Plagiat Scanner.de Redaktion | Zuletzt geprüft: 27.08.2026 | 6 Min. Lesezeit
Wann du ein Verzeichnis brauchst
Sobald deine Arbeit mehr als eine Handvoll Abbildungen enthält, gehört ein Verzeichnis dazu. Es steht im Vorspann, meist direkt hinter dem Inhaltsverzeichnis, und führt jede Abbildung mit ihrer Nummer, dem Titel und der Seitenzahl auf, auf der sie zu finden ist.
Tabellen bekommen eine eigene Liste. Vermischt werden beide nur selten, weil sie getrennt nummeriert sind und weil Leserinnen gezielt nach dem einen oder dem anderen suchen. Enthält deine Arbeit zusätzlich viele Kürzel, kommt noch das Abkürzungsverzeichnis dazu.
Der Zweck der Liste ist bescheiden, und das erklärt einige ihrer Regeln: Sie soll jemandem, der die Grafik auf Seite 41 sucht, den Weg dorthin zeigen. Mehr nicht. Deshalb steht darin auch keine Quellenangabe, keine Erklärung und keine Legende.
Die Beschriftung ist das Fundament
Ein automatisches Verzeichnis liest keine Bildunterschriften, die du als normalen Absatz getippt hast. Es sammelt ausschließlich Beschriftungen, also einen eigenen Objekttyp, in dem ein Zählfeld steckt. Genau dieses Feld erzeugt die fortlaufende Nummerierung, und genau dieses Feld findet das Verzeichnis später wieder.
Der Unterschied wird beim ersten Umbau spürbar. Du fügst in Kapitel 2 eine zusätzliche Grafik ein: Bei echten Beschriftungen rutschen sämtliche folgenden Nummern um eins weiter, und ein einziges Aktualisieren bringt Beschriftungen, Verzeichnis und Querverweise wieder auf denselben Stand. Bei getippten Nummern korrigierst du 17 Stellen von Hand. Drei übersiehst du.
Aufbau einer Beschriftung
- Bezeichner und Nummer, also „Abbildung 7" oder „Abb. 7", einheitlich im ganzen Dokument.
- Titel, der die Aussage benennt statt den Bildtyp: nicht „Diagramm", sondern „Altersverteilung der Befragten".
- Quellenangabe direkt im Anschluss oder in der Zeile darunter.
- Optional eine Legende, wenn Abkürzungen oder Einheiten in der Grafik erklärt werden müssen.
Die Nummerierung läuft in vielen Arbeiten fortlaufend durch das gesamte Dokument. Kapitelweise Zählung wie „Abbildung 3.2" ist ebenfalls verbreitet und in längeren Texten praktisch, weil sich Nummer und Fundort im Kopf verbinden. Entscheide dich früh. Ein Wechsel mitten im Schreiben zieht sich durch jeden Verweis und jede Beschriftung.
Drei Herkünfte, drei Beschriftungen
Dieselbe Grafik, verschiedene Quellenlagen
Unverändert übernommen: „Abbildung 4: Phasenmodell des Entscheidungsprozesses. Quelle: Weber 2021, S. 88."
Angepasst oder neu gezeichnet: „Abbildung 4: Phasenmodell des Entscheidungsprozesses. Eigene Darstellung in Anlehnung an Weber 2021, S. 88."
Aus eigenen Daten erstellt: „Abbildung 4: Altersverteilung der Befragten. Eigene Darstellung auf Basis der eigenen Erhebung, n = 142."
Alle drei Angaben stehen unter der Abbildung. Im Verzeichnis erscheint davon nur der Titel mit Nummer und Seitenzahl, weil das Verzeichnis eine Orientierungshilfe ist und keine Belegstelle.
Welche Angabe wann passt
| Herkunft der Abbildung | Angabe unter der Abbildung |
|---|---|
| Unverändert aus einer Quelle | Quelle: Nachname Jahr, Seite |
| Verändert oder neu gezeichnet | Eigene Darstellung in Anlehnung an … |
| Aus fremden Daten selbst erstellt | Eigene Darstellung auf Basis von … |
| Aus eigener Erhebung | Eigene Darstellung, Angabe zur Erhebung |
| Eigenes Foto | Eigene Aufnahme mit Ort und Datum |
| Screenshot einer Software | Screenshot mit Programmname, Version, Datum |
| Grafik unter freier Lizenz | Urheber, Lizenz, Fundort |
Die Formulierung im Detail hängt an deinem Zitierstil. Die Regeln dazu stehen unter Abbildung zitieren.
Verweise im Text statt Blickrichtungen
Jede Abbildung braucht einen Satz im Fließtext, der sie ankündigt, und einen, der ihre Aussage benennt. Eine Grafik ohne Erwähnung wirkt wie Dekoration, und Prüfende lesen sie dann auch so.
Verweise über die Nummer, nicht über die Position. „Wie Abbildung 7 zeigt" bleibt richtig, auch wenn die Grafik beim Umbrechen auf die nächste Seite rutscht. „Siehe die Abbildung unten" wird beim ersten Layoutwechsel falsch. Wenn dein Programm Querverweise beherrscht, nutze sie: Die Nummer im Text aktualisiert sich dann automatisch mit.
Achte auf den zweiten Satz. Ein Verweis allein sagt nur, dass es eine Grafik gibt. Erst die Deutung macht sie zum Argument, und genau danach fragt eine Prüfungskommission gern: Was genau soll ich hier sehen, und was folgt daraus für deine Fragestellung?
Kontrolle vor der Abgabe
- Trägt jede Abbildung eine echte Beschriftung statt eines getippten Absatzes?
- Läuft die Nummerierung nach dem letzten Aktualisieren lückenlos?
- Steht unter jeder Abbildung eine Herkunftsangabe?
- Ist jede Abbildung im Fließtext erwähnt und erklärt?
- Stimmen die Seitenzahlen im Verzeichnis mit dem Dokument überein?
- Sind Abbildungen und Tabellen getrennt nummeriert?
- Bleiben Beschriftung und Bild beim Seitenwechsel zusammen?
Warum die Quelle unter das Bild gehört
Hier liegt der häufigste Fehler dieser Seite, und er hat direkt mit Plagiaten zu tun. Wer die Quellenangabe ausschließlich ins Abbildungsverzeichnis schreibt, hat sie an einer Stelle untergebracht, die im Lesefluss niemand ansteuert. Eine Leserin sieht die Grafik auf Seite 41. Über ihre Herkunft erfährt sie dort nichts.
Übernommene Grafiken sind urheberrechtlich geschützt, und eine ungekennzeichnete Übernahme wird als Bildplagiat bewertet. Das gilt auch dann, wenn du die Farben austauschst, die Beschriftungen ins Deutsche überträgst oder das ganze Modell in deinem eigenen Programm neu zeichnest, weil die Struktur des Modells dabei fremdes geistiges Eigentum bleibt. Der Beleg bleibt Pflicht.
Ein zweiter Punkt betrifft die maschinelle Prüfung. Eine Grafik ist für eine Textprüfung kein Text; sie erscheint in keinem Bericht und erzeugt keinen Treffer. Genau deshalb bleibt eine fehlende Bildquelle bei einem Plagiat Scan unsichtbar, obwohl sie im Gutachten sehr wohl auffällt, sobald jemand die Vorlage kennt. Bei Abbildungen ersetzt deine eigene Sorgfalt die Software.
So gehst du jetzt vor
Geh dein Dokument einmal von vorn bis hinten durch. Wandle dabei jede getippte Bildunterschrift in eine echte Beschriftung um. Ergänze dabei fehlende Herkunftsangaben, solange du noch weißt, woher jede Grafik stammt. Danach fügst du das Verzeichnis ein und aktualisierst es.
Zum Schluss prüfst du die Textseite der Sache. Ob deine Abbildungen im Fließtext wirklich erklärt oder nur erwähnt werden, siehst du selbst schwer. Eine Rückmeldung dazu gibt dir der Schreibcoach.