Plagiat Scanner.de Redaktion | Zuletzt geprüft: 26.08.2026 | 6 Min. Lesezeit
Was bei einem Referat überhaupt geprüft werden kann
Ein Referat besteht meist aus drei Teilen: dem gesprochenen Vortrag, dem Foliensatz und dem Handout. Schriftlich vorhanden sind zwei davon — und genau die lassen sich prüfen.
Das wird oft unterschätzt. Viele behandeln Folien und Handout als Nebenprodukt: schnell zusammengestellt, Text aus dem Wikipedia-Artikel kopiert, Grafik aus der Bildersuche gezogen. Für die Bewertung sind es aber abgegebene Dokumente wie jedes andere. Wenn ein Handout zur Hälfte aus einer fremden Quelle besteht, ist das ein Plagiat.
Beim Foliensatz kommt ein zweiter Aspekt dazu: Bildrechte. Das ist keine Plagiatsfrage im engeren Sinn, sondern eine urheberrechtliche — aber sie trifft dieselben Folien.
So bereitest du Folien und Handout für den Scan vor
- Folien exportieren. In PowerPoint über „Datei" → „Exportieren" → „PDF erstellen". In Google Slides über „Datei" → „Herunterladen" → „PDF-Dokument".
- Alternativ Text extrahieren. Wenn dein Foliensatz sehr bildlastig ist, kopiere den reinen Text in ein Word-Dokument. Das senkt gleichzeitig die Normseitenzahl.
- Handout dazunehmen. Beide Dateien lassen sich in einem Dokument zusammenführen, dann brauchst du nur einen Scan.
- Notizenfeld prüfen. Wenn dein Redemanuskript in den Foliennotizen steht, wird es beim PDF-Export je nach Einstellung nicht mitgenommen. Prüfe es separat, wenn du es abgeben musst.
Akzeptiert werden .pdf, .docx, .doc, .odt, .rtf, .txt und .pages, bis 50 MB.
Was auf einem Handout belegt werden muss
Ein Handout ist gedrängt — genau deshalb entstehen die Fehler. Wer auf zwei Seiten ein Thema zusammenfasst, greift zu vorformulierten Sätzen.
| Element auf dem Handout | Beleg nötig? |
|---|---|
| Definition eines Fachbegriffs | Ja, mit Kurzbeleg |
| Zahlen, Statistiken, Studienergebnisse | Ja, immer |
| Übernommene Grafik oder Tabelle | Ja, in der Bildunterschrift |
| Wörtliches Zitat | Ja, mit Anführungszeichen und Seitenzahl |
| Eigene Gliederung des Themas | Nein |
| Literaturliste am Ende | Ist selbst der Beleg |
Eine Literaturliste am Fuß des Handouts ist gute Praxis, ersetzt aber keine Einzelbelege. Wenn drei Titel unten stehen und im Text eine Zahl auftaucht, weiß niemand, aus welchem der drei sie stammt.
Bilder, Grafiken und Diagramme
Hier wird am häufigsten geschludert, und hier ist die Regel am klarsten: Jede Abbildung, die nicht von dir stammt, bekommt eine Quellenangabe direkt darunter.
- Fremde Grafik: „Abb. 2: Marktanteile 2025. Quelle: Statistisches Bundesamt 2025, S. 14."
- Selbst erstellte Grafik nach fremden Daten: „Eigene Darstellung nach Statistisches Bundesamt 2025."
- Vollständig eigene Grafik: „Eigene Darstellung."
- Foto aus einer Bilddatenbank: Urheber und Lizenz nennen, sofern die Lizenz das verlangt.
Wie die Angabe im Detail aussieht, steht unter Bild zitieren und Abbildung zitieren.
Zur Rechtslage: Für Unterricht und Lehre gibt es Schrankenregelungen im Urheberrecht, die eine begrenzte Nutzung erlauben. Sobald Folien aber online gestellt oder verteilt werden, greifen sie nicht mehr automatisch. Mehr dazu unter Zitatrecht § 51 UrhG.
Was der Scan kostet
| Material | Zeichen (ca.) | Normseiten | Preis |
|---|---|---|---|
| Handout, 2 Seiten | 4.000 | 3 | 0,87 € |
| Handout, 4 Seiten | 8.000 | 5 | 1,45 € |
| Foliensatz, 20 Folien | 6.000 | 4 | 1,16 € |
| Handout und Folien zusammen | 12.000 | 7 | 2,03 € |
Folien enthalten wenig Fließtext, deshalb ist die Normseitenzahl niedrig. Gerechnet wird in Normseiten zu 1.800 Zeichen inklusive Leerzeichen. Zur Umrechnung gibt es den Normseitenrechner.
Wenn aus dem Referat später eine Hausarbeit wird
Das ist ein häufiges Format: Im Seminar hältst du ein Referat, danach schreibst du zum selben Thema eine Hausarbeit.
Ob du dabei eigene Formulierungen wiederverwenden darfst, hängt daran, ob beide Leistungen getrennt bewertet werden. Wenn ja, kann die ungekennzeichnete Wiederverwendung als Doppelverwertung gelten — dieselbe Leistung wird zweimal angerechnet. Mehr dazu unter Plagiat vs. Doppelverwertung.
Der einfache Weg: einmal nachfragen und die Antwort notieren. In den meisten Seminaren ist die Weiterverwendung erwünscht, sie soll nur transparent sein.
Wenn mehrere Gruppen dasselbe Thema bearbeiten
In Seminaren mit Referatsplan kommt es regelmäßig vor, dass zwei Gruppen an verwandten Themen sitzen und dieselben zwei, drei Grundlagentexte zugeteilt bekommen.
Dass sich Handouts dann inhaltlich überschneiden, ist normal und kein Vorwurf. Kritisch wird es an einer anderen Stelle: wenn Material weitergegeben wird. Ein Handout aus dem Vorjahr, das im Semesterordner der Fachschaft liegt, ist eine fremde Arbeit. Wer daraus Formulierungen übernimmt, plagiiert — auch wenn das Dokument nie veröffentlicht wurde und die Person es freiwillig geteilt hat.
Der praktische Umgang damit ist unaufgeregt. Ältere Handouts anzusehen, um die Erwartungen des Seminars zu verstehen, ist unproblematisch. Sie als Textvorlage zu benutzen, ist es nicht. Wenn du eine besonders gute Struktur übernimmst, nenn die Quelle in der Fußzeile — das kostet eine Zeile und erledigt das Thema.
Der Vortrag selbst
Am Vortrag lässt sich kein Plagiat nachweisen, weil nichts Schriftliches vorliegt. Trotzdem entscheidet er häufig darüber, ob überhaupt jemand genauer hinsieht.
Der Grund ist banal. Wer sein Thema durchdrungen hat, kann auf Zwischenfragen antworten, Beispiele frei ergänzen und erklären, warum eine Zahl so und nicht anders zustande kommt. Wer ein fremdes Handout vorträgt, kommt an genau dieser Stelle ins Stocken.
Zwei Vorbereitungen helfen mehr als jedes Auswendiglernen:
- Zu jeder Zahl auf deinen Folien wissen, woher sie stammt und was sie misst.
- Zu jeder These sagen können, wer sie vertritt und wer ihr widerspricht.
- Eine Frage vorbereitet haben, die du selbst ans Publikum stellst.
- Wissen, welche Stelle deines Themas du bewusst weggelassen hast — und warum.
Der letzte Punkt wirkt kleinlich und ist der wirksamste. Er zeigt, dass du eine Auswahl getroffen hast statt eine Vorlage abgearbeitet.
Vor dem Vortrag
- Jede Zahl auf Folien und Handout hat eine Quelle.
- Jede fremde Abbildung hat eine Angabe unter dem Bild.
- Definitionen sind belegt oder selbst formuliert.
- Die Literaturliste enthält alle verwendeten Quellen.
- Der Text aus Folien und Handout ist geprüft.
- Die Weiterverwendung in einer späteren Arbeit ist abgeklärt.