum. Beide sind selten identisch, und beide erfüllen einen eigenen Zweck. Der Stand identifiziert den Text, das Abrufdatum belegt deinen Lesevorgang.
Wikipedia zitieren in APA, Harvard und Deutscher Zitierweise
| Zitierstil | Kurzbeleg im Text | Vollbeleg im Verzeichnis |
|---|---|---|
| APA | („Sozialkapital", 2026) | Sozialkapital. (2026, 4. Januar). In Wikipedia. Permanentlink der Version vom 4. Januar 2026. |
| Harvard | (Wikipedia 2026) | Wikipedia (2026) Sozialkapital, Bearbeitungsstand 4. Januar 2026, Permanentlink der Version (Abruf: 22.02.2026). |
| Deutsche Zitierweise | Fußnote: Art. Sozialkapital, in: Wikipedia, Stand 04.01.2026. | Sozialkapital, in: Wikipedia. Die freie Enzyklopädie, Bearbeitungsstand 04.01.2026, Permanentlink der Version (Abruf: 22.02.2026). |
Seitenzahlen gibt es nicht. Bei wörtlichen Zitaten nennst du stattdessen den Abschnitt, etwa den Namen der Zwischenüberschrift. Die Stile unterscheiden sich vor allem darin, ob der Artikeltitel oder der Werktitel an erster Stelle steht. Inhaltlich verlangen alle drei dasselbe.
Die Sonderfälle
Fünf Situationen, die häufig auftauchen
- Wikipedia als Untersuchungsgegenstand: Analysierst du, wie ein Thema dort dargestellt wird, ist der Artikel deine Primärquelle. Dann ist der Beleg nicht nur erlaubt, sondern zwingend.
- Versionsgeschichte als Material: Untersuchst du Bearbeitungskonflikte, belegst du einzelne Versionen mit Zeitstempel und vergleichst sie.
- Diskussionsseite: Sie ist eine eigene Seite mit eigenem Versionslink und wird getrennt belegt.
- Andere Wikis: Fachwikis und Firmenwikis folgen demselben Muster, haben aber oft keine stabilen Versionslinks. Sichere dir dann eine PDF-Kopie.
- Weiterleitungen: Belege das Ziel-Lemma, nicht den Suchbegriff, über den du gekommen bist.
Die drei häufigsten Fehler
Beleg ohne Versionslink. Ein Link auf den Artikel führt zur aktuellen Fassung, nicht zu deiner. Wird der Abschnitt umgeschrieben, steht deine Aussage plötzlich ohne Grundlage da.
Fußnoten ungeprüft übernehmen. Wer die Belegliste kopiert, ohne die Titel zu lesen, gibt vor, Literatur gesehen zu haben, die er nie geöffnet hat. Was dabei entsteht, beschreibt die Seite zu Primär- und Sekundärquellen.
Definition wörtlich übernehmen. Der erste Satz eines Artikels ist griffig formuliert und wandert deshalb besonders oft unverändert in Arbeiten. Genau diese Sätze sind im Netz millionenfach indexiert und fallen sofort auf. Wer eine Definition braucht, holt sie aus einem Fachlexikon oder einem Standardwerk des eigenen Fachs. Dort steht sie mit Autorname, Auflage und Seitenzahl und ist damit belegbar.
Wann Wikipedia zitierfähig ist
Ehrliche Einordnung: Als Nachschlagewerk ist Wikipedia stark, als Beleg schwach. Der Grund liegt nicht in der Qualität einzelner Artikel, sondern in der Struktur. Es gibt keine verantwortliche Autorschaft, kein festes Begutachtungsverfahren und keinen stabilen Text.
Die Qualität schwankt zudem stark zwischen den Themen. Ein technischer Artikel mit aktiver Fachcommunity kann sehr gut sein, ein Randthema veraltet und lückenhaft. Von außen siehst du diesen Unterschied kaum. Diese Unsicherheit ist der eigentliche Grund für die Zurückhaltung in der Wissenschaft.
Nutze den Artikel deshalb als das, was er ist: eine Landkarte. Er liefert dir Fachbegriffe, Namen, Jahreszahlen und am Ende eine Belegliste. Von dort arbeitest du dich zu den Originalen vor, ein Verfahren, das dem Schneeballsystem entspricht. Ob eine Aussage überhaupt einen Beleg braucht, klärt die Seite zu Allgemeinwissen erkennen. Wie du die gefundenen Quellen prüfst, steht unter Quellen bewerten.
Was ein Plagiatsscan hier sichtbar macht
Wikipedia-Text ist der am besten auffindbare Text im deutschsprachigen Netz. Er ist vollständig indexiert und wird auf Hunderten Seiten gespiegelt. Eine übernommene Formulierung erscheint im Bericht deshalb fast immer, oft gleich mit mehreren Fundstellen.
Zwei Muster fallen dabei regelmäßig auf. Erstens die kopierte Definition aus dem Einleitungsabsatz, meist unbelegt in ein Grundlagenkapitel gerutscht. Zweitens die zu nahe Paraphrase: Satzbau und Reihenfolge bleiben stehen, nur einzelne Wörter sind ersetzt. Der Bericht markiert beides mit Link auf die Ursprungsseite.
Gerechnet wird nach Normseiten zu 1.800 Zeichen, 0,29 € pro Normseite. Für ein Grundlagenkapitel sind das wenige Euro, und du siehst genau, welche Sätze noch aus der Enzyklopädie stammen.