Plagiat Scanner.de Redaktion | Zuletzt geprüft: 26.08.2026 | 6 Min. Lesezeit
Was in den Anhang gehört
Der Anhang nimmt Material auf, das deine Untersuchung nachprüfbar macht, im Fließtext aber den Gedankengang zerreißen würde. Typisch sind Erhebungsinstrumente, Transkripte, Codebücher und lange Tabellen. Die Prüfung ist einfach: Wenn jemand deine Argumentation ohne dieses Material nicht mehr versteht, gehört es in den Text. Wenn er sie versteht und nur nachrechnen will, gehört es in den Anhang.
Der Anhang ist kein Lager. Er ist ein Nachweis.
Aus dieser Funktion folgt der Rest fast von allein. Jede Anlage braucht eine Kennung, eine Überschrift und mindestens einen Verweis aus dem Text. Was diese drei Bedingungen nicht erfüllt, kannst du löschen, ohne dass deine Arbeit schwächer wird.
So baust du den Anhang auf
- Material sammeln und aussortieren. Leg alles nebeneinander, was du aufheben willst, und streiche jedes Dokument, auf das dein Text an keiner Stelle Bezug nimmt.
- Reihenfolge festlegen. Sortiere die Anlagen in der Reihenfolge, in der sie im Text zum ersten Mal auftauchen. Alles andere verwirrt beim Nachschlagen.
- Kennungen vergeben. Anhang A, Anhang B, Anhang C. Jede Anlage bekommt zusätzlich eine Überschrift, die ihren Inhalt benennt.
- Verweise setzen. Geh deinen Text durch und ergänze an jeder passenden Stelle den Hinweis auf die Anlage. Am besten am Ende des Satzes, den sie belegt.
- Anhangsverzeichnis anlegen. Auf der ersten Seite des Anhangs listest du alle Anlagen mit Kennung, Titel und Seitenzahl. Danach aktualisierst du dein Inhaltsverzeichnis.
- Anonymisieren. Namen, Firmenbezeichnungen und Kontaktdaten in Transkripten und Einverständniserklärungen ersetzt du durch Kürzel, bevor die Datei irgendwohin geht.
Schritt sechs wird gern auf zuletzt geschoben und dann vergessen. Kontrollier ihn am besten direkt nach dem Einfügen jeder Anlage.
Ein Verweis, der trägt
Zweimal auf dieselbe Anlage verwiesen
Schwach: „Die Interviews wurden anhand eines Leitfadens geführt (siehe Anhang)."
Der Verweis nennt weder die Anlage noch einen Grund. Wer nachschlagen will, blättert durch vierzig Seiten und sucht selbst.
Besser: „Die Interviews folgten einem Leitfaden mit vier Themenblöcken, der nach dem zweiten Gespräch um eine Nachfrage zur Zuständigkeit ergänzt wurde (Anhang B, Fassung 2)."
Diese Fassung sagt, was in der Anlage steht, welche Version gilt und warum sie überhaupt interessant ist. Verweise dieser Art sind der Grund, warum Anhänge tatsächlich gelesen werden.
Anhang oder Hauptteil?
| Material | Wohin | Begründung |
|---|---|---|
| Interviewleitfaden | Anhang | wird zum Nachvollziehen gebraucht, nicht zum Verstehen |
| Zitierte Interviewstelle | Hauptteil | trägt deine Aussage unmittelbar |
| Vollständiges Transkript | Anhang | belegt die Auswahl, sprengt den Lesefluss |
| Zentrale Ergebnistabelle | Hauptteil | ohne sie ist deine Auswertung nicht prüfbar |
| Vollständige Datenmatrix | Anhang | interessiert nur bei Nachrechnung |
| Codebuch der Auswertung | Anhang | gehört zur Methode, siehe Methodikkapitel |
| Abbildung, auf die du argumentierst | Hauptteil | Aussage und Bild gehören zusammen |
| Zusätzliche Screenshots | Anhang | Beleg, kein Argument |
Die mittlere Spalte lässt sich auf eine Frage zusammenziehen: Muss ich es sehen, um dir zu folgen, oder nur, um dir zu glauben? Das Erste bleibt im Text, das Zweite wandert nach hinten.
Was im Anhang nichts zu suchen hat
Ganze fremde Aufsätze gehören nicht in den Anhang. Sie sind urheberrechtlich geschützt, und eine vollständige Wiedergabe geht weit über das hinaus, was das Zitatrecht abdeckt. Ein Beleg mit vollständiger Quellenangabe genügt.
Ebenfalls draußen bleiben Ergebnisse, die deine Argumentation trägt. Wer die entscheidende Tabelle in den Anhang schiebt, zwingt die lesende Person zum Blättern und schwächt das eigene Kapitel. Der Hauptteil muss aus sich heraus verständlich sein.
Und ganz sicher nicht hinein gehören personenbezogene Daten in unveränderter Form. Klarnamen, Adressen oder Firmenbezeichnungen in Transkripten sind ein Datenschutzproblem, das dir völlig unabhängig von der Note Ärger machen kann.
Die häufigsten Fehler
- Der Anhang als Ablage. Vierzig Seiten Material, auf die der Text an keiner Stelle Bezug nimmt.
- Kennungen ohne System. Anhang 1, Anhang B, Anlage C nebeneinander im selben Dokument.
- Verweise ohne Ziel. Ein „siehe Anhang" ohne Buchstaben, wenn es sieben Anlagen gibt.
- Abbildungen ohne Quelle. Auch im Anhang braucht jede übernommene Abbildung eine Angabe.
- Reihenfolge nach Dateidatum. Die Anlagen stehen so da, wie sie zufällig eingefügt wurden.
Prüfliste für deinen Anhang
- Jede Anlage wird im Text mindestens einmal genannt.
- Die Kennungen folgen einem einheitlichen Schema.
- Jede Anlage trägt eine Überschrift, die ihren Inhalt benennt.
- Personenbezogene Angaben sind durch Kürzel ersetzt.
- Fremdes Material ist mit Quelle versehen und nicht vollständig abgedruckt.
- Das Anhangsverzeichnis stimmt mit den tatsächlichen Seitenzahlen überein.
Warum der Anhang deinen Prüfbericht verzerrt
Anhänge bestehen zu großen Teilen aus Text, den du nicht selbst formuliert hast. Ein Fragebogen, ein abgedruckter Auszug aus einer Erhebungsvorlage, eine Tabelle mit Kennzahlen aus einer Datenbank: Solche Passagen findet ein Abgleichsystem zuverlässig wieder, weil sie auch anderswo im Netz stehen. Im Bericht erscheinen sie dann als farbige Blöcke.
Das sind falsche Treffer. Sie sagen nichts über deinen eigenen Text aus, verschieben aber die Gesamtquote nach oben und kosten dich beim Durchsehen Zeit, die du kurz vor der Abgabe nicht hast.
Nimm den Anhang deshalb vom Scan aus. Wie das funktioniert, steht unter Anhang vom Scan ausschließen. Ein zweiter Grund kommt hinzu. Der Plagiat Scan rechnet nach Normseiten ab, zu 0,29 € das Stück, und eine Normseite fasst 1.800 Zeichen mit Leerzeichen. Vierzig Seiten Transkript wiegen darin genauso schwer wie vierzig Seiten deiner eigenen Auswertung.
Was du als Nächstes tust
Zieh alle Anlagen in ein separates Dokument und lies deinen Haupttext einmal ohne sie. Verstehst du deine eigene Argumentation weiterhin? Dann sitzt die Aufteilung richtig.
Danach vergibst du die Kennungen und gehst den Text mit der Suchfunktion nach dem Wort „Anhang" durch, um verwaiste Verweise zu finden. Der Schreibcoach sagt dir, ob deine Verweissätze für jemanden verständlich sind, der dein Material nicht kennt.