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Medienbelege · Handlung · MED-02

Abbildung nach fremder Vorlage korrekt kennzeichnen

Direktantwort: Wenn Aufbau, Daten, Formen oder Aussage einer fremden Abbildung erkennbar übernommen werden, nennen Sie die Originalquelle direkt in der Bildunterschrift und kennzeichnen den Eingriff als „übernommen“, „adaptiert nach“ oder „eigene Darstellung auf Grundlage von“. Prüfen Sie Quellenbeleg und Nutzungsrecht getrennt: Eine korrekte Zitation schafft nicht automatisch die Erlaubnis zur Vervielfältigung oder Bearbeitung.

Original–adaptiert–eigene Darstellung-Matrix

Kennzeichnung nach Art der Übernahme
Variante Merkmal Transparente Angabe
Original übernommen Bildgestaltung und Inhalt bleiben im Wesentlichen unverändert „Abbildung übernommen aus …“ plus vollständiger Kurzbeleg
Adaptiert Elemente, Reihenfolge, Sprache oder Gestaltung wurden verändert „Adaptiert nach …“ plus Änderungen im Methoden- oder Abbildungsverzeichnis
Eigene Visualisierung fremder Daten Darstellung selbst gestaltet, Daten stammen von Dritten „Eigene Darstellung auf Grundlage der Daten von …“
Eigene Darstellung fremden Modells Konzept oder Beziehungen aus einer Quelle neu gezeichnet „Eigene Darstellung in Anlehnung an …“ und fachliche Abweichungen nennen
Vollständig eigenständig Idee, Daten und Gestaltung stammen aus eigener Arbeit „Eigene Darstellung“; zugrunde liegende Methoden oder Daten dennoch belegen

Nicht die Optik, sondern die übernommene Leistung zählt

Neue Farben und Schriftarten machen eine fremde Grafik nicht automatisch zur eigenen Darstellung. Entscheidend ist, welche geistige und sachliche Struktur übernommen wurde. Bleiben Kategorien, Pfeilbeziehungen, Auswahl der Variablen und Kernaussage gleich, liegt mindestens eine erkennbare Adaption vor. Umgekehrt kann eine selbst erstellte Grafik fremde Daten korrekt visualisieren, wenn Datenherkunft und eigene Transformation deutlich getrennt sind.

Vergleichen Sie Vorlage und Endfassung systematisch: Welche Elemente wurden entfernt, ergänzt, neu gruppiert oder anders gewichtet? Wurden Übersetzungen vorgenommen? Hat die neue Darstellung eine andere Aussage oder nur eine andere Oberfläche? Dokumentieren Sie diese Antworten in einer Änderungsnotiz. So können Lesende beurteilen, was aus der Vorlage stammt und was Ihre eigene analytische Entscheidung ist.

Musterlegenden mit ausreichender Information

Unveränderte Übernahme: „Abb. 3: Phasen des Modells. Übernommen aus Müller (2024, S. 18), © Verlag, Verwendung gemäß [Lizenz/Genehmigung].“ Bearbeitung: „Abb. 4: Vereinfachte Prozessphasen. Adaptiert nach Müller (2024, S. 18); Beschriftungen übersetzt, Phase 5 ausgelassen und Rückkopplung ergänzt.“ Neue Grafik aus Daten: „Abb. 5: Verteilung nach Altersgruppen. Eigene Darstellung auf Grundlage des Datensatzes X, Version 2.1, Tabelle A, DOI …“

Der genaue Stil richtet sich nach Fach und Einrichtung. Wichtig sind Auffindbarkeit, Art der Nutzung und sichtbare Abgrenzung. Die vollständige Quelle gehört zusätzlich ins Literatur- oder Datenverzeichnis. Eine Bildunterschrift mit nur „Quelle: Internet“ ist unzureichend, weil weder Urheber noch Werk, Version oder Fundstelle erkennbar werden.

Quellenangabe und Rechtserlaubnis sind zwei Prüfungen

Diese Seite bietet allgemeine Arbeitsinformation, keine Rechtsberatung. Ob Zitatrecht, Lizenz, Einwilligung oder Genehmigung greift, hängt vom Werk, Nutzungszweck, Umfang, Veröffentlichungsort und anwendbaren Recht ab.

Das deutsche Urheberrechtsgesetz enthält unter anderem Regeln zum Zitat und zur Quellenangabe. Ein wissenschaftlicher Beleg allein beantwortet jedoch nicht, ob eine Abbildung vollständig übernommen oder öffentlich zugänglich gemacht werden darf. Prüfen Sie Lizenzhinweise an der Originalquelle, Vertragsbedingungen und gegebenenfalls die Freigabe des Rechteinhabers. Bei Creative-Commons-Material müssen konkrete Lizenzversion und Bedingungen eingehalten werden; Bearbeitungsverbote oder Weitergabeanforderungen können relevant sein.

Das Zitat einer Abbildung braucht zudem einen inhaltlichen Zweck. Reine Dekoration ist etwas anderes als eine Abbildung, die analysiert, diskutiert oder für die Argumentation erforderlich ist. Dokumentieren Sie den Zweck in einem Satz. Bei einer Veröffentlichung außerhalb der internen Prüfung können andere Reichweiten und Rechtefragen entstehen; klären Sie diese erneut.

Prüfworkflow vor der Abgabe

  1. Originalwerk, konkrete Fundstelle, Urheber und Version sichern.
  2. Übernahmeart anhand der Matrix bestimmen.
  3. Änderungen und ausgelassene Bestandteile protokollieren.
  4. Lizenz, Genehmigung oder andere Rechtsgrundlage getrennt prüfen.
  5. Bildunterschrift mit Art der Nutzung und Kurzbeleg formulieren.
  6. Vollständigen Eintrag im Literatur-, Daten- oder Abbildungsverzeichnis ergänzen.
  7. Textbezug herstellen: Was zeigt oder belegt die Abbildung?
  8. Endfassung gegen Original, Rechtebeleg und Verzeichnisse abgleichen.

Bewahren Sie Screenshot oder Archivkopie der Lizenzinformation mit Zugriffsdatum auf, weil Webseiten sich ändern können. Eine Genehmigung sollte Werk, Nutzungsart und Reichweite eindeutig abdecken. Interne Notizen gehören nicht automatisch in die publizierte Arbeit, müssen aber die Entscheidung nachvollziehbar machen.

Typische Fehler und ihre Korrektur

  • Nur „eigene Darstellung“: ergänzen, wenn Daten oder Modell fremd sind.
  • „In Anlehnung an“ ohne Fundstelle: vollständigen Kurzbeleg und konkrete Vorlage nennen.
  • Farben geändert, Herkunft entfernt: als Adaption kennzeichnen.
  • Quelle vorhanden, Rechte ungeklärt: Lizenz oder Genehmigung separat prüfen.
  • Lizenz vorhanden, wissenschaftlicher Beleg fehlt: Urheber und Originalquelle trotzdem zitieren.
  • Vorlage nicht zugänglich: keine Seitenzahl oder Herkunft raten; Zugriff klären.

Weitere Medienarten und Belegschemata bündelt der Hub Medienbelege. Wie eine vollständig selbst entwickelte Grafik behandelt wird, erklärt Eigene Abbildung und Quellenangabe. Die Grundlagenseite Richtig zitieren ordnet Kurzbeleg und Verzeichnis ein.

Praxisfall: ein Modell wird vereinfacht

Eine Vorlage zeigt sieben Prozessphasen. Für die Thesis werden drei zusammengeführt, zwei entfernt und die übrigen Begriffe übersetzt. Neue Farben ändern die übernommene Architektur nicht: Richtig ist „adaptiert nach“, nicht „eigene Darstellung“. Caption und Text nennen Auslassungen und begründen die Vereinfachung.

Prüfen Sie, ob entfernte Pfeile Bedingungen oder Rückwirkungen verbergen. Vergleichen Sie jede Beziehung und notieren Sie Abweichungen. Ist die Endgrafik Ihre Interpretation, sagen Sie dies ausdrücklich, statt sie der Originalquelle zuzuschreiben. Ein datierter Vergleich aus Vorlage, Entwurf und Endfassung genügt als interner Nachweis. Kontrollieren Sie zusätzlich, ob Titel, Legende und Fließtext dieselbe Reichweite behaupten. Die schönere Darstellung darf das zugrunde liegende Modell weder erweitern noch eindeutiger erscheinen lassen, als es die Quelle hergibt.

Offizielle Grundlagen

Dokumentieren Sie die endgültige Entscheidung.

Quellenstand: 4. September 2026. Für konkrete Rechtefragen fachkundige Beratung oder die zuständige Stelle der Hochschule nutzen.