Plagiat Scanner.de Redaktion | Zuletzt geprüft: 27.08.2026 | 6 Min. Lesezeit
Wann sich ein Verzeichnis lohnt
Ein Abkürzungsverzeichnis ist kein Pflichtteil. Es hilft, sobald deine Arbeit mit Kürzeln arbeitet, die eine Leserin nicht ohne Weiteres kennt. Bei drei Abkürzungen genügt die Erklärung im Text; bei fünfzehn spart eine Liste im Vorspann jedem, der ab Kapitel 4 einsteigt, das Zurückblättern.
Der Nutzen hängt am Inhalt, nicht an der Länge der Arbeit. Eine juristische Hausarbeit mit zwei Dutzend Gesetzeskürzeln braucht deutlich eher ein Verzeichnis als eine achtzigseitige empirische Studie, in der außer zwei Skalennamen nichts abgekürzt wird. Zähl deine Kürzel, bevor du entscheidest.
Was hineingehört und was nicht
Die Auswahlregel ist einfacher, als viele denken. Aufgenommen wird, was du selbst einführst oder was nur im Fach verstanden wird. Draußen bleibt, was in jedem Wörterbuch steht.
Damit fallen „usw.", „bzw.", „ca.", „vgl." und „S." weg. Sie sind Teil der allgemeinen Schriftsprache, und ihre Aufnahme bläht die Liste auf, ohne jemandem zu helfen. Umgekehrt gehören Organisationskürzel, Fachbegriffskürzel, Gesetzes- und Normkürzel sowie alle selbst gebildeten Kurzformen hinein.
Ein Sonderfall sind Kürzel, die in deinem Fach geläufig, außerhalb aber unbekannt sind. Nimm sie auf. Deine Arbeit wird auch von einem Zweitgutachten gelesen, das aus einem benachbarten Gebiet stammen kann, und im Zweifel entscheidet nicht dein Institutsjargon darüber, was als bekannt gilt, sondern das Verständnis der Person, die bewertet.
Die Erstnennung im Text
Ein Verzeichnis ersetzt die Einführung nicht. Bei der ersten Verwendung schreibst du die Vollform aus und setzt das Kürzel in Klammern dahinter, danach verwendest du nur noch das Kürzel. Diese Reihenfolge gilt für jedes Kapitel gleich und wird nicht wiederholt.
Zwei Feinheiten kommen dazu. Erstens: Wenn du eine Abkürzung nur zweimal in der ganzen Arbeit brauchst, führ sie gar nicht erst ein und schreib beide Male aus. Zweitens: Kürze niemals etwas ab, das ohnehin kurz ist. Wie du Fachwörter sonst noch verständlich hältst, steht unter Fachbegriffe einführen.
Derselbe Absatz, zweimal gelesen
Warum die Einführung im Text zählt
Ohne Einführung: „Die Auswertung der KVP-Daten zeigt, dass die OEE im zweiten Quartal sank. Als Ursache kommt die veränderte MTBF der neuen Anlage in Betracht."
Wer diese drei Kürzel nicht kennt, versteht den Satz nicht. Ein Verzeichnis im Vorspann hilft hier wenig, weil niemand mitten im Argument zurückblättert.
Mit Einführung: „Die Auswertung der Daten aus dem kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP) zeigt, dass die Gesamtanlageneffektivität (OEE) im zweiten Quartal sank. Als Ursache kommt die veränderte mittlere Betriebsdauer zwischen zwei Ausfällen (MTBF) der neuen Anlage in Betracht."
Der zweite Absatz ist länger und trotzdem schneller zu lesen. Ab der nächsten Nennung stehen dort nur noch die Kürzel, und der Gewinn an Kürze fängt genau dann an zu wirken.
Aufnahmeentscheidung nach Typ
| Typ | Beispiel | Ins Verzeichnis? |
|---|---|---|
| Allgemeine Schriftsprache | usw., bzw., ca. | nein |
| Zitierhinweise | vgl., ebd., S. | nein |
| Maßeinheiten nach Norm | kg, km, °C | nein |
| Organisationen und Institutionen | WHO, OECD, DIN | ja |
| Gesetze und Normen | BGB, DSGVO | ja |
| Fachbegriffe deines Gebiets | OEE, MTBF | ja |
| Selbst gebildete Kurzformen | ZG für Zielgruppe | ja |
| Kürzel aus einem wörtlichen Zitat | wie im Original | nur bei Mehrfachnennung |
Bei Maßeinheiten gibt es abweichende Handhabungen. Verwendet dein Fach Einheiten, die außerhalb des Labors niemand kennt, nimm sie ruhig auf; genormte Größen wie Kilogramm oder Grad Celsius lässt du dagegen weg.
Sortierung und Form
Sortiert wird alphabetisch nach dem Kürzel, weil im Text das Kürzel steht und nicht die Vollform. Zwei Spalten reichen: links die Abkürzung, rechts die ausgeschriebene Bedeutung. Seitenzahlen gehören nicht hinein.
Die ausgeschriebene Form schreibst du so, wie sie auch im Text erscheint. Fremdsprachige Kürzel bekommen die Originalbezeichnung, bei Bedarf mit deutscher Übersetzung dahinter. Für die Darstellung nimmst du eine Tabelle ohne sichtbare Rahmen oder einen Tabulator, immer aber dieselbe Vorlage für alle Einträge, damit die zweite Spalte auf jeder Seite an derselben Position beginnt.
Kontrolle vor der Abgabe
- Wird jedes Kürzel bei seiner ersten Nennung ausgeschrieben eingeführt?
- Steht jedes eingeführte Kürzel auch im Verzeichnis?
- Taucht im Verzeichnis nichts auf, das im Text gar nicht vorkommt?
- Sind allgemein geläufige Abkürzungen konsequent draußen?
- Ist die Liste alphabetisch nach dem Kürzel sortiert?
- Stimmen die Vollformen mit den Formulierungen im Text überein?
- Verwendest du für denselben Begriff überall dasselbe Kürzel?
Ein Kürzel ohne Einführung ist ein Warnsignal
Hier liegt der Punkt, an dem diese Liste mit dem Thema Plagiat zusammenhängt. Kürzel, die im Text auftauchen, ohne je erklärt worden zu sein, stammen fast immer aus einer fremden Quelle. Sie sind mit einer kopierten oder eng angelehnten Passage mitgewandert, während die Einführung in der Quelle zurückblieb.
Für Prüfende ist das ein sichtbarer Bruch. Ein Text, der auf Seite 12 selbstverständlich von der „SLR" spricht, ohne dass dieses Kürzel vorher vorkam, wirft die Frage auf, wo dieser Absatz herkommt. Der Verdacht ist nicht immer berechtigt, die Rückfrage aber naheliegend. Gleiches gilt für Vollformen, die in zwei Kapiteln unterschiedlich lauten, weil sie aus zwei verschiedenen Quellen stammen.
Umgekehrt kann das Verzeichnis selbst im Prüfbericht auffallen. Standardkürzel und ihre Auflösungen stehen in unzähligen Arbeiten identisch da, deshalb erzeugen solche Listen leicht Treffer ohne inhaltliche Bedeutung. Wie du solche Stellen einordnest, erklärt der Beitrag echte vs. falsche Treffer; dasselbe Muster beschreibt Fachbegriffe als Plagiat.
Was jetzt ansteht
Such dein Dokument einmal gezielt nach Folgen von zwei und mehr Großbuchstaben ab und notiere jedes Kürzel, das dir dabei begegnet. Dann prüfst du für jedes einzelne zwei Dinge: Wird es an seiner ersten Fundstelle ausgeschrieben eingeführt, und steht es im Verzeichnis? Fehlt eins von beidem, ergänzt du es sofort, solange du die Stelle noch vor Augen hast.
Ob deine Fachsprache für Außenstehende noch lesbar ist, merkst du beim Selbstlesen kaum. Eine Einschätzung zu Verständlichkeit und Aufbau bekommst du im Schreibcoach.