Plagiat Scanner.de Redaktion | Zuletzt geprüft: 26.08.2026 | 7 Min. Lesezeit
Wie viel KI in der Bachelorarbeit erlaubt ist
Eine bundesweite Antwort gibt es nicht. Verbindlich ist die Prüfungsordnung deines Studiengangs, ergänzt um die Merkblätter des Prüfungsamts und um das, was du mit deiner Betreuung vereinbarst. Anders als bei Seminarleistungen liegt die Vorgabe hier fast immer zentral fest.
Der Unterschied zur Hausarbeit ist die Fallhöhe. Deine Bachelorarbeit ist förmlich angemeldet, hat eine gesetzte Bearbeitungszeit, wird von zwei Personen begutachtet und trägt den Abschluss, auf den zwei oder drei Jahre zugelaufen sind. Ein Vorwurf trifft deshalb nicht ein Modul.
Daraus folgt kein Grund zur Nervosität, sondern ein anderer Rechercheaufwand. Plane zwei Stunden ein, bevor du anfängst: Ordnung lesen, Merkblatt lesen, offene Frage stellen, Antwort sichern. Diese zwei Stunden sind die günstigste Versicherung der ganzen Arbeit. Wer sie überspringt und im letzten Monat merkt, dass die Betreuung eine andere Erwartung hatte als er selbst, kann an einer fertigen Arbeit nur noch wenig ändern.
Welche Ordnung für deine Abschlussarbeit gilt
Vier Dokumente entscheiden, und sie stehen in dieser Rangfolge.
- Die Prüfungsordnung in der Fassung, die zu deinem Anmeldezeitpunkt gilt. Ordnungen werden geändert, und maßgeblich ist die Version, unter der du angemeldet bist.
- Das Merkblatt zur Abschlussarbeit deines Prüfungsamts. Dort stehen Formvorgaben, Abgabemodalitäten und oft ein eigener Absatz zu Hilfsmitteln.
- Die Vorlage der Eigenständigkeitserklärung. Viele Hochschulen haben sie inzwischen um einen Satz zu generativen Werkzeugen ergänzt.
- Die Vorgaben deines Lehrstuhls. Sie dürfen die zentrale Regel ausfüllen und verschärfen, sie aber nicht unterlaufen.
Widersprechen sich zwei Dokumente, entscheidet nicht dein Gefühl, sondern das Prüfungsamt. Wo diese Texte auf den Hochschulseiten liegen und mit welchen Suchbegriffen du sie findest, zeigt Prüfungsordnung finden.
Was du mit der Eigenständigkeitserklärung unterschreibst
Die Erklärung ist kein Formblatt zum Abhaken. Du versicherst, die Arbeit selbstständig verfasst und keine anderen als die angegebenen Hilfsmittel benutzt zu haben. Der zweite Halbsatz ist der scharfe. Er verlangt keine Enthaltsamkeit, sondern Offenlegung.
Angegeben heißt: in der Arbeit sichtbar. Sieht deine Hochschule ein Hilfsmittelverzeichnis vor, gehört die Nutzung dorthin, und zwar bevor jemand danach fragt. Fehlt sie, verschiebt sich der Fall von einer Frage über deine Leistung zu einer Frage über die Richtigkeit deiner Unterschrift, und das ist prüfungsrechtlich die unangenehmere Baustelle. Aufbau und übliche Bestandteile erklärt Eigenständigkeitserklärung, ein Textgerüst für den KI-Teil liefert KI-Erklärung formulieren.
Nutzung nach Arbeitsphase eingeordnet
Abschlussarbeiten laufen in Phasen ab, und die Bewertung eines Werkzeugeinsatzes hängt stark davon ab, in welcher Phase er stattfindet.
| Phase der Arbeit | Typischer Einsatz | Wie das üblicherweise gesehen wird |
|---|---|---|
| Themenfindung und Exposé | Fragestellungen durchspielen, Eingrenzung testen | Meist unkritisch, weil kein Text in die Abgabe wandert |
| Literaturrecherche | Suchbegriffe erweitern, Überblick verschaffen | Als Einstieg akzeptiert, belegt wird nur selbst Gelesenes |
| Theoriekapitel | Definitionen zusammenfassen lassen | Riskant, weil unbelegte Inhalte und erfundene Nachweise entstehen |
| Methodik und Auswertung | Rechenwege prüfen, Code kommentieren | Häufig zulässig, verantworten musst du die Ergebnisse |
| Sprachliche Überarbeitung | Sätze glätten, Stil vereinheitlichen | Grauzone, in vielen Ordnungen angabepflichtig |
| Diskussion und Fazit | Formulierungen für eigene Schlüsse suchen | Kritisch, weil genau hier die Eigenleistung bewertet wird |
Die Stufen zwischen Korrektur und Textproduktion trennt KI als Formulierungshilfe.
Was offen bleibt
Zwei Gutachten, zwei Maßstäbe. Deine Erstbetreuung kann eine Nutzung für unbedenklich halten, die das Zweitgutachten anders bewertet, und beide Einschätzungen sind vertretbar, solange die Ordnung keinen klaren Wortlaut hat. Genau deshalb ist die Frage nach dem Zweitgutachten kein Misstrauen, sondern Vorsorge.
Ungeklärt ist auch, wie viel Angabe genug ist. Manche Fachbereiche verlangen eine Zeile, andere ein tabellarisches Verzeichnis mit Kapitelbezug. Solange es keine gemeinsame Konvention gibt, ist die vorsichtigere Variante die bessere: lieber eine Angabe zu viel, die niemand beanstandet, als eine fehlende, die später erklärt werden muss.
Und der Nachweis bleibt schwach. Detektoren schätzen sprachliche Auffälligkeit, sie rekonstruieren keine Entstehung; wie unterschiedlich Hochschulen damit umgehen, ordnet KI-Regelungen an Universitäten ein. Das ist keine Rechtsberatung.
Das Betreuungsgespräch: vier Fragen, die du stellst
Frag im Erstgespräch, nicht kurz vor der Abgabe
- Welche Werkzeuge sind für diese Arbeit ausdrücklich erlaubt, welche nicht?
- Muss ich die Nutzung angeben, und an welcher Stelle der Arbeit?
- Sieht das Zweitgutachten das erfahrungsgemäß genauso?
- Darf ich dir das Ergebnis kurz per Mail zusammenfassen?
Die vierte Frage entscheidet über den Wert der ersten drei. Schick nach dem Termin fünf Zeilen: was besprochen wurde, was daraus für dich folgt, Bitte um Korrektur, falls du etwas falsch verstanden hast. Bleibt eine Antwort aus, gilt deine Zusammenfassung als unwidersprochen. Wie du solche Gespräche vorbereitest, steht unter Mit dem Betreuer sprechen.
Wenn der Verdacht die Abschlussarbeit trifft
Bei Abschlussarbeiten kommt der Anstoß oft aus dem Kolloquium. Wer sein Theoriekapitel nicht frei erklären kann, obwohl es glatt geschrieben ist, erzeugt eine Rückfrage, die nichts mit Software zu tun hat. Prüfende fragen dann nach Entscheidungen, die beim Schreiben getroffen wurden: warum diese Definition und nicht jene, warum dieses Sample, warum an dieser Stelle ein Absatz zu einer Gegenposition.
Danach greift ein förmlicher Weg: Vermerk, Anhörung, Entscheidung des Prüfungsausschusses. Für dich heißt das, dass Fristen laufen und dass du ein Recht darauf hast zu erfahren, worauf sich der Vorwurf stützt. Welche Folgen möglich sind und wovon ihre Schwere abhängt, ordnet Rechtsfolgen der Täuschung ein.
Was du als Nächstes tust
Lade dir heute die Prüfungsordnung als PDF herunter und markiere die Hilfsmittelklausel. Trag die vier Fragen in die Notizen für dein nächstes Betreuungsgespräch ein. Führe ab dem ersten Schreibtag eine kleine Nutzungsliste mit Datum und Kapitel.
Vor der Abgabe kannst du deinen Text selbst messen lassen. Ein KI Scan schlägt mit 0,29 € je Normseite zu Buche, bei 45 Normseiten also mit 13,05 €. Wer im selben Durchgang auf Plagiate prüfen lässt, zahlt im Kombitarif 0,39 € pro Normseite und damit weniger als für zwei getrennte Durchläufe. Der Bericht ist ein Arbeitsmittel für dich, keine Bescheinigung für dein Prüfungsamt. Er beantwortet die Frage nach der Regel nicht; die beantwortet nur der Text, der für deinen Studiengang gilt, und im Zweifel die Stelle, die ihn ausgelegt hat.